Hildesheim - Der Streit um die Verkehrssituation am Gasthaus Scharfe Ecke zwischen Itzum und der Domäne Marienburg spitzt sich zu. Dabei schwelt der bereits seit etlichen Jahren. Deutlich wird das auch wieder jüngst im Ortsrat Itzum, als der Polizist Michael Hartleib von Ortsbürgermeisterin Beate König (SPD) gebeten wist, die Lage dort aus seiner Sicht einzuschätzen.
Hartleib ist als Sicherheitsbeauftragter auch für den Bereich Itzum und Galgenberg zuständig und kennt die Situation an der Kurve zu der Traditionsgaststätte Scharfe Ecke sehr gut. Er war kürzlich eigens vor dem Schulbeginn um 7.30 Uhr vor Ort, um sich einen aktuellen Eindruck zu verschaffen. An diesem Morgen sei dort wenig losgewesen, beschreibt er seine Beobachtungen, wenige Radfahrer und zwei Eltern zu Fuß, ein Kind war auch dabei.
Dafür bemerkte er parkende Autos vor der Gaststätte, deren Heckteile auf den Fußweg ragten, darunter ein Sprinter-Lieferwagen, der den Fußweg auf einen Meter Breite einschränkte. In so einem Fall benachrichtige er auch die Wirte, damit der Fahrer seinen Wagen umparkt, erzählt Hartleib.
Sein Fazit: Auf maximal 2,45 Meter Breite teilen sich Fußgänger, Schulkinder und Radfahrer auch im Gegenverkehr den schmalen Pfad, der sich kurz darauf auf der Brücke noch weiter verschmälert.
Doch das ist nicht alles, setzten Ortsratsmitglieder gleich nach.
Rüdiger Bückmann (Ortsratsmitglied von Bündnis 90/Grüne) weist auf die Bewohner des Tossumer Weges hin, die zahlreichen Gäste des Hotel- und Restaurantbetriebes und die Wanderer zum und vom Naturschutzgebiet „Am roten Stein“ hin, die alle die Beusterstraße in der zeitweise dicht befahrenen Kurve überqueren müssen. Hinzu kämen noch die Reiter, die ihre Pferde im Naturschutzgebiet weiden lassen und fast täglich die Beusterstraße zu Pferde überqueren, um Ausritte ab Domäne zu machen.
In Richtung Itzumer Sportplätze ist außerdem im Nahbereich eine Bushaltestelle, die vor allem von Studierenden genutzt wird, die zum Kulturcampus der Uni wollen.
Alles im allen eine unübersichtliche Situation, fasst König zusammen und fordert Hartleib zu einer eigenen Wertung auf. „Nicht verkehrssicher für Schulkinder“, antwortet der.
Die Ortsbürgermeisterin ist auf der Zinne, ebenso die anderen Mitglieder des Gremiums. Vor Kurzem hat die Stadt die Verkehrskommission beauftragt, die Situation einzuschätzen. Deren Urteil: Es ist sicherer geworden. Deswegen hat die Stadt auch den Schultransport per Taxi für Schulkinder zum frisch angelaufenen Schuljahr eingestellt.
Sicher sei der Bereich, weil dort nun ein Stop-Schild aufgestellt worden ist, teilt die Stadt als Antwort an den Ortsrat mit. Die Reaktion im Ortsrat: Fassungslosigkeit. Ortsratsmitglied Werner Hinz (Die Unabhängigen): „Für mich ist das die Teufelsecke.“ Bückmann erneuert seine Forderung nach einem Zebrastreifen und schlägt vor, die Passage für Fußgänger und Radfahrer rot zu markieren, wie es an ähnlichen Stellen in Hildesheim längst der Fall ist.
Ortstermin wird von der Verkehrskommission abgelehnt
König fordert Monika Wengeler als Ortsratsbeauftragte der Stadt auf, einen gemeinsamen Termin mit der Verkehrskommission und dem Ortsrat zu veranlassen. Doch die hat schon die Auskunft eingeholt, dass der Ortsrat sich mit seinen Bedenken schriftlich an die Kommission wenden solle.
„Das ist nicht das erste Mal, das wir als Ortsrat mit unseren Anliegen von der Verwaltung nicht ernst genommen werden oder Maßnahmen nicht vorher informiert werden“, sagt König und wertet das als Missachtung eines gewählten, ehrenamtlich arbeitenden kommunalen Gremiums.
Thema Mobilität und Sicherheit auch im Ortsrat am 7. September
Zudem wurde im Ortsrat Itzum (und wird am 7. September um 19 Uhr Marienburger Höhe im Landesbildungszentrum der Öffentlichkeit) das neue Mobilitätskonzept Hildesheimer Süden vorgestellt. Das sieht zum Beispiel Farbmarkierungen und neue Wegführungen vor, um gefährliche Passagen für Fußgänger und Radler sicherer zu machen. Nur eben nicht an zwei neuralgischen Punkten: am Klingeltunnel und im Bereich Scharfe Ecke. Immerhin hat der Ortsrat nun die mündliche Einschätzung eines Polizisten eingeholt. Und der ist unter anderem auch im Einsatz, um Schulkindern zu erklären, welche Gefahren im Straßenverkehr lauern.
Kommentar: Die Stadt muss handeln
Klar, alle müssen sich grundsätzlich an die Verkehrsregeln halten. Aber so einfach ist es nicht immer. Besonders nicht an Stellen, wo es trotzdem immer wieder zu brenzligen Situationen kommt wie im Bereich der Scharfen Ecke in Itzum. Eine unübersichtliche Kurve, ein enger Gehweg, der manchmal zugeparkt ist und ein Schulweg für Grundschüler. Allein das sollte schon ein Alarmzeichen für die Stadt sein. Ist es aber nicht. Die lässt ein Stopp-Schild aufstellen und gut ist. Nichts ist gut. Nicht mal Farbe für eine Markierung gibt es. Schlimmer noch: Ein engagierter Ortsrat wird mit seinen Bedenken ignoriert. Moderne, bürgernahe Kommunalpolitik sieht anders aus.




