Keine Amok-Lage

Nach Polizeieinsatz an der KGS Gronau: Tatverdächtiger Jugendlicher weiter flüchtig

Gronau - Nach dem Polizeieinsatz an der Kooperativen Gesamtschule Gronau und einer Evakuierung bleibt der gesuchte Jugendliche verschwunden – der etwa 15 Jahre alte Jugendliche soll einen Lehrer mit einem Messer bedroht haben. (mit Video)

Die KGS Gronau war am Montagvormittag für gut drei Stunden weiträumig abgesperrt. Nach Angaben des mutmaßlich bedrohten Lehrers soll der Jugendliche etwa 15 Jahre alt und 1,75 bis 1,80 Meter groß sein sowie eine normale Statur haben. Genauere Informationen zu dem Flüchtigen gibt es bisher nicht. Zeugenhinweise nimmt die Polizei unter 05121/939-115 oder 05068/9338-0 entgegen. Foto: Chris Gossmann

Gronau - Aufruhr am Montagvormittag in Gronau: Die Polizei rückt zu einem Großeinsatz an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) an, nachdem ein Lehrer gemeldet hat, von einem Jugendlichen mit einem Messer bedroht worden zu sein. Die Beamten evakuieren anschließend das Gebäude, Spezialkräfte eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) durchsuchen die KGS – gegen 12.30 Uhr folgt dann die Entwarnung: Der Verdächtige ist nicht mehr in der Schule. Allerdings: Wer er ist und wo er sich nun aufhält, ist weiterhin unklar, als die weiträumige Absperrung des Geländes aufgehoben wird und die seit gut drei Stunden im Freien wartenden Kinder und Jugendlichen wieder in die Klassenräume gelassen werden.

In Sozialen Netzwerken im Internet verbreiten sich am Vormittag rasch Gerüchte über einen angeblichen Amoklauf an der Schule. Dem widerspricht Polizeisprecher Jan Makowski aber noch während des laufenden Einsatzes in Gronau entschieden: „Das trifft nicht zu.“

Lehrer soll Jugendlichen auf „Fehlverhalten“ hingewiesen haben

Was aber ist in der Schule wirklich geschehen? Nach bisherigem Ermittlungsstand ist ein vermeintlich harmloses Aufeinandertreffen zwischen einem Lehrer der Gesamtschule und einem Jugendlichen eskaliert. Es soll gegen 9.30 Uhr geschehen sein: Der Lehrer, über den die Polizei aus Datenschutzgründen keine näheren persönlichen Angaben macht, spricht den Jugendlichen während einer Pause an – wegen eines „Fehlverhaltens“, wie Polizeisprecher Jan Makowski es später formulieren wird. Wobei genau der Lehrer den Jugendlichen erwischt haben soll, dazu macht Makowski keine Angaben. „Aus ermittlungstaktischen Gründen.“ Nach Schilderungen des Lehrers reagiert der Jugendliche jedenfalls keineswegs verständnisvoll. Im Gegenteil: Er zieht demnach ein Messer. „Der Lehrer hat sich dadurch bedroht gefühlt“, sagt Makowski, deswegen habe er sich schnell zurückgezogen. Der verdächtige Jugendliche flieht anschließend offensichtlich in unbekannte Richtung.

Polizei widerspricht Gerüchten: Keine Amok-Lage

Doch die Polizei kann nicht sicher sein, ob er wirklich nicht mehr im Gebäude ist und räumt die KGS, um die Räume anschließend von Spezialkräften durchsuchen lassen zu können. Das Gelände um das Schulzentrum herum wird abgesperrt, Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Gronau unterstützen die Polizei dabei. Zusätzlich rückt der ASB mit Sanitätern an, auch der Notärztliche Leiter des Landkreises, Prof Dr. Georg von Knobelsdorff trifft vor Ort ein, um im Ernstfall Verletzte versorgen und den Einsatz koordinieren zu können. Denn so lange nicht klar ist, ob sich der Verdächtige noch in der Schule oder im Umfeld aufhält, gibt die Polizei keine Entwarnung.

