Kampf mit den Kosten

Online-Shop ja – Zalando nein: Warum der Hildesheimer Tobias Eierund lieber alleine handelt

Hildesheim - Tobias Eierund hat in Hildesheim ein Bekleidungsgeschäft, startete aber auch schon vor 14 Jahren seinen Internet-Shop. Er sagt: Ein bisschen online geht nicht, wenn man Erfolg haben will. Wie er das meint und warum er Zalando einen Korb gegeben hat.

Tobias Eierund in der Hildesheimer Firmenzentrale des Online-Shops im Gebäude, in dem sich auch das stationäre Geschäft befindet. Mitarbeiterin Sandrine Salland bereitet eine Jeans für den Versand vor. Foto: Jan Fuhrhop

Hildesheim - Wer im Einzelhandel überleben will, muss auch online sein und Ware übers Internet verkaufen. Nach dieser Devise sind viele Unternehmer unterwegs und versuchen, sich in der digitalen Welt zu behaupten. Da fällt es durchaus auf, wenn jemand wie Lutz Hockemeyer als regionaler Verlaufsleiter des Modehauses SiNN sagt: Onlineshop – brauchen wir nicht. Wenige Wochen vor der Eröffnung des neuen SiNN-Standorts Ende März/Anfang April im Hohen Weg in Hildesheims Innenstadt, bricht Hockemeyer eine Lanze für den stationären Handel. Der Aufwand für den Online-Versand sei extrem, die Retourenquote sehr hoch – er kenne niemanden, der damit wirklich Geld verdiene.

Wenn online, dann richtig: Man müsse groß denken, sagt Tobias Eierund

Als Tobias Eierund im Gespräch mit der HAZ von dieser Einschätzung Hockemeyers hört, sagt er: „Der Mann hat durchaus Recht, aber nur zum Teil.“ Der 54-jährige Inhaber des Bekleidungsgeschäfts Eierund ist nicht nur alteingesessener Hildesheimer Einzelhändler – er zählt auch zu den Pionieren des Onlinehandels. Bereits vor 14 Jahren, als viele Menschen von Zalando noch nie etwas gehört hatten, fing Eierund an, sich intensiv mit dem Aufbau eines eigenen Internetportals zu beschäftigen, um darüber Kleidung zu verkaufen. „Man muss das groß denken, wenn man Geld verdienen will“, sagt der Unternehmer. Und er dachte von Anfang an groß: Wenn online, dann richtig, nicht nur als digitaler Wurmfortsatz des stationären Geschäfts, der nur lokale Kunden anlockt.

Die Eierund-Kundschaft sitzt vielleicht nicht in der ganzen Welt, aber in ganz Deutschland – unter dieser Devise fuchste er sich ins Thema, verbrachte Tage und Nächte mit dem Aufbau und der Pflege des Online-Shops. „Wir waren einer der ersten Einzelhändler, die sich damit überhaupt beschäftigt haben“, sagt der 54-Jährige. Sein Ehrgeiz und sein Durchhaltevermögen haben sich ausgezahlt – und die wenigsten wissen, dass sich in dem Gebäude in der Almsstraße mit dem Nachnamen des Inhabers über dem Eingang nicht nur das für alle Kunden sichtbare Ladengeschäft befindet, sondern sich in den Etagen darüber und im vor drei Jahren hinzugekauften Nachbargebäude die Zentrale von Eierunds Online-Shop hoseonline.de befindet. 49 Mitarbeitende hat der Textil-Unternehmer insgesamt – 25 davon arbeiten ausschließlich für den Internethandel. Vom IT-Experten bis zur Mitarbeiterin, die die Jeans fotografiert und das Bild online stellt, bis zur Angestellten, die die Hose verpackt und versandfertig macht – Eierund hat sie alle im Haus. Das sei sein Erfolgsrezept, sagt er: alles selbst machen.

Zalando verlange zu viel Provision, die Retourenquote sei zu hoch

Und damit kommt er zu dem Part, in dem er dem SiNN-Regionalleiter widerspricht: Denn wer einen eigenen Online-Shop mit genügend Reichweite betreibe (Eierund hat nach eigenen Angaben weit mehr als 100 000 Kundendaten in seiner Datei), der könne damit sehr wohl Geld verdienen. In der Tat aber sei es „Quatsch“, entweder „zu klein“ zu denken oder undurchdacht „jeder digitalen Versuchung nachzugeben“. Heißt: Zum einen hält Eierund von lokalen Online-Marktplätzen wie dem Hildeshop wegen fehlender Reichweite nicht all zu viel, und zum anderen lohne es sich kaum, als stationärer Händler auf Plattformen wie Zalando oder Amazon zu setzen, um so ins Onlinegeschäft zu kommen. Er habe es zwischenzeitlich selbst versucht, sei aber bei allen Plattformen wieder ausgestiegen. Vor zwei Wochen erst hat der 54-Jährige bei Zalando die Reißleine gezogen und bietet dort keine Ware mehr an. Während der Pandemie hatte der Platzhirsch damit gelockt, von Händlern keine Provision zu verlangen, Eierund startete deswegen einen Versuchsballon.

Inzwischen, berichtet er, lange Zalando aber längst wieder zu, verlange 15 statt null Prozent. Der Umsatz über Zalando sei im vergangenen Jahr durchaus gut gewesen, erzählt Eierund. Aber er habe eben auch genau durchgerechnet, und nach Abzug aller Kosten sei rausgekommen: Für den Zalando-Ausflug habe er 2022 sogar draufgezahlt. Ein Problem sei auch die von Lutz Hockemeyer angesprochene hohe Zahl von Rücksendungen, die habe bei über 60 Prozent gelegen, sagt Eierund. „Zalando-Kunden sind keine guten Kunden, die bestellen einfach drauflos.“ In seinem Shop hoseonline.de sei das Verhalten anders: Die Kundinnen und Kunden suchten und bestellten gezielter, die Retourenquote liege bei nur 35 Prozent. Sein stationäres Geschäft und dessen Kundschaft profitiere aber ebenfalls von der Online-Schwester: „Wir könnten im Laden sonst nie solch eine große Auswahl anbieten.“

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