Erntezeit

Pfirsich, Pflaume, Aprikose: Welche Rolle das Wetter bei der Obsternte spielt – nicht nur im Sommer

Gleidingen - Jeden Tag reifen an den Bäumen und Sträuchern der Obstplantage von Klaus Hahne die Früchte. Manche sollten bei Regen nicht geerntet werden, andere wachsen vor dem Wetter geschützt. Was sich beim Obstbau ändern wird. (mit VIdeo)

Pfirsiche eignen sich sehr gut für Gärten in Deutschland, betont Obstbauer Klaus Hahne. Foto: Clemens Heidrich

Gleidingen - Die Pflaumen an den Bäumen von Klaus Hahne in Gleidingen sind erntereif – und wenn sie zu lange warten müssen, dann fallen sie einfach vom Baum und sind für den Verkauf verloren. Es ist also nicht gerade günstig, dass der Regen eine Pause beim Pflücken erzwingt. Aber Obstbauer Klaus Hahne will sich absolut nicht beklagen: „Wir brauchen den Regen.“

Obwohl die Gegend um seine 40 Hektar große Plantage in Gleidingen und Ruthe sehr feucht ist, und er außerdem Wasser aus Brunnen auf seinem Gelände fördern kann, um seine Pflanzen zu beregnen: „Es fehlt ja Grundwasser“, weiß Hahne. Er hat selbst beobachtet, dass der Wasserstand in den nahen Teichen in den vergangenen Jahren gesunken ist. Die Regi0n Hannover hat die Beregnung tagsüber zwischen 11 und 18 Uhr bei mehr als 24 Grad Celsius bereits untersagt. Außerdem: „Regenwasser ist besser für die Pflanzen, nicht so kalkhaltig, sondern besonders weich“, erläutert der Obstfachmann. 

Werden Pflaumen bei Regen geerntet, verlieren sie diesen typischen hellen Nebel auf der Haut, die Beduftung. Es gibt aber genug anderes Obst, das gerade Saison hat und auf den Einsatz von Pflückerinnen und Pflückern wartet. Die zehn festen Mitarbeitenden des Betriebs einschließlich Klaus Hahne, seiner Frau Carola und seiner Tochter Stephanie haben zurzeit Verstärkung durch zehn Studierende aus der Ukraine, erzählt Hahne.

Erdbeeren aus dem Folienhaus bis Oktober

Die bleiben auch bei Regen nicht ohne Beschäftigung: Pfirsiche können auch bei diesem Wetter geerntet werden; die seidigen Früchte leuchten in Farben von zartrot bis dunkelviolett aus dem nassen Laub. Und das Beerenobst steht beschirmt unter zeltartigen Regenkappen, das ist also ohnehin vor Niederschlag geschützt. Jeden Tag müssen alle Pflanzen durchgesehen und die reifen Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren herausgesucht und behutsam abgenommen werden. Selbst Erdbeeren gibt es noch bis Oktober, berichtet der Obstbauer, da die Pflanzen im Folienhaus immer wieder blühen.

Andere Obstsorten draußen werden von Netzen geschützt, zwar nicht vor Regen, aber vor Vögeln oder vor der Fruchtfliege. 10 000 Quadratmeter solcher Netze werden in seinem Betrieb verwendet, berichtet Klaus Hahne, und jedes Jahr wieder über die Pflanzen gebreitet. Die Aprikosen allerdings konnte er dieses Jahr nicht retten: Die Blüten sind im Februar erfroren, obwohl er versucht hatte, sie zu retten: Er hatte die Bäume unter Netzen geschützt und dann unterhalb der Kronen Wasser versprüht. Beim Gefrieren wird so Erstarrungswärme erzeugt. Doch die zwei bis drei Grad mehr haben dieses Jahr nicht gereicht, die Bäume tragen keine Früchte.

Bei diesem Verlust hält sich Klaus Hahne nicht lange auf: „Jedes Jahr geht irgendwas kaputt“, sagt seine Erfahrung. Dafür hängen die Mirabellenbäume voll, auch die der neuen großen Sorte Miroma. Hahne gehörte zu den ersten in Deutschland, die sie gepflanzt haben. Im August kommen rund 50 Züchter zu einem bundesweiten Treffen auf seinen Hof und sehen sich das an.

Manche alte Apfelsorte kann keine Hitze vertragen

Die Methode mit der Erstarrungswärme klappt bei Apfelbäumen besser, denn auch ihre Kronen können eingenebelt werden. Bis zu zehn Grad Frost können sie dadurch vertragen, sagt Hahne. Doch nicht nur Frost, auch HItze kann ihnen zu schaffen machen: Extremes Wetter hinterlässt Spuren, zum Beispiel Sonnenbrand. Langfristig seien wohl empfindliche Sorten wie Cox Orange und Boskop für den Anbau in Deutschland nicht mehr geeignet, vermutet der Obstexperte. Erst einmal versucht er es aber bei Neupflanzungen von Elstar und Wellant mit Beschattung und Hagelschutz – denn die Sorten seien zwar empfindlich gegen Hitze, aber eben bei den Kunden und Kundinnen auch sehr beliebt.

Zurzeit sind allerdings viele der Käuferinnen und Käufer im Urlaub – und das mache sich schon bemerkbar, sagt der Obstbauer. Denn die frischen Früchte werden täglich für den aktuellen Bedarf geerntet, auf das Ende der Urlaubszeit wartet das Obst nicht: „Da gibt es einen Stau“, sagt Hahne. Etwa die Hälfte des Verkaufs laufe über seinen Hofladen in Gleidingen, außerdem sei der Betrieb 15 Mal in der Woche auf Märkten an unterschiedlichen Standorten in Hannover vertreten. Hahne ist Vorsitzender des Fördervereins Bauernmarkt Hannover, der immer gleich ein ganzes Sortiment von regionalen Produkten mit seinen Mitgliedern abdeckt.

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