Kreis Hildesheim - Ein Erixx-Zug ist am Mittwochmorgen auf freier Strecke kurz vor Laatzen liegengeblieben: Im Zug saßen viele Pendler – auch zwei HAZ-Redakteure auf dem Weg von Hannover zur Arbeit in Hildesheim. Der gestaltete sich bizarr. Inzwischen läuft der Zugverkehr wieder regulär.
Ganz und gar nicht aber läuft es am Morgen: Um 8.50 Uhr setzt sich der Erixx, der als Zweier-Gespann unterwegs ist, um zwei Minuten verspätet in Hannover auf Gleis 7 in Bewegung. Nur zwei Minuten verspätet, das ist mehr als harmlos für heutige Bahn-Verhältnisse. Aber es sollte dicke kommen, eine Fahrt, die planmäßig eigentlich 25 Minuten von Hannover nach Hildesheim dauert, wurde für etliche zum Zwei-Stunden-Trip.
„Wir haben einen kompletten Systemausfall“
Kurz vor Laatzen bleibt der Erixx 83459 plötzlich stehen. Es sind nur 100 Meter bis zum nächsten Bahnsteig des Messe-Bahnhofs. „Wir haben einen kompletten Systemausfall“, verkündet der Lokführer per Lautsprecher. Prost Mahlzeit, denke ich. „Wir müssen den Zug abrüsten. Da geht gleich das Licht aus“, sagt der Mann. Er versucht, mit Bordmitteln das technische Problem zu lösen.
Ich sitze derweil im vorderen Zugteil, mein Kollege Jan Linkersdörfer im hinteren. Eigentlich müssen wir um 9.45 Uhr in Hildesheim in der HAZ-Redaktion sein. Wir wissen schon jetzt: Das können wir uns wohl abschminken. Wir verschicken Nachrichten an die Kollegen und Kolleginnen.
Die meisten Passagiere reagieren gelassen
Der Lokführer verlässt seine Kabine und hastet durch den Zug, vor und zurück. Er scheint irgendwo herumzuhantieren. Dann ist der Mann draußen, hat die orangefarbene Warnweste an. ICE und weitere Züge rauschen vorbei. Im Zug bleiben die meisten Fahrgäste gelassen – sie scheinen diese Vorfälle gewohnt zu sein. Andere wiederum reagieren genervt, werden hektisch, telefonieren, sagen Termine ab oder informieren ihre Arbeitgeber über die Verspätung. Eine junge Frau gerät in Rage und brüllt in ihr Telefon: „Soll ich etwa die Scheibe einschlagen und über die Gleise laufen?“
Nach knapp 30 Minuten schafft es der Lokführer, den vorderen Zugteil in Bewegung zu setzen und in den Laatzener Bahnhof zu steuern. Der hintere Zugteil aber bleibt auf den Gleisen stehen, mein Kollege Linkersdörfer sitzt in diesem. Ich rufe derweil einen Mann an, mit dem ich mich wegen eines Themas in Hasede treffen muss. „Ich komme um 12“, sage ich ihm.
Zugteile werden einzeln in den Bahnhof rangiert
Der vordere Wagen hält am Bahnsteig. „Steigen Sie in die S-Bahn um. Die hält gegenüber“, rät der Lokführer den Fahrgästen, die nach Hildesheim müssen. Gesagt, getan. Ich fahre also mit der S 4, die „nur“ zwölf Minuten Verspätung hat, nach Hildesheim. Mein Kollege schmort weiter im hinteren Zugteil auf freier Strecke.
Der Lokführer rennt zu diesem zurück und rangiert ihn ebenfalls an den Bahnsteig in Laatzen. Der bahnerprobte Kollege Linkersdörfer steigt aus. Auch er ist immer wieder mit verspäteten Zügen zwischen Hannover und Hildesheim unterwegs. Und nun dieser Totalausfall. Linkersdörfer wartet am Bahnsteig. Zum Glück hält der nächste Erixx-Zug nach Hildesheim außerplanmäßig in Laatzen und sammelt die festsitzenden Pendler ein. Also kommt auch er endlich vom Fleck. Er ist um 10.45 Uhr in der Redaktion, ich habe es 20 Minuten früher geschafft.
