Bauarbeiten am Wochenende

Pfosten schweben im Landkreis Hildesheim in der Luft: Bahn erneuert Technik – für weniger Störungen im Zugverkehr

Elze/Nordstemmen - Am Samstag und Sonntag sind die Bahnstrecken zwischen Nordstemmen und Elze, Sarstedt und Rethen voll gesperrt. Der Grund: Eine neue Signaltechnik wird installiert. Beim Ausbau für die Schiene kommt die Technik aus der Luft. Ein Besuch auf der Baustelle. (mit Video)

Der Hubschrauber nimmt einen der Signalmasten auf, um ihn an seinen Bestimmungsort zu fliegen. Foto: Chris Gossmann

Elze/Nordstemmen - Der Aufwand ist enorm. Am Wochenende werden auf der Strecke Elze-Nordstemmen und am Bahnhof Elze sowie entlang der Strecke Sarstedt-Rethen neue Signale zur Steuerung des Zugverkehrs installiert. Die Zugstrecke wird wegen der Arbeiten für die Zeit voll gesperrt. Am Boden sind zahlreiche Mitarbeiter im Einsatz und einer ist in der Luft. Ein Pilot steuert einen Helikopter, der die Masten an ihre Bestimmungsorte bringt.

Am Sonnabendmorgen um 8 Uhr ist auf dem Bahnhof in Elze schon mächtig viel los. Fachüberwacher Carsten Gastmann sitzt an seinem Schreibtisch in einem der Baucontainer. Der Mitarbeiter der DB Engineering und Consulting koordiniert den Ablauf auf der Baustelle. 74 Signalmasten sollen allein am Sonnabend installiert werden. Zwischen Elze und Hannover werden es insgesamt 174 Anlagen, die zwischen drei und 6,50 Meter hoch sind. Statt die Masten am Boden zu transportieren, werden sie durch die Luft geflogen. „Man mag es kaum glauben, aber das ist wirtschaftlicher“, sagt Gastmann. Am Boden sind die Bagger, die dafür genutzt werden, gleisgebunden und damit nicht so flexibel wie ein Helikopter. Was am Boden anderthalb Stunden dauert, erledigt der Hubschrauber in einer halben Stunde.

Der Hubschrauber gehört zur Flotte der Firma Helijet aus Hannover. „Wir fliegen alles – außer Kranke“, sagt der Chef des Unternehmens Benjamin Dannenberg und zieht dabei seine Ausrüstung an. Über Funk ist er mit dem Piloten verbunden. Auch Dannenberg ist Pilot, das mache die Arbeit am Boden einfacher, weil er die Abläufe im Hubschrauber kennt.

Stellwerk in Kreiensen

Wie Bahn-Projektleiter Nils Brunken erklärt, wird die neue Steuerung für einen störungsfreieren Zugverkehr sorgen. Dafür wird ein neues Stellwerk in Kreiensen gebaut, zudem muss die neue Technik auf die Strecke. Die neue Signaltechnik sei nicht so störungsanfällig wie die alte, die noch aus den 1960er-Jahren stammt und deren Reparatur zunehmend schwieriger werde. Mit Hilfe der neuen Signale bekommen die Züge öfter freie Fahrt – vergleichbar mit der Grünen Welle im Straßenverkehr, so Brunken.

Neue Signale ab Sommer

Zunächst bleiben die alten Signale noch stehen. Gehen die neuen im Sommer in Betrieb, werden die alten Anlagen mit einem weißen Kreuz gekennzeichnet. „Der Lokführer weiß dann, die gelten nicht mehr“, sagt Gastmann. Die alten Anlagen werden später dann vom Boden aus abgebaut.

Gastmann schaut aus dem Fenster. Kurz nach 8 Uhr sollte der Hubschrauber eigentlich in Elze sein. Doch da ist kein Motorengeräusch zu hören. „Man darf nicht nervös werden. Wie haben ja noch einen Tag, das ruckelt sich schon hin“, sagt Gastmann, setzt seinen orangenen Helm auf und geht zu den Gleisen. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Es werden noch gut drei Stunden vergehen, bis der Hubschrauber Elze ansteuert. Denn er hat zunächst die Masten im Bereich Nordstemmen gesetzt.

Grüne Schlaufen am Mast

Die sind mit einer grünen, reißfesten Schlaufe versehen, in der ein Karabiner einhakt und der dann mit dem Hubschrauber in die Luft gezogen wird. Die vorbereiteten Masten mit den grünen Schlaufen liegen an einer Stelle neben den Gleisen. Am blauen Himmel ist lediglich ein Storch zu sehen, der sein Nest auf einem Mast neben den Gleisen ansteuert. Dann, wenige Minuten nach 11 Uhr, ist das Motorengeräusch des sich nahenden Hubschraubers zu hören. Damit er leichter ist und weniger Sprit verbraucht, sind der Sitz des Co-Piloten und die Tür auf der Seite ausgebaut worden.

Ein besonderer Einsatz

Der Hubschrauberpilot steuert kurz die Stelle an, an der der erste Mast seinen Platz finden soll. Wie eine Schwebfliege verharrt er ein paar Sekunden auf der Stelle. Dann fliegt er einen großen Bogen zum Lagerort der Masten. Wenig später schwebt der erste Pfosten durch die Luft. Im Gleisbett warten neben Benjamin Dannenberg von Helijet drei Bauarbeiter. Der Mast nähert sich dem Boden, wird auf das neue Fundament gestellt. Die Mitarbeiter befestigen den Pfosten, der Hubschrauberpilot löst das Tragseil und zieht ab. Das Ganze hat kaum zwei Minuten gedauert. Wenig später hängt der nächste Mast am Haken. „Das ist schon ein besonderer Einsatz für uns“, sagt Projektleiter Brunken. In Bayern würden öfter Helikopter eingesetzt, als in Niedersachsen. Vor dem Einsatz im Landkreis Hildesheim waren die Hubschrauber beim Bau der Weddeler Schleife im Einsatz.

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