Hildesheim/Giesen - Die Theaterresidenz in Hildesheim und der Pflegedienst Bezerow in Giesen sind von der Polizei Hildesheim durchsucht worden. Das hat Christina Wotschke, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, bestätigt. „Es besteht ein Anfangsverdacht des Betrugs bei Abrechnungen gegenüber Krankenkassen“, sagt Wotschke. Die Durchsuchungen haben stattgefunden, um Beweismittel in einem Ermittlungsverfahren sicherzustellen.
Die Einsatzkräfte rückten nach bisherigen Erkenntnissen am Donnerstag, 5. Februar, vormittags an. Zuerst durchsuchten die Beamten das Büro des Pflegedienstes in Giesen, sicherten dabei Akten und checkten die Computer nach verdächtigen Hinweisen. Dann fuhren die Ermittler weiter zur Theaterresidenz in der Hildesheimer Teichstraße. „Das waren bestimmt 20 oder 30 – alle in Zivil mit so Namensschildern“, sagt ein Bewohner, der gerade im Erdgeschoss gewesen war, um zu rauchen.
Staatsanwaltschaft: Ermittlungen dauern an
Mehrere Stunden lang nahmen die Einsatzkräfte die Verwaltung und dazugehörige Abrechnungsakten unter die Lupe, nahmen anschließend Material – unter anderem sämtliche Krankenkassenkarten der Bewohnerinnen und Bewohner – mit zur Dienststelle. Während der Durchsuchung durften sich die Beschäftigten nur in Begleitung eines Polizeibeamten innerhalb des Hauses bewegen. „Die Ermittlungen dauern an“, bestätigt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage.
Die HAZ hat anschließend Anthony Blenn, Geschäftsführer und Inhaber der Theaterresidenz und des ambulanten Pflegedienstes in Giesen, einen Fragenkatalog mit der Bitte um Antworten geschickt – mit Frist bis Montag. Er meldet sich zurück, geht aber auf die Nachfragen nicht weiter ein. Stattdessen nimmt er Stellung zur hausinternen Abrechnungspraxis. „Vor Erstellung der Abrechnungen werden die Leistungsnachweise hausintern durch zwei Mitarbeitende sorgfältig geprüft. Im Anschluss daran erfolgt die Abrechnungserstellung durch eine hierfür zuständige Mitarbeiterin“, so heißt es in seiner Antwort. Auf die Durchsuchungen sowie weitere Fakten geht Blenn nicht weiter ein.
Einrichtung wird zum Verkauf angeboten
Auch nicht auf die Frage nach seinen offensichtlichen Verkaufsabsichten der Theaterresidenz. Seit dem 7. Februar bietet Blenn die Einrichtung auf der Plattform Kleinanzeigen zum Verkauf beziehungsweise als Beteiligung an. Dabei geht es laut Angebot provisionsfrei um 125 Pflegeappartements auf 5600 Quadratmetern. Als Preis wird nur VB für Verhandlungsbasis angegeben.
Wie berichtet, hatte die Theaterresidenz erst im Dezember vor einer ungewissen Zukunft gestanden. Allen Beschäftigten und Bewohnern hatte Blenn zum Ende des Jahres 2025 gekündigt. Dann hatte er auf Nachfrage der HAZ erklärt, dass nun die Ambulante Krankenpflege Hildesheim die Betriebsführung der Theaterresidenz in der Oststadt übernommen hat – ebenfalls ein Tochterunternehmen des 64-jährigen Geschäftsmannes. Diese hatte den vorigen Betreiber, die Betreutes Wohnen BB GmbH, abgelöst, ebenfalls zu 100 Prozent im Besitz von Blenn. Den Wechsel hatte er seinerzeit mit einer Umstrukturierung begründet, weitere Nachfragen aber nicht beantwortet. Ziel sei, unter seiner Initiative eine „neue rechtliche Beziehung zu den Eigentümern der Theaterresidenz und den Bewohnern herbeizuführen“, so seine Stellungnahme.
Neuer Job – aber nicht aus der Pflegebranche
Auf ganz neue Entwicklungen deuten Informationen, die jeder im Internet über Anthony Blenn abrufen kann: Der gebürtige Schwede hat zwischenzeitlich einen ganz anderen Job angenommen. Der passt allerdings so gar nicht zu seinen bisherigen Unternehmen in der Pflege. Neben der Theaterresidenz betreibt er nämlich weitere Einrichtungen in Edemissen (Peine) und Leiferde im Wittingen und Hankensbüttel (bei Braunschweig). Zudem gehören dem Geschäftsmann, der in Hildesheim wohnt, ambulante Pflegedienste in Bockenem, Giesen, Wittingen und Gifhorn sowie eine Haushaltshilfe in Bielefeld.
Nun hat er offensichtlich seit Oktober 2025 noch einen weiteren Direktor-Posten übernommen: bei der Xandeum-Stiftung mit Sitz auf den Cayman-Inseln. Dort verwaltet er einen Kryptowährungsanbieter, der nach eigenen Aussagen an neuen Lösungen zur sicheren Speicherung extrem großer Datenmengen arbeitet. Die Karibik-Inseln liegen mehr als 8000 Kilometer entfernt und gelten gemeinhin als Steuerparadies.
Blenn lässt Nachfragen unbeantwortet
Was es damit auf sich hat und ob er sich als Geschäftsmann aus Hildesheim ganz zurückziehen möchte, auch darauf geht Blenn mit keinem Wort ein.

