Burgstemmen - Es war nur eine Schnapsidee, ein Kumpel, der zu Daniel Mordhorst sagte, Mensch, schreib’ doch mal einen Songtext mit dem Titel „Bumsbar“. Das passt zum Ballermann, das ist vulgär, man kann es grölen. „Heute sind wir wieder bumsbar“, schreibt Mordhorst also, klimpert nebenher etwas auf der Gitarre; seine Art, passende Melodien zu entwickeln. „Geile Mädels, geile Jungs da“.
Drei Jahre später wird der Song von Ballermann-Ikone Ikke Hüftgold und den Musikern Schürze und DJ Robin, die schon den vieldiskutierten Song „Layla“ geliefert haben, tatsächlich gegrölt. Überall da, wo man als Musiker des Genres „Ballermann“ eben gespielt werden will: im Bierkönig, im Megapark, Hauptsache auf Mallorca. Und die Melodie und der Refrain, die kommen von Mordhorst.
Fensterputzer produziert Ballermann-Hits
Der hauptberufliche Fensterputzer, der mit seiner Frau, seinen drei Kindern und Pomeranian Zwergspitz Pompom in Burgstemmen lebt, verbringt viel Zeit im hauseigenen Studio. Ein kleiner, gemütlicher Raum, abgedunkelt; mit indirektem, blauen Licht, drei Bildschirmen an der Wand, einem Mikrofon in der Ecke. Da entstehen sie, die Songs, die, wenn es nach ihm geht, auch bald im Bierkönig gespielt werden dürfen, der wohl berühmtesten Lokalität auf der spanischen Insel, die für manche als 17. Bundesland gilt.
Passend deshalb auch der Titel seines neuen Tracks „Inseldicht“, den er unter dem Pseudonym Dani Sause im März veröffentlichen will. Das Video wird in den kommenden Wochen gedreht. Der 34-Jährige ist Autodidakt, macht alles selbst, die Melodien, die Texte, die Beats. Bei der Produktion von „Inseldicht“ unterstützte ihn Produktionspartner und seine rechte Hand im Musikbusiness Marco D’Andrea.
Mordhorst hatte bereits einen Major Deal
Er ist es auch, der Kontakte in die Szene hat. Denn – wie kommen die Zeilen aus Burgstemmen eigentlich an den Ballermann? „Die Nachfrage an Texten ist tatsächlich groß“, sagt Mordhorst. Vor allem D’Andrea kennt viele Leute aus dem Musikgeschäft, hilft Mordhorst dabei, seine Texte an die richtigen Leute zu bringen.
Dass sein Text nun von Ballermann-Barde Ikke Hüftgold, der Fans feuchtfröhlicher Party-Hits mit Songs wie „Dicke Titten, Kartoffelsalat“ beglückte, interpretiert wird, ist nicht der erste musikalische Erfolg für Mordhorst. Vor Jahren hat er unter dem Pseudonym Sunny D einen Major Deal bei Universal gelandet, damals noch mit Liebesliedern. Erst gefühlig, jetzt versoffen?
Umstrittener Song bringt Ballermann-Hits in den Mainstream
Zugegeben: Auf den ersten Blick passt Mordhorst eher ins Rap-Genre. Mit seinen Tattoos, einen ganzen Arm voll schwarzer Tinte, auf dem Handrücken prangt das Porträt von James Dean, unter seinem Auge der Schriftzug „Dreams“. Aber: „Ich bin mit Schlagern aufgewachsen. Mit Roy Black, Costa Cordalis, Heintje – den hör’ ich heute noch gern.“
Inzwischen hat sich aber einiges getan, auf den Partys wird nun Ikke Hüftgold statt Jürgen Drews gespielt, mittlerweile regieren Ballermann-Hits die Partys. Und nicht nur die. Denn mit dem umstrittenen Song „Layla“ aus dem Jahr 2022 schaffte es erstmals ein Malle-Song an die Spitze der deutschen Charts und damit in den Mainstream, abseits von Eimer-Saufen und Strandbars.
Nicht unumstritten
Neun Wochen auf Platz 1, dazu über 143 Millionen Streams und dreifach Gold. Das GfK Entertainment, die die Offiziellen Deutschen Charts erstellen, kürte den Track sogar zum Sommerhit des Jahres. Das Erfolgsrezept: Schnelle Techno-Beats, derbe Texte und ein Refrain, den man – ob man will oder nicht – kaum mehr aus dem Kopf bekommt. „Der Schaukelschlager hat ausgedient, jetzt ist Platz für Neues“, sagt auch Mordhorst. An dem Neuen gibt es aber auch Kritik, so wurde „Layla“, der von einer Puffmutter handelt, auf manchem Volksfest nicht gespielt.
Der Vorwurf: Der Songtext sei sexistisch, frauenverachtend. Völlig überzogen, findet Mordhorst. „Die Gesellschaft ist einfach klein kariert. Das ist Gute-Laune-Musik, das ist mittlerweile ein etabliertes Genre, das genauso eine Daseinsberechtigung hat wie andere.“
Award für Mordhorst
Getextet hat er schon für Comedian Matze Knop, DSDS-Teilnehmer Mike Leon Grosch, das DJ-Duo Stereoact – und vergangenes Jahr eben für Ikke Hüftgold. Für den Song „Bumsbar“, der in Deutschland und Österreich wochenlang in den Charts war, erhielt Mordhorst nun einen Award vom GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie.
Denn: Auf dem vielverkauften Album „Nummer Eins“ von Ikke Hüftgold ist auch der Song „Bumsbar“. „Momentan ist es einfach krass“, sagt Mordhorst, staunt noch immer über die Videos vom Ballermann, in denen Partymeuten seinen Refrain grölen. „Das kann man gar nicht in Worte fassen.“
Jetzt will er mit eigenen Songs landen
Auf dieser Welle des Erfolgs will er weiterschwimmen, mit eigenen Songs die Charts erobern, und, das ist der große Traum, irgendwann selbst als Sänger am Ballermann auftreten. Die gute Laune, das Dauergrinsen im Gesicht, die Attitüde, das Leben nicht zu ernst zu nehmen und auch mal einen über den Durst zu trinken – ja, Mordhorst bringt so einiges mit, was man als Ballermann-Star braucht. „Bierkönig wäre mega – generell Mallorca“, sagt er. „Wir machen ja Mallorca-Musik, da musst du da auch stattfinden.“
Persönlich kennengelernt hat Mordhorst die Ballermann-Ikone Ikke Hüftgold oder die anderen Bumsbar-Interpreten bislang übrigens nicht. „Ich habe aber gesehen, dass Ikke bald in Hildesheim ist, Anfang Juli beim Mallorca Festival“, sagt Mordhorst. „Vielleicht geht da ja was.“ Erstmal steht aber sein nächster Auftritt in Hameln an. Am Samstag, 24. Februar, steigt im Musicparc die „Dani Sause and Friends“-Party. Gemeinsam mit anderen Musikern will Mordhorst seinen Award ausgiebig feiern. „Es wird bunt, versoffen und laut“, verspricht er. Eben so, wie man sich eine Ballermann-Party vorstellt.
