Meinung

Rainer Breda
Kolumne Zweitstimme

Ratsherr verlässt die Hildesheimer Grünen: Es gibt ein Szenario, das zum Platzen der Mehrheitsgruppe führen könnte

- Wie geht es nach dem Parteiaustritt von Jens-Schulte Koch bei den Grünen der Mehrheitsgruppe im Hildesheimer Rat weiter? An deren Ein-Stimmen-Vorsprung ändert sich nichts – es sei denn, es gibt eine ganz bestimmte Entwicklung, schreibt HAZ-Redakteur Rainer Breda in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme.

HAZ-Redakteur Rainer Breda befaast sich in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme mit dem politischen Geschehen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Foto: HAZ-Archiv

In der Ratssitzung am Montag werden gleich zwei Gruppen unter einem neuen Namen auftreten: Das Oppositionsbündnis setzt sich nun nur noch aus CDU und FDP zusammen, weil die bisher parteilosen Hans-Uwe Bringmann und Erdinc Parlak seit dem Jahreswechsel ebenfalls Christdemokraten sind – sie tauchen daher in der Bezeichnung der Gruppe nicht mehr auf. In der Mehrheitsgruppe wiederum wirken ab sofort vier statt drei Partner: Zur SPD, der PARTEI und den Grünen kommt deren Ex-Mitglied Jens Schulte-Koch als parteiloser Einzelkämpfer dazu. Der 52-Jährige ist zum Jahresende bei den Grünen ausgetreten. Und auch wenn sowohl Schulte-Koch als auch dessen bisherige Hildesheimer Parteifreunde versichern, der Austritt des Neuhofers habe auf keinen Fall lokale Ursachen und man sei sich nicht gram: Wenn ein Ratsmitglied einer Partei den Rücken kehrt, noch dazu wenige Monate vor einer Wahl, wirft das Fragen auf und hat eine negative Außenwirkung.

Wieso war der Leidensdruck so groß, dass Jens Schulte-Koch nicht noch neun Monate bei den Hildesheimer Grünen durchhalten konnte?

Denn man wundert sich schon: Was hat Schulte-Koch nur so leiden lassen, dass er diese neun Monate nicht durchhalten konnte? Er spricht von einem Prozess, bleibt aber Teil der Mehrheitsgruppe und sichert damit deren Ein-Stimmen-Vorsprung – ein Zerwürfnis hätte sicher andere Folgen gezeitigt. Doch eine Entfremdung muss es gegeben haben. Dass die Grünen davon nichts mitbekommen haben wollen und nach eigenen Angaben überrascht sind, überrascht wiederum Beobachter: Die Ausführungen der Fraktionsspitze und jene Schulte-Kochs zum Hafenausbau im Rat jüngst unterschieden sich weltanschaulich gewaltig, die Worte des Unternehmers klangen wie eine Gegenrede. Dass in der CDU nun mancher witzelt, vielleicht könne man Schulte-Koch für sich gewinnen, ist gleichwohl nur als Scherz zu verstehen. Er zeige ja mit seinem Verbleib in der Mehrheitsgruppe, in welchem Lager er sich sehe, sagt der Ex-Grüne. Und so wäre es kein Wunder, wenn er im September auf der SPD-Liste oder eventuell bei VOLT auftauchen würde. Schulte-Koch hält sich bedeckt: Er werde nichts übers Knie brechen und wolle sich erst einmal neu orientieren, sagt er. Kandidieren wird er. Nur das Kapitel Grüne – das ist für ihn vorbei. Klar ist: Schließt sich Schulte-Koch vor der Wahl einer anderen Partei außerhalb der Mehrheitsgruppe an, platzt diese wohl doch noch.

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