Hildesheim - Auch heute noch würde Uwe Brennecke ein russisches Konzert organisieren. „Das ist eine wunderbare Musikkultur“, findet der Veranstalter der Klosterkonzerte in Marienrode. Er denkt aber auch an 2018 zurück. Damals war die Veranstaltung eine „russische Sommernacht“. Der Chefdirigent der Nationaloper Kiew, Alexei Baklan, leitete die Philharmonie des Theater für Niedersachsen (tfn) durch Werke von Tschaikowski und Strawinsky. „Während des Auftritts hat er aber auch vor einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine gewarnt“, erinnert sich Brennecke.
Für ihn ist das eine der prägendsten Erinnerung nach zehn Klosterkonzerten, die er organisiert hat. Ähnlich spektakulär, wenn auch weniger dramatisch, ist ihm 2014 im Kopf geblieben. Die deutschen Fußballherren holten eine Woche vorher in Brasilien die Weltmeisterschaft und Brennecke den Dirigenten Emiliano Patarro aus Sao Paulo nach Deutschland, um „Classico Latino“ im Hof des Klosters spielen zu lassen. „Die tfn-Philharmonie war immer die Basis für attraktive Gäste“, erklärt Brennecke.
80 Prozent des Publikums kommt auf der Region
Keines der zehn Konzerte seit 2023 – zweimal hat er wegen Corona ausgesetzt – habe weniger als 1000 Gäste gelockt. Bis zu 1800 Menschen darf er in den Klosterhof lassen. Für die diesjährige Ausgabe sind schon die Hälfte der Karten verkauft. „Es gibt ein Klassik-Publikum“, bestätigt Brennecke, „und das ist deutschlandweit gar nicht so klein.“ Allerdings: Etwa 80 Prozent seines Publikums kommen aus der Region, der Rest aus dem näheren Umland wie Braunschweig oder Hannover.
„Ich habe gelernt, dass man die Menschen abholen kann“, erklärt er. Einen Beitrag dazu leiste zum Beispiel eine Moderation. Uwe Tobias Hieronimi, Opernsänger am tfn, erklärt während des Konzertes die Stücke und Komponisten. Das senkt die Schwelle für Neugierige. „Man muss nicht hohe musikalische Bildung erwarten, sondern kann den Leuten etwas mitgeben.“ Dementsprechend versucht er beim Klosterkonzert die Waage zu halten zwischen Freizeit und Hochkultur.
Dieses Jahr gibt es die größte Bühne überhaupt beim Konzert
Das Publikum sei zwar „sehr diszipliniert“, wie Brennecke sagt, und gebe keinen Zwischenapplaus. Andererseits gibt es keine Kleiderordnung. Die Leute kommen in Freizeitkleidung, manche machen Picknick. Für den Veranstalter weniger im Sinne der Kasse, „aber man kann die Leute kaum reglementieren“, weiß er. Mit der Linie ist er über zehn Jahre gut gefahren. Auch alle anderen Herausforderungen hat sein Team gestemmt. Als einen Tag vor dem Konzert eine Solistin ausfiel, hat er es – dank der Kontakte aus dem tfn – auch geschafft einen Ersatz zu engagieren.
Dieses Jahr freut sich Brennecke auf „die größte Bühne, die wir je hatten“. 140 Quadratmeter stellt er in den Klosterhof, etwa 20 Quadratmeter mehr als sonst. Eine „Nacht der italienischen Oper“ bringt er zu seinem Jubiläum nach Marienrode. Rossini und Puccini, Donizetti und Verdi stehen auf dem Programm. Als Konzertleiter reist Walter Casali aus Pavia, Hildesheims italienischer Partnerstadt an. Möglich macht es die deutsch-italienische Gesellschaft Hildesheim, die dieses Jahr als Mitveranstalter dabei ist und Förderung von der Weinhagen- und der Bürgerstiftung einholen konnte. Außerdem tritt Sopranistin Monica Bozzo aus Mailand, neben tfn-Sängerinnen und Sängern, als Gastsolistin auf.
Hier gibt es Karten
Was Brennecke am Programm gefällt: Es sei „volkstümlich, aber nicht volkstümelnd“, wie er erklärt. Es sei bis heute „populäre Musik“ und quasi der „Schlager des 19. Jahrhunderts“. „Aber wir machen keine Schlagerparade, sondern bieten hohes Niveau.“
Karten für das Klosterkonzert Marienrode am Samstag, 24. August, gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
