Paris/Hildesheim - Die deutschen Bahnrad-Sprinterinnen mit der Hildesheimerin Emma Hinze fuhren bei den olympischen Spielen in Paris eine Weltrekord-Zeit und verpassten dennoch das Finale um die Goldmedaille. Am Ende gewannen sie gegen die Niederlande das Rennen um Bronze.
Es war der pure Wahnsinn im Velodrom von Paris. Im Vorlauf waren Pauline Grabosch, Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich in einer Zeit von 45,644 Sekunden Dritte hinter Großbritannien (45,472) und Neuseeland (45,593) geworden. Doch die Deutschen hatten noch nicht alles gezeigt.
Drei Weltrekorde im Viertelfinale
Im Viertelfinale gegen die sechstplatzierten Mexikanerinnen gaben Starterin Pauline Grabosch und Emma Hinze richtig Gas – und Schlussfahrerin Lea Sophie Friedrich raste nach 45,377 Sekunden ins Ziel – ein neuer Weltrekord des deutschen Teams, das zuvor viermal in Folge den Weltmeister-Titel gewonnen hatte.
Wie schon bei Olympia 2021 in Tokio war das Goldfinale greifbar nah. Damals hatten die deutschen Sprinterinnen hauchdünn gegen China verloren und Silber geholt. In Paris platzte der Traum von der Goldmedaille für Emma Hinze und Co. erneut.
Kaum zu glauben
Kaum zu glauben, aber zunächst verbesserten die Neuseeländerinnen Rebecca Petch, Shaane Fulton und Ellesse Andrews den Weltrekord erneut. Im Duell mit Polen waren sie nach 45,348 Sekunden im Ziel – und damit 29 hundertstel Sekunden schneller als das deutsche Trio. Und der Wahnsinn ging weiter: Katy Marchant, Emma Finucane und Sophie Capewell aus Großbritannien konterten gegen Kanada mit einem weiteren Weltrekord – 45,338! Dass die Weltbestmarke innerhalb eines Wettbewerbes gleich mehrfach verbessert wurde, dürfte in der olympischen Geschichte einmalig sein.
Was heißt hier „nur“?
So erreichten Großbritannien und Neuseeland das Goldfinale – Hinze, Grabosch und Friedrich blieb nur der Kampf um Bronze. Aber was heißt hier „nur“? Die Hildesheimerin und ihre Teamkolleginnen hatten alles gegeben und mussten sich überhaupt keine Vorwürfe machen. Schon im Vorfeld der Spiele hatte Hinze erklärt, dass sie „alles raushauen“ werde. Wenn andere besser seien, dann müsse man das akzeptieren. Das Bronze-Finale gewannen sie in 45,400 Sekunden gegen die Niederländerinnen Kyra Lamberink, Hetty van de Wouw und Steffie van der Peet (45,690).
Und noch ein Weltrekord
Und so kann man festhalten: In Paris waren zwei Teams einen Tick schneller. Hinze, Grabosch und Friedrich haben in Paris nicht Gold verloren, sondern Bronze gewonnen. Um das Ganze nochmal einzuordnen: Die Chinesinnen, Olympiasieger in Tokio, wurden in Paris nur Sechste.
Gold hing an Großbritannien. Im Finale gegen Neuseeland (45,659) verbesserten Marchant, Finucane und Capewell den Weltrekord ein weiteres Mal: 45,186 – der helle Wahnsinn!
Kommentar: „Enttäuschung“? Im Gegenteil...
„Trostpreis Bronze – Riesenenttäuschung bei Teamsprint-Trio“ titelte die Deutsche Presse Agentur (DPA) kurz nach dem olympischen Bahnrad-Wettkampf in Paris, in dem die Hildesheimerin Emma Hinze, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich Dritte geworden waren.
Schneller als das Silber-Team
Klar, nach Silber in Tokio 2021 und vier WM-Titeln in Serie wollten sie Gold holen. Es wurde „nur“ Bronze. Sicherlich waren Hinze und Co. im ersten Moment enttäuscht, aber mal im Ernst: Wer Weltrekord fährt und im Kampf um Bronze schneller ist als die im Goldfinale unterlegenen Neuseeländerinnen, muss nicht enttäuscht sein.
Sie können stolz sein
Im Gegenteil: Hinze, Grabosch und Friedrich können stolz sein auf ihre Leistung. Und Hildesheim kann stolz sein auf Emma Hinze. Bei der Siegerehrung flossen Tränen – nicht aus Enttäuschung, sondern vor Freude. Richtig so!



