Mehrum/Hohenhameln - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat sich bei einem Besuch in Hohenhamen nachdrücklich für den Bau der Pommes-Fabrik in Mehrum ausgesprochen. „Ich finde, dass die Ansiedlung von McCain eine Riesenchance ist“, sagte der Peiner SPD-Bundestagsabgeordnete am Donnerstag bei einem Gespräch im Rathaus, an dem auch Hohenhamelns Bürgermeister Uwe Semper, Mehrums Ortsbürgermeister Jens Böker (beide SPD) und SPD-Fraktionschef Sebatian Hebbelmann teilnahmen.
McCain will im ehemaligen Kohlehafen des Kraftwerks am Mittellandkanal künftig Tiefkühl-Pommes-Frites produzieren. In der Fabrik sollen einmal bis zu 650 Menschen Arbeit finden. Zwei Millionen Tonnen Kartoffeln sollen pro Jahr verarbeitet werden. 400 Millionen Euro will das kanadische Unternehmen in den neuen Standort investieren.
Verkehrsbelastung in Hämelerwald
Das Projekt sei auch deshalb so wichtig, weil dadurch „industrielle Wertschöpfung“ in die Region komme, sagte der SPD-Politiker: „Deswegen stehe ich hinter dem Projekt.“ Der Arbeits- und Sozialminister äußerte aber auch Verständnis für die Sorgen der Anwohner vor allem in Hämelerwald. Durch den Lehrter Ortsteil wird ein großer Teil der Lastwagen mit der fertigen Tiefkühlfracht auf dem Weg zur Autobahn rollen. Niedersachsens Wirtschaftminister Olaf Lies (SPD) hatte sich bereits am Montag in Mehrum mit Vertretern von McCain und Bürgermeistern aus der Region getroffen. Um die Verkehrsbelastung zu verringern, soll es auf der Strecke ein Tempolimit und Blitzer geben. Heil zeigte sich beim Besuch in Hohenhameln „dankbar“, dass sich Lies für eine Lösung einesetzt.
Auch Bürgermeister Semper freut sich auf die mögliche Ansiedlung eines internationalen Konzerns in seiner Gemeinde. Denn schließlich wird die „Giga-Factory“ (Ortsbürgermeister Böker) nicht nur für hunderte zusätzliche Arbeitsplätze sorgen, sondern auch für ein Plus an Gewerbesteuereinnahmen, die sich laut Semper aber derzeit noch nicht beziffern lassen. „Das ist ein Jahrhundert-Deal“, sagte Semper.
McCain will Kanalwasser für Produktion nutzen
Der Verwaltungschef äußerte ebenfalls Verständnis für die Befürchtungen der Anwohner. Er verwies aber darauf, dass sich die prognostizierten 900 Lastwagen pro Tag in alle Richtungen verteilten und nicht alle zwischen Mehrum und A2. Außerdem hat sich das Unternehmen auch wegen der Nähe zum Mittellandkanal entschieden, wie Semper berichtete. „McCain bemüht sich ernsthaft, den Wasserweg zu benutzen.“ Die fertigen Produkte sollen also auch per Schiff abtransportiert werden. Das wäre laut Semper hierzulande ein völlig neues Transportmittel für Tiefkühlkost: „In Deutschland gibt es das noch nicht.“
Der Kanal soll laut Semper aber nicht nur als Verkehrsweg genutzt werden. Das Unternehmen will auch Wasser entnehmen, reinigen und für die Pommes-Produktion nutzen. Anschließend wird das Wasser den Plänen zufolge erneut gereinigt und wieder in den Kanal geleitet. „Das Wasser geht sauberer wieder rein als es entnommen wurde.“
Heil äußert sich zum Hallenbad
Heil äußerte sich bei seinem Besuch auch über die Diskussion um die Sanierung des Hallenbads in Mehrum. Nachdem die Mehrheitsgruppe sich im Gemeinderat gegen einen Beginn der Sanierung ausgesprochen hatte, ist eine Bundesförderung in Höhe von 900.000 Euro verfallen. Heil sprach sich allerdings dafür aus, zu versuchen, die Sanierung trotzdem noch auf den Weg zu bringen. „Ich werbe dafür, dass man noch einen neuen Anlauf unternimmt“, sagte Heil. Es sei durchaus möglich, einen neuen Antrag zu stellen.
Inhatlich gebe es keine Differenzen zwischen Heil und der SPD-Fraktion, so Hebbelmann: „Wir wollen das Thema weiter bespielen.“ Allerdings sieht er erstmal keine Möglichkeit, dass es tatsächlich zu einer Sanierung kommt. „Für diese Legislaturperiode sehe ich nicht, dass wir dafür eine Mehrheit bekommen.“
