Gericht

Prozess um Ex-RAF-Terroristin: Nun wird der Hildesheimer Raubüberfall vor Gericht beleuchtet

Hildesheim - Wegen 13 Raubüberfällen steht die Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette seit März vor Gericht. Einer davon ist der bewaffnete Überfall auf den Rewe-Markt in Hildesheim im Jahr 2016 gewesen. Ist sie daran beteiligt gewesen?

Gitter, Stacheldraht und schwer bewaffnete Polizei: Die Außenstelle des Landgerichts Verden gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Früher ist der Verhandlungsraum ein Reitstall gewesen. Ab Dienstag wird hier der Hildesheimer Raubüberfall juristisch aufgearbeitet. Foto: Renate Klink

Hildesheim - Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm: schwer bewaffnete Polizei, hohe Gitter, Stacheldraht, Hunde – und eine extra umgebaute Reiterhalle dient als Gerichtssaal. Seit März läuft der Prozess gegen Daniela Klette. Die Spuren der mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristin führen auch nach Hildesheim. Zu den angeklagten 13 Raubüberfällen, die sie zusammen mit ihren beiden Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg verübt haben soll, gehört auch der auf einen Supermarkt in Bavenstedt. So steht es in der Anklageschrift. Nun soll diese Tat im zuständigen Landgericht Verden, beziehungsweise in der umfunktionierten Außenstelle, juristisch aufgearbeitet werden. Start ist Dienstag, 30. September. „Mehrere Zeugen werden gehört“, kündigt Gerichtssprecherin Sara Teufel auf Nachfrage an. Angesetzt sind vorerst zwei Prozesstage für den Hildesheimer Raubüberfall.

Neuneinhalb Jahre sind inzwischen vergangen: Der Überfall am 7. Mai 2016 auf das Rewe-Center im Hildesheimer Gewerbegebiet soll auf das Konto des Ex-RAF-Trios gehen. Beute machte es seinerzeit keine. Veröffentlichte Aufnahmen aus einer Videokamera des Supermarktes zeigen zwei maskierte Täter. Mit Pistolen bewaffnet, drängen sie an jenem Tag einen Rewe-Mitarbeiter in einen Nebenraum. Daniela Klette ist auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass die heute 66-Jährige an der Tat beteiligt war. Klette war nach Überzeugung der Ankläger bei diesem und weiteren Raubüberfällen meist die Fahrerin des Fluchtautos. Die Ermittler werfen ihr zudem Verstöße gegen das Waffengesetz vor.

Seit ihrer Festnahme im Februar 2024 sitzt Klette im Untersuchungsgefängnis in Vechta, nach ihren beiden Komplizen wird weiterhin gefahndet. In der Zeit zwischen 1999 und 2016 soll das Trio Raubüberfälle auf Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein begangen haben, um mit dem erbeuteten Geld ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Bei den Taten sollen sie insgesamt 2,7 Millionen Euro erbeutet haben.

Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass das Trio zuvor eine Wohnung in der Hildesheimer Innenstadt gemietet hatte, um den Raubüberfall in Bavenstedt vorzubereiten. Das beweisen Aufnahmen, die nach der Festnahme von Daniela Klette in ihrer Berliner Wohnung gefunden wurden. Die Kennzeichen eines VW Polos, mit dem das Trio 2016 dann zum Raubüberfall gefahren sein soll, war zuvor in Diekholzen gestohlen worden. Das Fluchtauto fand die Polizei nach der Tat später zwischen Ottbergen und Wöhle.

Klette, Garweg und Staub gehörten der sogenannten dritten Generation der linksextremistischen Roten Armee Fraktion (RAF) an. 1998 erklärte sich die RAF, die mehr als 30 Menschen tötete, für aufgelöst. Allerdings: Die derzeit verhandelten Taten haben keinen terroristischen Hintergrund. Die Haftbefehle wegen des Verdachts der Beteiligung an Terroranschlägen bestehen weiterhin. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wirft Klette versuchten Mord in zwei Fällen sowie Mittäterschaft bei Sprengstoffexplosionen bei drei Anschlägen vor. Zu diesen Vorwürfen wird eine weitere, allerdings vom jetzigen Prozess getrennte Anklage erwartet.

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