Rohstoffe

Projekt für Jahrzehnte: Unternehmer Knut Bettels startet riesigen neuen Kiesabbau im Kreis Hildesheim

Elze - Es ist um ein Vielfaches so groß wie die vorherigen Kiesabbau-Projekte von Knut Bettels im Hildesheimer Westkreis. Die Nachfrage nach dem Material ist groß, es geht vor allem um die Herstellung eines wichtigen Baustoffs.

Die Vorbereitungen für den Start des Kiesabbaus östlich von Elze laufen auf Hochtouren. Foto: Tarek Abu Ajamieh

Elze - Seit vielen Jahrzehnten wird im Landkreis Hildesheim Kies und Kiessand abgebaut. Doch vor einigen Wochen hat der Hildesheimer Unternehmer Knut Bettels die Genehmigung für ein außergewöhnlich großes Vorhaben bekommen. Er darf auf einer 74 Hektar großen Fläche östlich von Elze, gleich jenseits der Stadt zwischen der Bahnlinie und der Leine, den Rohstoff abbauen. Das fragliche Areal ist etwa ein Drittel so groß wie die Elzer Kernstadt selbst, das Vorhaben dürfte das Landschaftsbild nahe der Kleinstadt massiv verändern. Schon jetzt lassen die vorbereitenden Arbeiten das Ausmaß der Veränderung erahnen, ist bereits der Oberboden ganzer Felder abgetragen. Der Kiessand wird in erster Linie für die Herstellung von Beton genutzt.

Wie groß das neue Abbaugebiet ist, wird auch im Vergleich mit zwei weiteren Bettels-Baustellen in der Gegend deutlich. An anderer Stelle bei Elze lässt der Hildesheimer Unternehmer derzeit ein rund 20 Hektar großes Areal ausbeuten, bei Burgstemmen ein weiteres mit zehn Hektar. Das nunmehr avisierte Gelände hat eine Fläche, auf der rechnerisch gut 100 Fußballfelder Platz finden würden.

Vor allem für die Betonproduktion

Der wichtigste Unterschied aus Sicht von Knut Bettels ist allerdings die Abbauweise. In dem neuen Gebiet wird zunächst der Oberboden abgetragen, der einen bis mehrere Meter dick sein kann. Dann lässt der Unternehmer den Rohstoff mittels eines Saugbaggers aus dem aufsteigenden Grundwasser fördern – und nicht wie bei den beiden kleineren Projekten per Radlader im Trockenabbau. Dort sei die Qualität der geförderten Rohstoffe allerdings nicht so gut, erklärt Bettels: „Das Material ist nur als Mineralgemisch oder als Frostschutzkies im Tief- und Straßenbau einsatzfähig.“

Das sei bei dem Kiessand und Kies, den sein Unternehmen bei Elze aus dem Grundwasser holen will, anders, betont der Hildesheimer. Und die Nachfrage nach dem Sand und den bis zu 3,2 Zentimeter großen Kieselsteinen sei sehr hoch, gerade im südlichen Niedersachsen. Denn dieses Material könne zu Beton verarbeitet werden – es gebe aber in der weiteren Umgebung immer weniger Förderprojekte – und entsprechend ein geringeres Angebot. Tatsächlich warnen Fachleute seit Jahren vor einem Mangel.

Drei bis vier Jahrzehnte

Dafür nennt Knut Bettels mehrere Gründe. Zum einen werde die Genehmigung solcher Vorhaben „immer komplizierter und bürokratischer“, was potenzielle Investoren abschrecke. Zudem täten sich Landwirte deutlich schwerer als früher, Ackerland, unter dem Kies oder Kiessand abgebaut werden könnten, auch tatsächlich zu verkaufen. „Sie wollen fast immer gutes Ackerland als Tauschland, was aber kaum verfügbar ist“, schildert der Hildesheimer ein weiteres Dilemma für Investoren.

Er selbst hatte bei Elze allerdings offenbar Erfolg – sowohl bei den Grundbesitzern als auch bei den Behörden. Mittlerweile hat er mit den Bauarbeiten für die Errichtung der Kiesgewinnungs- und Aufbereitungsanlage begonnen. Voraussichtlich von November an soll das neue Werk seinen Betrieb aufnehmen – für sehr lange Zeit. Bettels rechnet damit, dass die Förderung dort 35 bis 40 Jahre in Anspruch nehmen wird. Pro Jahr will er rund 250.000 Tonnen Material aus dem Boden holen.

Später kommt Renaturierung

Irgendwann, wenn die Ausbeutung der Kies- und Sandvorräte östlich von Elze abgeschlossen ist, soll dort ein naturnahes Naherholungs- und Biotopgebiet entstehen – wie in vielen Bereichen entlang der Leine, wo der Kiesabbau das Landschaftsbild in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert hat und zahlreiche Seen- und Teichlandschaften entstanden sind – allerdings nach einer langen Zeit industrieller Nutzung.

  • Region
  • Elze
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.