Hildesheim - Die Nase, die Augen und eine Fettabsaugung am Kinn: Ein Reality-TV-Sternchen hat für Aufsehen gesorgt, weil es sich in einem OP-Marathon all diesen Eingriffen unterzogen hat. Hast du das mitbekommen, liebe Julia? Außerdem hat Emma Fernlund 35 Kilo abgenommen, ihre Brüste vergrößern und ihr Gesicht mit Botox und Hyaluron behandeln lassen. Sie ist gerade einmal 24. Und in der Vorschau einer neuen Sendung erkennt man sie kaum wieder. Doch Fernlund ist damit längst nicht allein: Immer mehr junge Frauen legen sich unters Messer. Woher der Druck kommt, das eigene Aussehen so stark zu verändern, ist klar. Einmal Instagram geöffnet, ploppt eine makellose Frau nach der anderen auf: perfekt gestylt, faltenfrei und ohne Cellulite. Und wenn’s keine Filter sind, die sie so aussehen lassen, haben sie direkt einen Tipp für eine Behandlung parat. Doch auch im echten Leben lauern überall Optimierungsmöglichkeiten. „Wie stehen Sie zu Hyaluron?“, wurde ich mal bei der Kosmetik gefragt. Darüber hatte ich vorher noch nie nachgedacht. Doch später erwischte ich mich vorm Spiegel bei dem Gedanken, ob ich das wohl brauche…?
Nun gibt es an der Sache ja aber einen Haken. Während die Influencerinnen gern zur Schau stellen, wie vermeintlich perfekt sie nach den Eingriffen aussehen, spricht kaum eine darüber, wie riskant sie sein können. Anders macht es nun die Influencerin Tschäry. Entwaffnend ehrlich erzählte sie in einem Podcast, dass auch sie sich etlichen Operationen und Behandlungen unterzogen hat. Vor allem, weil sie sich durch Social Media dazu gedrängt gefühlt habe, immer schöner zu werden: um sichtbar zu bleiben, mehr Likes zu bekommen. Erst als eine Behandlung schieflief und sie plötzlich in Lebensgefahr schwebte, stoppte ihr Beautywahn. „Wir reden von abkratzen, sterben“, sagt Tschäry, die vor den Komplikationen „kerngesund“ gewesen sei. 44 Operationen in anderthalb Jahren waren die Folge, um die aufgetretenen Entzündungen in den Griff zu bekommen. „Das war meine Notbremse vom Leben.“ Mittlerweile frage sie sich selbst, wo der Beautywahn noch hinführen soll. Und darum hoffe ich, dass Tschärys Geschichte mindestens genauso viel Aufmerksamkeit bekommt wie all die perfekten Fotos. Denn das größte Privileg ist doch, einen gesunden Körper zu haben – für Schönheit sollte man niemals sein Leben aufs Spiel setzen.
In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.
