Hildesheim - Sind Sie schwer glücklich zu machen, was das Essen betrifft, liebe Leserinnen und Leser? Ich eigentlich gar nicht – nur als Kind mochte ich keine Oliven (was aber glücklicherweise nie zu Konflikten führte, da wir im Osten lebten, wo es nicht nur keine Bananen, keine Fa-Seife und keine Barbies gab, sondern Erich sei Dank auch keine Oliven) und bis heute kein Lakritz und kein Gelee. Allein den Gedanken an das Glibberzeug finde ich grauenvoll. Als würde man, uuuahh, in eine Qualle beißen.
Nicht, dass ich je am Strand eine Qualle aufgehoben und reingebissen hätte, um mir eine Expertise anzueignen, die mich heute zu so einem Vergleich berechtigt. Das nicht, nein. Trotzdem sagt man das ja manchmal so. Malaga-Eis schmeckt nach Schuhcreme, sagen manche Leute, oder: Koriander schmeckt nach Seife. Trotzdem käme niemand auf die Idee, zurückzufragen: „Echt, du isst Seife?“ Was man streng genommen natürlich tun müsste. Aber manches wollen wir ja vielleicht gar nicht so genau wissen.
Ein Fisch, der nach Pathologie stinkt
Die schönsten nicht beweisbaren Beschreibungen fand ich zu Surströmming, dem vergammelten schwedischen Hering, dessen faulig-süßlichen Gestank vor allem Nicht-Schweden gern mit dem Geruch in einer Pathologie vergleichen. Jaja, auch Nicht-Pathologen. Und der Geschmack? „Es ist, als äße man etwas, das im Speicher eines verlassenen Hauses lag. Und verlassen wurde das Haus vor Beginn unserer Zeitrechnung.“
Das klingt nicht so gut. Seien wir froh, dass es hier keinen Surströmming gibt. So fällt gar nicht auf, was wir alles ungenießbar finden. Nicht mal den Schweden.

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