Verwaltung hat sich für neue Regelung entschieden

Plan für beliebte Radfahrer-Strecke in Hildesheim: Autofahrer müssen sich auf Veränderungen einstellen

Hildesheim - Trennen sich die Wege von Fußgängern und Radfahrern in der Sedanallee, müssen Letztere künftig einen der beiden Sedanstraßen-Zweige nutzen? Oder wie will die Stadt das Radeln auf der Strecke erleichtern? Nach jahrelangen Überlegungen steht der Kurs jetzt fest.

Noch müssen Radfahrer an den Kreuzungen der Sedanallee in Hildesheim warten. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Die Sedanallee gilt als eine der meistbefahrenen Radstrecken in Hildesheim, täglich sind dort mehr als 3000 Fahrradfahrer unterwegs. Der 500 Meter lange Weg durch die Grünanlage liegt auf der Strecke zwischen Uni und Hauptbahnhof, die als eine der Hauptrouten für Radler gilt – entsprechend zügig sollen diese vorankommen. Wie das am besten zu erreichen ist, beschäftigt die Verwaltung und die Politik seit Jahren. Nun sind die Planungen so weit, dass voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2025 etwas passieren könne, sagte der städtische Radbeaufragte Christoph Brandes auf Anfrage der HAZ.

Wie will die Stadt den Autofahrern die geplante neue Regelung deutlich machen?

Auf dem Tisch lagen zuletzt drei Szenarien: Die Wege von Fußgängern und Radfahrern, die sich die Allee bisher teilen, trennen sich – die Stadt macht entweder die westliche oder die östliche Sedanstraße zur Fahrradstraße. Oder es bleibt bei der gemeinsamen Nutzung der Allee, dafür passiert etwas an den Kreuzungen mit der Goschen-/Wörthstraße und der Braunschweiger/Weißenburger Straße.

Die Verwaltung hat sich für letztere Variante entschieden. Es gibt auch bereits eine erste Planung. Die Stadt und ein Fachbüro vertieften diese derzeit, berichtet Brandes. Doch die Richtung steht fest. Danach bekommen Radfahrer an den Kreuzungen mit den Straßenzügen Vorfahrt vor Autos. Darauf sollen Schilder hinweisen, aber auch die Gestaltung der Fahrbahnen. Diese sollen höher gelegt werden, damit die bisherigen Versprünge wegfallen – sie erschweren Radlern und Menschen mit Gehbehinderungen oder Kinderwagen das Queren erheblich, künftig soll das Niveau in der Allee und auf den Kreuzungen gleich hoch sein. Auf den Zufahrten signalisieren Rampensteine den Autofahrern, dass sie dort aufpassen müssen.

Ferner will die Stadt die Fahrbahn, die derzeit 3,50 Meter breit ist, so verengen, dass sich an den Kreuzungen keine Wagen mehr begegnen können, sondern nur noch Platz für einen bleibt. Am Übergang der Braunschweiger-/Weißenburger Straße will das Baudezernat zudem das bisherige Pflaster aus Blaubasalt durch eines ersetzen, das bei Nässe weniger rutschig ist. „Wir stimmen das mit der Denkmalpflege ab“, sagt Brandes. Nach seinen Angaben sind auf den beiden Kreuzungen pro Tag lediglich mehrere Hundert Autos („deutlich unter 1000“) unterwegs, der größere Teil davon auf dem Straßenzug Braunschweiger-/Weißenburger Straße, was mit dem Goethegymnasium zusammenhänge.

Wieso will die Stadt Hildesheim die Sedanallee weiter gemeinsam von Fußgängern und Radfahrern nutzen lassen?

Doch warum will die Stadt diese Lösung? Warum bleibt es bei der gemeinsamen Nutzung der Allee durch Fußgänger und Radfahrer? Weil diese in der Praxis eigentlich keine Probleme mit sich bringe, erklärt Brandes. Zwar gebe es hin und wieder Beschwerden von Passanten, die finden, dass ihnen Radler zu nahe kommen. Doch von Kollisionen, gar mit schweren Folgen, wisse er nichts, versichert der Radbeauftragte. Die Statistik der Polizei bestätigt dessen Eindruck: Danach hat es in den vergangenen Jahren im Bereich Sedanallee/Sedanstraße keinen einzigen Unfall gegeben, bei dem Fußgänger beteiligt waren.

Radfahrunfälle dagegen sind fünf verzeichnet, davon zwei an den beiden Kreuzungen der Allee. Das deckt sich auch mit der Wahrnehmung von Christoph Brandes. Zwar sei die Lage an den Übergängen rechtlich eindeutig: Autos haben Vorfahrt, Radfahrer müssen warten. Dennoch komme es hin und wieder zu Konflikten, weil den Beteiligten die Regelung eben nicht klar sei. Das soll sich künftig durch die Hinweisschilder und die Umgestaltung der Kreuzungen ändern. Bei einer Verlagerung der Radfahrer in die Sedanstraße wären der Aufwand und die Folgen nach Einschätzung der Stadt dagegen viel größer. Der westliche Zweig komme wegen des historischen Pflasters dort, das erhalten bleiben müsse, nicht in Frage, erläutert Brandes. Im östlichen Bereich müssten Parkplätze wegfallen, eine neue Fahrbahn wäre nötig.

Was sagt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub zu dem Plan?

Die Bauverwaltung stellt ihre Pläne voraussichtlich im ersten Halbjahr 2025 der Politik vor; deren Vertreter entscheiden über die Umsetzung. Die wäre im Sinne des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, sagt Kreis-Vorsitzender Dietmar Nitsche: „Wir sind an dem Thema schon lange dran!“ Mit dem Miteinander von Radlern und Fußgängern in der Allee lasse sich leben.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.