Hochwasser

„Optimistisch, dass wir so durchkommen“: Die Hochwasser-Lage in Ruthe und Sarstedt – und ein Tipp in Sachen Sandsäcke

Sarstedt/Ruthe - In Ruthe und Sarstedt haben die Verantwortlichen die Pegelstände in der aktuellen Hochwasser-Lage weiter genau im Blick, an zwei Stellen sollen Pumpen die Kanäle entlasten. Ruthes Bürgermeister blickt zurück auf „völlig irre“ Regenwerte aus 2023 und hat einen Tipp in Sachen Sandsäcke.

Falls es zum erneuten Anstieg kommt: Bürgerinnen und Bürger sollten die Sandsäcke erst einmal liegen lassen. Foto: Julia Moras

Sarstedt/Ruthe - Für den Harz sind heftige Regenfälle vorhergesagt, was die Hochwasserlage im Kreis Hildesheim wieder verschärfen könnte. Für die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) in Sarstedt heißt es daher: Pegelstände von Innerste und Leine sind unter permanenter Beobachtung.

Ruthes Ortsbürgermeister Christoph Haferland ist dennoch nicht mehr so angespannt wie in der vergangenen Woche, sagt er. Trotz des angekündigten Dauerregens im Harz, der bis Donnerstagabend je nach Region 60 bis 80 Liter pro Quadratmeter bringen soll, zeigt er sich „optimistisch, dass wir so durchkommen“.

„Den Regen von einem Jahr hatten wir in einem halben“

Haferland setzt dabei auf das Rückhaltebecken bei Salzderhelden, das Stand Dienstagnachmittag nur noch zu 22,6 Prozent gefüllt ist, ebenso die Innerste-Talsperre, die zeitgleich einen Füllgrad von knapp 77,2 Prozent aufweist. Beide haben damit wieder Kapazitäten, Wasser aufzunehmen. Dennoch wünscht er sich, dass es endlich einmal aufhören würde, zu regnen. Was das vergangene halbe Jahr heruntergekommen ist, sei „völlig irre“, sagt Haferland und verweist auf das Messfeld in Ruthe, das das Institut für Meteorologie und Klimatologie der Leibniz Universität Hannover betreibt.

Dort auf dem Gelände der Forschungsstation wird seit 2005 automatisch Temperatur, Feuchte, Niederschlag, Globalstrahlung und seit 2013 auch Wind gemessen. Lag die jährliche Niederschlagsmenge zwischen 2020 und 2022 im Schnitt bei 460 Millimeter (2020: 436, 2021: 554, 2022: 454), endete das vergangene Jahr mit 827 Millimeter. Das Gros kam zwischen Juni und Dezember runter. „Den Regen von einem Jahr hatten wir in einem halben“, sagt Haferland und geht davon aus, dass das Wasser auch jetzt noch lange hoch bleiben werde.

Sandsäcke erst einmal liegen lassen

Den ersten Rutherinnen und Ruther, die schon gefragt haben, wo sie mit ihren Sandsäcken hin sollen, rät der Ortsbürgermeister daher, die Schutzbarrieren erst noch einmal liegen zu lassen und zu gucken, was passiert.

Das ist auch die Marschrichtung in der Stadt Sarstedt. Zwar sei die Lage weiterhin stabil, doch „erst wenn sich die Lage deutlich entspannt hat, wird auch bekanntgegeben, wo und wie die verbauten Sandsäcke entsorgt werden können“, teilt die Stadtverwaltung mit. Solange würden die bestehenden Schutzmaßnahmen beibehalten. Auch besteht immer noch die Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, sich in der Straße Am Teinkamp mit Sand und Säcken für den privaten Gebrauch zu versorgen. Material zum eigenständigen Befüllen steht in ausreichender Menge zur Verfügung, Schaufeln sind mitzubringen.

Der Schwerpunkt liegt derzeit darauf, die Kanäle und Rückhaltebecken zu entlasten, erklärt Sarstedts Bürgermeisterin Heike Brennecke. So seien nicht nur wie berichtet weiterhin THW-Pumpen an den „Edeka“-Teichen am Teinkamp im Einsatz, sondern nun auch eine Entwässerungspumpe in der Straße Am Dorfe am Ortsrand von Heisede. Ein „Puffer“ für den vorhergesagten Dauerregen und um die Gräben zu entlasten, so Brennecke. Denn bereits am Dienstagmorgen sorgte ein Regenguss dafür, dass das Rückhaltebecken direkt an der B 6 vollgelaufen ist, sagt Stadtbrandmeister Jens Klug: „Die Felder sind pappsatt, das nächste Problem wird das Grundwasser sein, wir werden die kritischen Punkte im Auge behalten“, gibt er einen kurzen Sachstandsbericht.

Kreisstraße von Ruthe nach Heisede komplett gesperrt

Derzeit ist die Kreisstraße (K514) von Ruthe nach Heisede inklusive der Radwege komplett gesperrt. Von Heisede kommend Richtung Ruthe ist die Marienburger Straße nur bis zur Abfahrt in die Dorfstraße offen. Die Wenderter Straße Richtung Schliekum ist ebenfalls gesperrt, ebenso die Leinebrücke in Schliekum.

Bürgertelefon nach wie vor geschaltet

Das Bürgertelefon unter 0 50 66 / ­805-100 ist weiter für allgemeine Fragen zum Hochwasser geschaltet: am Mittwoch, 3. Januar, von 8 bis 16 Uhr, am Donnerstag, 4. Januar, von 8 bis 18 Uhr. In Notfällen ist die 112 zu wählen.

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