Hildesheim - Die Nachricht kam für viele Eltern überraschend: Wegen des Winterwetters ist der Unterricht an den allgemein- und berufsbildenden Schulen auch am Donnerstag ausgefallen. Das war nicht das erste Mal in diesem Winter, auch am Mittwoch dieser Woche mussten Schülerinnen und Schüler wegen Schnee und Glätte zu Hause bleiben. Bisher hatte der Landkreis das aber stets einen Tag im Voraus entschieden, sodass Eltern spätestens am Vorabend über den Unterrichtsausfall informiert waren.
Am Donnerstag erreichte sie die Meldung hingegen erst um kurz vor 6 Uhr – und sorgte in Familien und Eltern-Chatgruppen für Aufregung. In der Nacht hatte es zwar geregnet, und auch die Temperaturen lagen weiterhin unter dem Gefrierpunkt, eine größere Warnung vonseiten des Deutschen Wetterdienstes gab es aber nicht. Warum entschied sich der Landkreis also dafür, die Schule ausfallen zu lassen?
Keine Busse, kein Unterricht – diese Regel bindet den Kreis
In einer Mail nennt der Landkreis Hildesheim die vorübergehende Einstellung des Busverkehrs als Grund für den kurzfristig anberaumten Schulausfall. Dadurch sei „eine reguläre Beförderung der Schülerinnen und Schüler nicht gewährleistet“. Kreissprecherin Birgit Wilken macht gegenüber der Redaktion deutlich, dass der Kreis in solchen Fällen keinen Entscheidungsspielraum besitzt: kein Schülertransport heißt zwangsläufig kein Unterricht. So solle verhindert werden, dass sich Schüler bei Unsicherheiten auf eigene Faust oder mit den Eltern auf den Weg zur Schule machen und sich so in Gefahr begeben.
Stadt- und Regionalverkehr Hildesheim (SVHI und RVHI) hatten am frühen Donnerstagmorgen gemeldet, dass die Busse in Stadt und Landkreis wegen der Witterung bis mindestens 8 Uhr nicht fahren. „Die Sicherheit unserer Fahrgäste sowie die unseres Personals steht für uns an oberster Stelle“, erklärt Ziti Haviri, Leiterin Marketing und Vertrieb beim SVHI, auf Nachfrage der Redaktion. Die Einstellung des Busbetriebs sei ausschließlich aus präventiven Sicherheitsgründen erfolgt. Nach 8 Uhr fuhren die Busse von SVHI und RVHI wieder, Schnee und Eis sorgten jedoch noch den ganzen Tag über für Verspätungen. Wegen Schneeverwehungen wurden Buslinien teilweise umgeleitet, einige Haltestellen konnten nicht angefahren werden.
Schule einfach später beginnen – das ist laut Kreis nicht drin
Der theoretisch denkbaren Alternative, den Unterricht in einem Fall wie am Donnerstag erst zur dritten oder vierten Schulstunde beginnen zu lassen, erteilt Kreissprecherin Wilken im Gespräch mit der Redaktion eine Absage. Und das aus zwei Gründen: Zum einen sei die Aussage der Busbetriebe („bis mindestens 8 Uhr“) zu vage und deshalb nicht belastbar. Sie bezweifle auch, dass sich die Verkehrsbetriebe in derlei Witterungsbedingungen jemals schon Stunden vorher auf einen festen Termin zur Wiederaufnahme des Betriebs festlegen können. Zum anderen seien für die Schülerbeförderung neben den Linienfahrten auch zahlreiche Sonderfahrten nötig – diese kurzfristig auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, sei ebenfalls nicht möglich.
Am Winterwetter soll sich den aktuellen Prognosen zufolge nichts ändern, die Temperaturen liegen weiter um den Gefrierpunkt. Der Stadtverkehr behält sich daher vor, Fahrten auch in Zukunft aus Sicherheitsgründen ausfallen zu lassen oder Busse eine andere Route fahren zu lassen.
mit Christian Wolters
