Hildesheim - Für gewöhnlich sind Bauherren verärgert, wenn sich die Vorbereitungen für ein Projekt länger als gedacht ziehen. Im Fall des geplanten Bahnübergangs von der Oststadt ins Neubaugebiet Ostend gibt man sich im Rathaus allerdings derzeit äußerst gelassen – obwohl es im August des vergangenen Jahres noch hieß, dass der Bau im Sommer 2019 beginnen solle.
Das Genehmigungsverfahren gestalte sich „relativ zäh“, räumt Stadtsprecherin Jasmin Weprik gegenüber der HAZ ein. Doch für die Entwicklung des Ostends sei dies in keiner Weise von Nachteil: Nachdem die nötigen Baustraßen angelegt wurden, laufe der Hochbau auf dem Areal nun wie vorgesehen an.
„Relativ zähes“ Verfahren
Der geplante Übergang am Ende der Goethestraße soll das Ostend direkt an die Oststadt anschließen und so Radfahrern und Fußgängern eine möglichst bequeme Anbindung bereiten. Der Autoverkehr soll über die Frankenstraße und von der Senator-Braun-Allee aus fließen.
Um die Abkürzung über Bahnschienen hinzubekommen, musste die Stadt sich vor allem mit zwei Parteien lange auseinandersetzen: Mit Anrainern aus der Goethestraße, die mit der Verwaltung um jeden Meter rangen, den die Rampe für den Übergang einnehmen würde – und mit der Deutschen Bahn. Letztere ist als durchaus zäher Verhandlungspartner mit gehöriger Ausdauer bekannt, wenn es um die Abstimmung von Bauprojekten geht. Für die Genehmigung des Ganzen ist dann wiederum das Eisenbahnbundesamt (EBA) zuständig. Weil sich das laufende Verfahren so lange hinzieht, muss die Stadt nun bei den eingereichten Antragsunterlagen noch einmal nachbessern: Denn zum 1. Januar 2019 hatte das EBA einen neuen Leitfaden erstellt, der Form und Inhalt der nötigen Unterlagen vorgibt. Bei der Stadt erkennt man in der Verzögerung aber unterdessen gar nicht Schlechtes. Im Gegenteil: Da der Übergang nicht fertig sei, könnten eben auch keine Radfahrer und Fußgänger ins Ostend gelangen, die dort wegen der laufenden Bauarbeiten eher stören würden.
1,5 Millionen Euro Gesamtkosten
Die Verwaltung geht inzwischen davon aus, dass Baustart für den Bahnübergang im zweiten oder dritten Quartal 2020 sein kann. Die veranschlagten Gesamtkosten liegen bei 1,5 Millionen Euro, zwei Drittel davon stammen aus Fördermitteln, den Rest muss die Stadt selbst zahlen. Zum einen fließt das Geld in den reinen Bau, ein Teil dient aber auch als Ablöse an die Bahn – denn die ist nach Fertigstellung für die Unterhaltung des Übergangs zuständig.
Nach den langwierigen Vorbereitungen erscheint die reine Bauzeit dann nur noch wie ein Klacks: die Planer im Rathaus veranschlagen sechs bis acht Wochen.