Branche rollt wieder

Reisebusse dürfen nach Pause wieder fahren – mit Einschränkungen

Sarstedt/Kreis Hildesheim - Seit Ende Oktober, mit Beginn der dritten Welle, sind Busreisen verboten. Nun erwacht die Branche wieder – und schaut in die Zukunft.

Henning Steenken ist froh, dass seine Sausewind-Reisebusse wieder fahren dürfen. Foto: Werner Kaiser

Sarstedt/Kreis Hildesheim - Seit November ruhen alle Reisebusse, davor waren Fahrten nur für wenige Monate erlaubt. Während Unternehmen, die sich nicht breit aufgestellt haben, vor finanziellen Problemen stehen, geben andere jetzt Vollgas – soweit es möglich ist. Denn ganz frei von Einschränkungen ist der Betrieb auch jetzt noch nicht. Dennoch: Fahrten können grundsätzlich wieder gebucht werden.

Neustart nach Corona

Für die Unternehmen ist das ein ebenso so wichtiger wie dringender Schritt. Allerdings ist unbedingter Optimismus nicht das Gebot der Stunde, auch nicht beim Unternehmen Bernhardt in Sarstedt: „Die Lage ist für die gesamte Branche nicht schön, auch wenn es wieder losgeht“, so Bernhardt. Sechs Busse hat das Unternehmen, drei Reise- und drei Linienbusse.

Henning Steenken, Geschäftsführer von Sausewind Reisen in Dingelbe, ist froh, dass die Busse wieder fahren können: „Die letzte Fahrt hatten wir am 31. Oktober“, so Steenken. „Jetzt am Sonntag fuhr endlich wieder einer unserer Busse.“ Noch im vergangenen Frühjahr investierte er in einen neuen Bus – 350 000 Euro teuer. „Er war für März 2020 angekündigt, die Lieferung dauert immer ein halbes Jahr.“ Angemeldet ist er immer noch nicht – die einzigen Touren drehte er bislang auf dem Hof, damit die Bremsen nicht einrosten.

Dynamische Regeln verunsichern

Die Fahrt am Sonntag war eine recht spontane Spargelfahrt, eine Tagesfahrt. „Die Werbemaschinerie läuft jetzt erst an“, sagt Steenken. Tagesfahrten ließen sich innerhalb einiger Wochen realisieren, Pauschalreisen mit Aufenthalten seien da deutlich aufwendiger. Denn diese sind oft mit Hotels und Gastronomien verknüpft, die im Voraus gebucht werden müssen – und den dynamischen Pandemie-Regeln ausgesetzt sind. „Das ist eine Schwierigkeit, die uns sehr stark verunsichert“, sagt Steenken.

Zumal eine gewissen Zahl von Teilnehmern im Vorfeld feststehen muss. „Wir können nicht mit 15 Leuten losfahren“, so Steenken. Unter 22 bis 24 Fahrgästen wären die Kosten höher als der Erlös. In seinem Unternehmen machen die sechs Reisebusse und die rund 20 Linienbusse etwa gleich viel Umsatz aus – der Reise-Umsatz sank 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent.

Spürbarer Nachholbedarf

Auch bei Pülm Reisen bereitet man sich auf den Neustart vor: „Es geht deutlich nach oben, wir spüren Reisen-Nachholbedarf bei den Kunden“, sagt Geschäftsführer Carsten Pülm, auch wenn Skepsis bleibt. „Wirt starten erstmal mit sieben Reisebussen und weiteren sieben über unseren Partner Weihrauch.“

Untätig sei man nicht gewesen. „Wir haben Reisen für die ’Zeit danach’ entworfen, ein Grundrauschen an Angeboten aufgebaut“, beschreibt Pülm das Vorgehen. So hätten Kunden flexibel die Angebote buchen und im Falle einer Verlängerung der Maßnahmen stornieren können. „So legen wir keinen Kaltstart hin, sondern sind schon im Geschäft“, sagt Pülm.

„Für viele ein Hemmnis“

Das muss aber erstmal mit harten Regeln auskommen. Impfungen, ein negativer Test oder eine Genesungsbescheinigung müssen mitgebracht werden. Die Sitzreihe hinter dem Busfahrer bleibt leer, Abstände beim Ein- und Aussteigen sowie ein durchgehendes Tragen der Masken bleiben Pflicht. „Das ist für viele ein Hemmnis“, findet Steenken, der auf schnelle Lockerungen hofft.

Darauf setzt man auch in Sarstedt: „Wir warten im Grunde auf eine Durchimpfung und auf 2022“, sagte Bernhardt. „Solange können wir nicht vier Tage Berlin anbieten, wenn dort kein Hotel die Gäste annehmen darf. Uns sind dort die Hände gebunden.“

Kritik an unterschiedlichen Regeln

Mit der Kritik an den unterschiedlichen Regelungen auf Landesebene ist Bernhardt nicht alleine. Denn obwohl die Regeln eingehalten und beispielsweise sowohl bei Pülm als auch bei Sausewind antivirale Filter die Luft reinigen, bleiben Unklarheiten. Der Bundesverband der Deutschen Omnibusunternehmer nimmt dazu Stellung: „Nationale oder gar regionale Flickenteppiche sind auf jeden Fall zu vermeiden“, heißt es. Speziell würden es die von Bundesland zu Bundesland verschiedenen Vorschriften schwierig machen, längere Reisen und Aufenthalte zu organisieren.

  • Region
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.