Hildesheim - Der Real-Markt am Cheruskerring in Hildesheim schließt nun doch – und zwar bereits in wenigen Wochen. Entsprechende Informationen der HAZ bestätigte Pressesprecher Markus Jablonski am Donnerstagnachmittag. Letzter Öffnungstag eines der größten Supermärkte in Stadt und Landkreis ist demnach Samstag, der 25. Juni. Knapp 100 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze, hinzu könnte weiteres Personal bei Untermietern kommen.
Dabei hatte Real noch Anfang des Jahres nach mehr als zweijährigem Hin und Her verkündet, der Markt in Hildesheim gehöre zu den wenigen bundesweit, die über die Jahresmitte 2022 bestehen würden. Ein Betrieb zumindest bis zum Jahr 2025 galt als wahrscheinlich.
Die Rolle von Edeka
Das lag an folgender Konstellation: Ende 2020 kaufte Edeka Hannover-Minden über eine Tochtergesellschaft Gebäude und Grundstück von Real in Hildesheim aus privater Hand. Allerdings hält eine Tochterfirma des Metro-Konzerns, der Real lange betrieb, noch bis zum Jahr 2025 ein Erbbaurecht für die Immobilie. Für dieses Erbbaurecht wiederum hatte sich der Real-Konkurrent Kaufland, der sich lange für eine Übernahme des Hildesheimer Marktes interessiert hatte, eine Vormerkung gesichert. Was praktisch bedeutete, dass Kaufland einen Umbau des Marktes durch Edeka blockieren konnte.
Vor diesem Hintergrund wollte Real seinen am 30. Juni dieses Jahres auslaufenden Mietvertrag erneuern, Edeka war offenbar auch dazu bereit – doch nach HAZ-Informationen schieden sich an der Laufzeit die Geister. Edeka wollte demnach nur die Zeit überbrücken, bis es selbst einen nach seinen Vorstellungen gestalteten Markt am Cheruskerring etablieren kann – also zwei bis drei Jahre. Doch Real hat vom1. Juli an einen neuen Eigentümer. Das Unternehmen behält zwar den Namen, hat aber mit der bisherigen Firma nicht mehr viel zu tun. Für die neuen Real-Eigner, das Ehepaar Tischendorf aus Frankfurt, ging es in Hildesheim also nicht um eine Verlängerung, sondern um die Frage, ob sie dort einen Neustart für kurze Zeit anstreben sollten. Damit konnten sie sich offenbar nicht anfreunden. Dazu äußerte sich Real nicht konkret, erklärte lediglich: „Leider konnte mit dem Eigentümer auch nach intensiven Verhandlungen keine Einigung darüber erzielt werden, den Markt weiter unter Real betreiben zu können.“ Somit ende der operative Betrieb am 30. Juni.
Viele Mitarbeiter betroffen
Rund 90 Beschäftigte bekommen deshalb nun betriebsbedingte Kündigungen sowie Abfindungen, deren Laufzeit davon abhängig ist, wie lange sie bereits bei Real arbeiten. Einen entsprechenden Sozialplan hatten Unternehmen und Gesamtbetriebsrat bereits vereinbart, das Abkommen greift nun.
Betroffen sind zudem mehrere Hildesheimer Unternehmen, die als Untermieter bei Real Filialen betrieben. Unter ihnen ist der Unmut groß – zum einen, weil sie noch Anfang des Jahres das Signal bekamen, es gehe über das laufende Jahr hinaus weiter. Zum anderen, weil sie bei ungekündigten Mietverträgen nun ganze sechs Wochen vor der Schließung von dem Aus erfahren.
Untermieter stocksauer
„Wir haben dort seit 1984 unseren Salon als Mieter und bis jetzt keine Mitteilung über die Schließung erhalten“, wetterte Sebastian Machens (Friseur Huth) am Donnerstag. „Der Umgang mit uns als langjährigem Mieter nach 38 Jahren ist einfach dreist und unangemessen.“ Ähnlich empört ist ein weiterer Hildesheimer Unternehmer, der zwar telefonisch informiert wurde, aber ebenso wütend über die kurzfristige Entscheidung ist: „Wir haben ja auch laufende Arbeitsverträge hier, vom Mietvertrag ganz zu schweigen!“ Dass es in diesen Fragen zu juristischen Auseinandersetzungen kommt, scheint nicht ausgeschlossen.
Real-Sprecher Jablonski versichert, das Unternehmen habe die Schließung ja selbst gar nicht gewollt. Tatsächlich dürfte sie auch ohne mögliche Regressforderungen von Untermietern teuer für die Supermarkt-Kette werden, weil aufgrund der kurzen Kündigungszeit noch weit über das Schließungsdatum Ende Juni hinaus erhebliche Gehaltszahlungen und dann auch die Abfindungen zu Buche schlagen.
Wie es nach der Schließung unmittelbar weitergeht, ist noch unklar. So ist die Frage, ob Edeka tatsächlich bis zum Jahr 2025 warten muss oder ob das Unternehmen eine Lösung für eine frühere Wiederbelebung findet.

