Hildesheim - Der Protest gegen rechtes Gedankengut, Hetze und Ausgrenzung soll nicht nachlassen – nach der Demonstration mit Kundgebungen und Protestzug Ende Januar folgt an diesem Wochenende die nächste Aktion: Am Samstag, 17. Februar, gibt es eine Demokratiemeile in der Innenstadt. „Wie eine bunte Perlenkette“, so die Veranstalter, sollen sich die Infostände, kreativen Angebote und Mitmachaktionen in der Fußgängerzone aneinanderreihen und die Vielfalt der Stadt widerspiegeln – als einen Ort „an dem jeder Mensch unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensweise respektiert wird und sich willkommen fühlen kann“.
Die Idee für das neue Demo-Format hatten einige Grünen-Mitglieder. Sie habe solche Demokratiemeilen schon während ihres Studiums in Magdeburg als sehr positiv erlebt, berichtet die Kreisvorstandssprecherin der Grünen, Deborah Will. Will, ihr Sprecher-Kollege Oliver Kersten-Wilk und Grünen-Kreisgeschäftsführerin Friederike Sonnenberg sind Ansprechpersonen für die Demokratiemeile. Die sei aber keineswegs eine Grünen-Partei-Veranstaltung, betont Will. Vielmehr habe sie die Aktion als Privatperson bei der Stadt angemeldet, um Offenheit für alle und das gemeinsame Handeln aus der Zivilgesellschaft heraus zu zeigen. Das ganze Organisationsteam setze sich aus Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Gruppen zusammen und nenne sich daher „Hildesheimer bunte Mischung“. Das Bündnis gegen Rechts unterstützt die Veranstaltung.
Schon fast 80 Institutionen, Vereine und Verbände haben sich für die Demokratiemeile angemeldet, die sich vom Angoulêmeplatz – mit Bühne – bis zum Huckup ziehen soll. Bis Donnerstag sind noch Anmeldungen möglich, so Will, wenn nötig könne die Strecke auch verlängert werden. Die Besucher und Besucherinnen erleben Will zufolge zwischen 10 und 16 Uhr in der Stadt Infostände, Aktionen und Unterhaltung; das Programm„für eine lebendige und bunte Atmosphäre“ wachse gerade noch.
Wecker läuten um fünf vor zwölf
Mehrere Chöre hätten sich angesagt, die entweder auf der Bühne auftreten oder wie der Internationale Chor an wechselnden Plätzen in der Stadt singen. Es gibt eine Hüpfburg, der Eintracht Sportverein bringt eine Klimmzugstange mit und am Stand von Cluster kann man sich ein T-Shirt selbst gestalten. Die Robert-Bosch-Gesamtschule fordere zu einem Wecker-Flash-Mob auf, erzählt Will: möglichst viele Wecker sollen um 11.55 Uhr losgehen, um laut zu verkünden: „Es ist fünf vor zwölf“.
Oberbürgermeister Ingo Meyer hat die Schirmherrschaft für die Demokratiemeile übernommen, in Vertretung wird Sozialdezernent Malte Spitzer ein Grußwort sprechen. Auch der Landkreis Hildesheim nimmt teil. Politische Parteien sind vertreten, kirchliche Einrichtungen, Umwelt-Organisationen, Schulen, Vereine und Service-Clubs, soziale Einrichtungen und Kulturanbieter, HAWK, Universität und Unternehmen. Mehr Informationen gibt es auf www.demokratiemeile.de. Wer sich noch beteiligen möchte, kann sich unter info@demokratiemeile.de anmelden. Ausdrücklich sind auch Vereine und Verbände aus dem Landkreis zur Teilnahme eingeladen.
Am vergangenen Freitag gab es in Holle eine Kundgebung gegen rechts auf dem Thieplatz, zu der nach Angaben der Gemeinde rund 280 Menschen kamen. Aufgerufen hatte der Gemeinderat, alle Ratsparteien und Bürgermeister Falk-Olaf Hoppe beteiligten sich. Auf dem Thieplatz wurde eine Bank enthüllt, bei der ein Sitzplatz fehlt, mit dem Hinweis: „Kein Platz für Rassismus“.
