Hildesheim - Langsam lässt sich der Polizeitaucher in das kalte Wasser des Kalenberger Grabens gleiten. Er schwimmt knapp unter der Oberfläche von der Südseite des Gewässers in die Mitte. Nur die beiden Druckluftflaschen und die Flossen durchstoßen die Wasseroberfläche. Mehrere Meter vor der steilen Böschung an der Nordseite beginnt er, mit den Armen im Schlick zu graben. Schlamm und Modder kommen an die Oberfläche. Der Taucher zieht am Montag eine Bahn nach der anderen – er sucht eine Schusswaffe.
Seit dem 9. Oktober ermittelt die Hildesheimer Polizei gegen einen 15-Jährigen. Der Jugendliche soll an jenem Donnerstag eine Schusswaffe mit in seine Schule gebracht haben. Was der Jugendliche dort mit der Waffe gemacht hat, woher er die Waffe hatte, um welche Schule es sich handelt – die Nachfragen zu den Details beantwortet Polizeisprecher Jan Makowski zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Eine weitere Information nennt er aber doch: Die Ermittler bekamen am 9. Oktober auch den Hinweis, dass eine Mitschülerin die Waffe noch am selben Tag in das Gewässer am Kalenberger Graben geworfen haben soll. Und genau jene Waffe sucht am Montagvormittag nun ein Taucher der Polizei.
Technische Einsatzeinheit sucht nach Pistole
Der Polizeitaucher gehört zur Technischen Einsatzeinheit (TEE) der Polizeidirektion Hannover. „Wir sind eine Abteilung der Bereitschaftspolizei Hannover“, erklärt der Einsatzleiter. Überall, wo technische Hilfeleistungen benötigt werden, kommen die Männer und Frauen der TEE zum Einsatz. Alle sind Polizeibeamte und haben bei entsprechenden Fortbildungen spezielle Fähigkeiten entwickelt. Neben den Tauchern arbeiten bei der TEE auch Kletterer, Atemschutzträger, Motorboot-, Schwerlast- und Gefahrgutfahrer.
Dass der Taucher erst am Montag, also elf Tage nach dem Beginn der Ermittlungen der Hildesheimer Polizei, im Wasser ist, liegt laut Makowski unter anderem daran, dass man sich mit der anderen Dienststelle habe absprechen müssen. Außerdem seien die Fähigkeiten der TEE nicht nur in Hildesheim, sondern landesweit immer wieder gefragt.
Nach einer halben Stunde wird der Polizeitaucher fündig
Fast eine halbe Stunde ist der Polizeitaucher jetzt im Wasser unterwegs. Damit dürften die Sauerstoff-Flaschen noch etwa zur Hälfte gefüllt sein. Inzwischen schwimmt er nur wenige Zentimeter vom Ufer entfernt unterhalb der Böschung entlang. Dann taucht sein linker Arm aus dem Wasser auf: In der Hand hält er einen großen schwarzen Gegenstand. „Er hat sie gefunden“, meldet sein Leinenführer, der über eine Sicherheitsleine mit dem Taucher verbunden ist. Die Leine enthält auch ein Kabel, über das der Leinenführer eine Sprachverbindung mit dem Taucher hält. Die Pistole ist deutlich größer als die Dienstwaffen der Polizisten und verfügt über ein Zielfernrohr. Schnell wird deutlich: Es ist eine Druckluftpistole.
Damit kann der Taucher das Wasser nach etwa einer halben Stunde wieder verlassen. Die Waffe wird vor Ort fotografiert, in einem Plastikbeutel verstaut und für eine kriminaltechnische Untersuchung in das zuständige Fachkommissariat der Hildesheimer Polizei gebracht. Dort muss laut Makowski nun zunächst einmal geklärt werden, ob es sich wirklich um die Waffe handelt, die der 15-Jährige mit in die Schule genommen haben soll. Unklar ist ob es sich bei der gefundenen Pistole um eine erlaubnispflichtige Waffe handelt – um sie tragen zu dürfen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein und einen Waffenschein besitzen. Weitere Fragen, beispielsweise, ob die Waffe benutzt wurde, müssten die weiteren Ermittlungen klären, so Makowski.
Während die Hildesheimer Polizei also weiter ermittelt, ist für die Beamten der Technischen Einsatzeinheit die Arbeit an diesem Montag gegen Mittag getan: Sie können ihr Equipment einpacken und mit einer Erfolgsmeldung wieder zurück nach Hannover fahren.
Von Andreas Mayen und Manuel Lauterborn