Einsatzkräfte sperren Schule weiträumig ab

Während das MEK das Schulgebäude inspiziert, sichern andere Beamte das Gelände. Einer trägt sichtbar eine Maschinenpistole; die in der Nähe wartenden Schülerinnen und Schüler wirken aber weitgehend gelassen, viele haben wärmende Folien um die Schultern gelegt, die Sanitäter zuvor verteilt hatten.

Hinter den Absperrbändern warten unterdessen mehrere besorgte Eltern. Sie seien zuvor von ihren Kindern selbst über Whatsapp darüber informiert worden, dass etwas in der Schule vorgefallen und die Polizei da sei, berichten mehrere. Die Mutter eines Zwölftklässler erzählt, ihr Sohn habe ihr zunächst von einem „Amoklauf“ geschrieben, offensichtlich, weil die Lage für Lehrer und Schüler zunächst so unklar war. „Ich bin froh, dass es doch nicht so war“, sagt sie erleichtert. So lange es keine Entwarnung gibt und ihr Sohn nicht nach Hause könne, sei sie natürlich in Sorge, sagt sie. „Aber es ist ja besser, wenn die Polizei auf Nummer sicher geht und gründlich sucht.“ So sehen es auch andere Mütter, die an der Absperrung warten, wie zum Beispiel eine Gronauerin, die ein Kind an der benachbarten Grundschule hat. Die ist nicht geräumt worden, stattdessen müssen alle Kinder dort im Gebäude bleiben und werden von Lehrkräften beaufsichtigt. „Ein komisches Gefühl“, sagt die Mutter, „aber es ist doch besser, als wenn hier noch die ganzen kleinen Kinder übers Gelände laufen.“ Die Polizei werde schon wissen, was das Richtige ist, sagt die Frau. Zwei andere Frauen, die sich lautstark über die Absperrungen beschweren und sich mit einem Beamten anlegen, ernten Kopfschütteln der anderen Eltern.

Benachbarte Grundschule geschützt

Unter den Wartenden kursieren währenddessen Gerüchte, der Gesuchte sei mit einem Messer am Jugendzentrum aufgegriffen worden. Das dementiert die Polizei zwar nach Nachfrage der HAZ, Behördensprecher Jan Makowski bestätigt aber eine andere Information der Eltern, dass der Tatverdächtige ein schwarzes Oberteil tragen soll – eventuell einen Kapuzenpullover.

Schüler dürfen wieder ins Gebäude

Doch viel genauere Informationen zu dem Flüchtigen gibt es bisher nicht. Nach Angaben des mutmaßlich bedrohten Lehrers soll der Jugendliche etwa 15 Jahre alt und 1,75 bis 1,80 Meter groß sein sowie eine normale Statur haben. Ob er ein Schüler der KGS ist, steht nicht fest. „Der Lehrer kennt ihn zwar nicht“, sagt Jan Makowski. „aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Verdächtige nicht trotzdem dort zur Schule geht.“

Ermittlungen laufen wegen Bedrohung gegen unbekannt

Zumindest können die Ermittler wegen der Aussage des Lehrers aber ausschließen, dass der Vorfall in der Pause eine längere Vorgeschichte und sich solch eine Tat bereits angedeutet hat. Der Polizei liegen bisher keine weiteren Zeugenaussagen zu dem Gesuchten vor. Die Beschreibungen beruhen ausschließlich auf Angaben des Lehrers, so Makowski. Die Ermittlungen laufen nun wegen Bedrohung gegen unbekannt weiter. Hinweise nimmt die Polizei unter den Telefonnummern 05121/939-115 oder 05068/9338-0 entgegen.

mit Katharina Brecht und Thomas Wedig

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