Militär-Geschichte

Relikt des kalten Krieges: Pläne für altes Munitions-Depot bei Wöhle

Wöhle - Schon seit Jahrzehnten gammeln die Bunker vor sich hin: Ein Schäfer nutzt das Gelände des alten „Mun-Depots“ der Briten bei Wöhle. Doch der Mann hat mit dem Areal mehr vor.

Er hält hier Schafe: Karlheinz Völler steht auf dem Gelände mit den alten Munitionsbunkern bei Wöhle. Foto: Clemens Heidrich

Wöhle - Ein Schäfer aus Bettmar will ein früheres Militärgelände in der Gemeinde Schellerten beleben – das Munitionsdepot bei Wöhle, ein Relikt des kalten Krieges im Wald. Britische Truppen haben das Depot vor etwa 30 Jahren aufgegeben. Dort könnte sich der Besitzer eine große Fotovoltaikanlage oder zumindest ein Windrad gut vorstellen. Doch diese Pläne zu verwirklichen, gestaltet sich schwierig.

Allmählich erobert sich die Natur das 54 000 Quadratmeter große Gelände zurück. Dort patrouillierten einst Wachen mit scharfen Hunden. Das alte Depot für Artilleriegranaten der britischen Regimenter, die einst in Hildesheim stationiert waren, könnte Drehort eines düsteren Films sein. Vergeblich hatte sich der Verein „Schützt die Hildesheimer Börde“ um den Dinklarer Juristen Burkhardt Suden vor 20 Jahren dafür eingesetzt, die Fläche wieder ins natürliche Landschaftsbild einzufügen. 2004 tummelte sich die Theaterszene an diesem Ort – das Stück „Heindi – ein Alptraum in der Börde“ lockte die Zuschauer und Zuschauerinnen an. Das Areal, das sich auf einer Größe von etwa sieben Fußballfelder erstreckt, gehört inzwischen dem 75-jährigen Karlheinz Völler. Vor rund 30 Jahren holten die Briten hier ihren „Union Jack“ ein und überließen die haushohen Betonbunker sich selbst. Normalerweise ist es ruhig an diesem seltsamen Schauplatz, der eine eigentümliche Atmosphäre verströmt. Völler hält dort zusammen mit seiner Ehefrau Marion insgesamt 50 Schafe. Er verkauft die Lämmer, die Tiere extra zu scheren und die Wolle zu verkaufen, lohnt sich nicht.

Völler ist froh, dass zumindest auf diese Weise der Bereich genutzt wird. Ein mit Straßen und Kanalisation erschlossener Bereich, der diversen Zwecken dienen könnte. „Er ist prädestiniert dafür“, meint der Mann. „Man könnte hier mit einer Fotovoltaikanlage ganz Wöhle versorgen.“ Der Schäfer hofft auf einen Investor, der die Flächen am Rande des 300-Seelen-Ortes nutzen könnte. „Das Gelände ist allein 800 Meter lang – hier ist einiges möglich“, sagt der 75-Jährige mit dem fränkischen Akzent. Wenigstens ein Windrad, möglicherweise auch mehrere sind aus seiner Sicht ebenfalls denkbar. Völler will abwarten, welche Gesetze Robert Habeck als Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz vorantreibt. „Ich warte, was der Habeck macht.“

Erster Versuch scheitert

Der 75-Jährige hat schon vor Jahren versucht, eine Fotovoltaikanlage anzuschieben. „Ich hatte schon Kostenvoranschläge.“ Doch er scheiterte seinerzeit mit einem Antrag beim Landkreis Hildesheim. Der damalige Umweltdezernent Helfried Basse habe keine Möglichkeit für den Bereich des alten Depots als Fotovoltaik-Standort gesehen. „Damals heiß es: Dafür gebe es keine Privilegierung“, berichtet Völler.

Er will nicht locker lassen und hofft darauf, die vergammelten Bunker künftig vernünftig zu nutzen. Ob der Landkreis diesmal ein Energieprojekt billigen würde, lässt dieser auf HAZ-Nachfrage offen. „Die Rahmenbedingungen, auf deren Basis die damalige Entscheidung gefallen ist, können sich ändern. Der Besitzer des Geländes kann zu seinem neuen Vorhaben entweder eine Voranfrage oder einen offiziellen Antrag stellen. Beides wird der Landkreis selbstverständlich prüfen“, so eine Sprecherin.

„Das wäre eine gute Sache“

In Wöhle könnte man sich jedenfalls mit einem Sonnenstrom-Kraftwerk im Wald anfreunden. Für Ortsvorsteher Martin Ritter etwa ist dies ein ansprechender Gedanke. Auch er fragt sich, was in Zukunft mit dem riesigen „Mun-Depot“ geschieht. Windräder findet er nicht so gut. Aber eine Solaranlage? „Das wäre eine gute Sache.“

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