Startup-Drama

Orangery Hildesheim: Nun ist auch Dominik Groenens einstiges Vorzeigeprojekt insolvent

Hildesheim - Vom Startup-Star zum Blender, der wütende Gläubiger in Hildesheim zurückließ: Dominik Groenen ist mächtig abgestürzt. Nun ist auch jene Firma offiziell pleite, mit der in Hildesheim einst bekannt und zur Marke wurde.

Dominik Groenen in der Orangery, als diese noch am Bismarckplatz ihren Sitz hatte. Foto: Tarek Abu Ajamieh (Archiv)

Hildesheim - Einen Geschäftsbetrieb gab es offenbar schon länger nicht mehr – nun ist das einstige Hildesheimer Startupzentrum Orangery auch offiziell am Ende. Das Amtsgericht hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die Orangery Coworking GmbH eröffnet und den Rechtsanwalt Manuel Sack von der Kanzlei Brinkmann&Partner aus Hannover zum vorläufigen Verwalter berufen. Damit ist ein weiteres Unternehmen aus der Hildesheim-Zeit des einstigen Startup-Stars Dominik Groenen zusammengebrochen. Groenen ist inzwischen in die USA ausgewandert und hat in Hildesheim und anderswo mehrere Gläubiger hinterlassen, denen er erhebliche Geldsummen schuldet.

Umzug ins Ostend

Dominik Groenen hatte im Jahr 2018 in Hildesheim die Gründung einer Firma namens The Orangery vorangetrieben. Sie sollte Startups Räume zur Verfügung stellen und sich finanziell an solchen Neugründungen beteiligen – mit dem Ziel, Anteile im Erfolgsfall teurer weiterverkaufen zu können. Groenen sorgte zeitweise für große Euphorie bei Politik, Wirtschaft und Hochschulen in Hildesheim, zur Einweihung am Bismarckplatz hielt unter anderem Oberbürgermeister Ingo Meyer eine Rede. Tatsächlich gewann Groenen zu Beginn eine Reihe von Startups für sein Projekt. 2019 übernahm er offiziell die Führung der Orangery.

2020 änderte er den Namen in Orangery Hildesheim GmbH – wohl zur besseren Unterscheidbarkeit, da er in jener Phase unter anderem in Hameln und Stralsund weitere Orangery-Standorte eröffnete. Zwischenzeitlich stieg sein Bruder Sebastian Groenen als zweiter Geschäftsführer mit ein. 2021 folgte die Umfirmierung in Orangery Coworking GmbH, weiterhin mit Dominik und Sebastian Groenen als Geschäftsführern. Nachdem die Orangery ihrem bisherigen Vermieter eine hohe fünfstellige Summe schuldig geblieben war, zog sie zudem in einen Neubau im Ostend um.

Groenen in San Diego

Doch auch dort kam das Unternehmen nicht mehr richtig auf die Beine. Zwischenzeitlich gründeten die Groenens auch das Gastronomie-Unternehmen Roots ‚n‘ Seeds, das aber bereits im vergangenen Jahr in die Pleite rutschte.

Unklar ist, wer letztlich einen Insolvenzantrag gegen die Orangery Coworking GmbH gestellt hat. Der vorläufige Insolvenzverwalter Manuel Sack war bislang noch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, Dominik Groenen lebt inzwischen im kalifornischen San Diego.

Gerichtsvollzieher mit leeren Händen

Sicher ist, dass sich im Creditreform-Auszug der Orangery mindestens 15 Einträge zu erfolglosen Versuchen eines Gerichtsvollziehers, überfällige Forderungen einzutreiben, finden. „Gläubigerbefriedigung ausgeschlossen“, heißt es dort jeweils nüchtern. Bei weiteren Groenen-Betrieben gibt es solche Einträge ebenfalls. Gut möglich also, dass jemand, der auf diesem Wege nicht an sein Geld gekommen ist, versucht, nun über einen Insolvenzantrag zumindest noch einen Teil seiner Außenstände zurückzuholen.

Wenn denn noch etwas zu holen ist. Der vorläufige Insolvenzverwalter Manuel Sack wird nun unter anderem prüfen müssen, ob es sich überhaupt lohnt, ein reguläres Insolvenzverfahren zu eröffnen, oder ob das mangels Masse ohnehin keinen Sinn mehr hat. Sack dürfte zudem prüfen, ob Dominik Groenen oder sein Bruder als Gesellschafter und Geschäftsführer dem Unternehmen Geld entzogen oder ihm anderweitig Schaden zugefügt haben, für den er sie haftbar machen kann. Was, solange Dominik Groenen in den USA lebt, in seinem Fall nicht unmöglich, aber auch nicht ganz einfach wäre.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Dominik Groenen sei zuletzt alleiniger Geschäftsführer gewesen. Das beruhte auf einer Fehlinformation. Der Text ist korrigiert.

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