Umsatz geht zurück

Präsentation der Bilanz 2024: Bosch-Spitze betont Probleme – und macht Hildesheim wenig Hoffnung

Stuttgart/Hildesheim - Der Vorstand des Automobil-Zulieferers setzt weiter auf E-Mobilität, drängt aber trotzdem auf eine schnelle Einigung beim Personalabbau. Das größte Wachstum erwartet die Firmenspitze künftig vor allem in zwei Weltregionen.

Bosch in Hildesheim ist massiv von den Kürzungsplänen des Automobil-Zulieferers betroffen. Das Unternehmen betont, die wirtschaftliche Lage sei sehr schwierig. Foto: Clemens Heidrich

Stuttgart/Hildesheim - Der Automobil-Zulieferer Bosch hat in seiner Bilanzpressekonferenz am Donnerstagvormittag in Stuttgart gemischte Signale auch aus Hildesheimer Sicht ausgesandt – zugleich aber keine neuen Hoffnungen für den Standort geweckt.

Keine Kehrtwende 2025?

Bosch-Vorstandschef Stephan Hartung betonte einerseits, der Stiftungskonzern sehe die Elektromobilität nach wie vor als künftigen Wachstumsmarkt. Andererseits betonte er, die Zahl der Arbeitsplätze bei Bosch in Deutschland und in ganz Europa müsse aus Kostengründen weiter sinken – und mahnte zu schnellen Einigungen bei Verhandlungen mit den Betriebsräten über die Modalitäten von Stellenabbau-Plänen wie in Hildesheim. „Verzögerungen können wir uns nicht mehr leisten, das schwächt unsere Position im Wettbewerb weiter“, drängte Hartung. Denn der Wettbewerb vor allem mit chinesischen Konkurrenten werde immer schärfer.

Bosch halte zwar an seinen ehrgeizigen Zielen für das Jahr 2030 – jährliche Rendite von sieben Prozent, 2024 waren es 3,5 Prozent – fest. Davon ist das Unternehmen aktuell ein gutes Stück entfernt. Und für dieses Jahr rechne er noch nicht mit einer Kehrtwende, wiegelte Hartung ab. Betriebsräte und die Gewerkschaft IG Metall hatten zuletzt immer wieder die Hoffnung geäußert, eine schnelle Verbesserung durch Wirtschaftslage etwa durch Maßnahmen der neuen Bundesregierung könne vielleicht dazu führen, dass Bosch seine Pläne, mehr als die Hälfte aller Stellen im Hildesheimer Elektromotoren-Werk zu streichen, noch einmal auf den Prüfstand stellt.

Forderungen an und für die EU

Doch in dieser Hinsicht sendete die Bosch-Spitze am Donnerstag kaum Signale aus. Lediglich ein Halbsatz Hartungs ließ sich eventuell in die Richtung interpretieren, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Werken wie in Hildesheim, die die Transformation in Richtung Elektromobilität im Gegensatz zu vielen anderen Bosch-Standorten bereits vollzogen haben, irgendwann auch einmal wieder steigen könnte. Nur wenn Kürzungen jetzt schnell umgesetzt würden, formulierte der Bosch-Boss, „nur dann schaffen wir die Voraussetzungen, auch kurzfristig auftretende Chancen in einem dynamischen Marktumfeld wahrzunehmen“.

Allerdings nannte Hartung bei der Frage nach Regionen mit besonders guten Wachstumschancen nicht Europa, sondern Nordamerika und Indien. Politisch hielt er gleichwohl ein Plädoyer für den Kontinent: „In einer Welt, die sich in konkurrierende Blöcke aufteilt, können wir unsere Interessen nur innerhalb einer eng verbundenen und selbstbewussten Europäischen Union verfolgen.“ Die EU müsse gestärkt werden – und ihrerseits durch Vertiefung des Binnenmarktes, Abbau von Bürokratie und den Ausbau der Kapitalmarktunion die Wirtschaft stärken. Hartung forderte „weitreichenden Reformen und Entscheidungen“. Denn: „Wenn wir als Europäer auf der Weltbühne mitreden wollen, müssen unsere Industrien so wettbewerbsfähig wie möglich sein.“

Weniger Autos in Europa gebaut

Markus Forschner, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung, verwies darauf, dass die Auto-Produktion in der EU sowie in Großbritannien im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent zurückgegangen sei. „Zudem setzen sich Zukunftstechnologien wie Elektromobilität, Brennstoffzelle und automatisiertes Fahren erheblich langsamer durch, als die Branche er-wartet hat“, ergänzte Forschner. Das sei ein wesentlicher Faktor dafür gewesen, dass der Umsatz von Bosch um 1,4 Prozent auf 90,3 Milliarden Euro gesunken seien.

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