Mehrum - Es ist ein wahres Großprojekt, das der kanadische Tiefkühlhersteller McCain auf dem Gelände des ehemaligen Kohlehafens in Mehrum (Gemeinde Hohenhameln) plant. Doch jetzt sind die Bauarbeiten ins Stocken geraten. Bereits Ende vergangenen Jahres waren die ersten Bagger am Mittellandkanal angerückt, um den Boden für die Pommesfabrik zu ebnen. Auch Tausende Pfähle für das Fundament des Gebäudes wurden bereits gesetzt.
Das Großprojekt ist nicht nur für den Lebensmittelkonzern wichtig, sondern hat auch eine enorme Bedeutung für die Wirtschaftsregion weit über die Gemeinde Hohenhameln hinaus. Die Fabrik soll für 600 direkte und indirekte Arbeitsplätze sorgen. Außerdem will sich das Unternehmen die Kartoffeln für seine Produkte von rund 300 Landwirten aus einem Umkreis von 100 Kilometern um Mehrum liefern lassen.
Sulfatbelastungen im Boden des ehemaligen Kohlehafens
Doch nun sind die vorbereitenden Arbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Kohlehafens ins Stocken geraten. Nach Informationen der Redaktion ist der Boden dort durch Sulfate belastet. Diese sind wohl in den vergangenen Jahren entstanden, als die Kohle dort lagerte. Es handelt sich um ein typisches Phänomen solcher Kohlelager: In der Kohle kommt häufig das Mineral Pyrit vor, das durch Regen und Sauerstoff in einer chemischen Reaktion zu Sulfat wird, das in den Boden sickert.
Ein McCain-Sprecher wollte sich dazu nicht konkret äußern. Man mache weiterhin Fortschritte bei dem Projekt. „Gleichzeitig müssen noch mehrere zentrale Schritte geklärt werden, damit das Projekt wie geplant voranschreiten kann. Dazu gehört insbesondere, sicherzustellen, dass das Gelände baureif ist – einschließlich der Bodenaufbereitung – und rechtzeitig mit einer angemessenen industriellen Infrastruktur zu vertretbaren Kosten ausgestattet wird.“
„Kritische Punkte“ müssen geklärt werden
Die vorbereitenden Arbeiten auf dem Gelände seien nun vorübergehend ausgesetzt worden, bis diese „kritischen Punkte“ abschließend geklärt und entsprechende Fortschritte erzielt seien, so der Konzernsprecher. Man stehe weiterhin in engem Austausch mit Behörden und weiteren am Projekt Beteiligten.
Das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig hat jedenfalls keinen Baustopp verhängt, wie dessen stellvertretender Leiter, Joma Bock, klarstellt. Seine Behörde hatte dem Unternehmen eine Genehmigung für die Bauarbeiten erteilt. Daran habe sich auch nichts geändert. Die endgültige Genehmigung für das Mega-Projekt steht noch aus.
Verzögerung für längere Zeit?
Man sei zuversichtlich, „dass wir praktikable, nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Lösungen finden werden, um die offenen Themen zu lösen und die Vorbereitungsarbeiten in den kommenden Monaten wieder aufzunehmen“, kündigt der McCain-Sprecher an. Offenbar wird also die Kontamination des Bodens das Projekt für längere Zeit verzögern. Wie sich dies konkret auf den Zeitplan auswirkt, teilte er auf Anfrage nicht mit.
