Konzert

Reuling Stones in der Hildesheimer Bischofsmühle: So geht die Band mit dem Original um

Hildesheim - Der Bandname klingt so ähnlich wie die Rolling Stones. Was die Musik betrifft, hat Gründer Jens Reulecke das folgende Motto: „Covern, nicht imitieren!“ – So kamen die Reuling Stones damit in der Bischofsmühle an.

Die Reuling Stones rund um Gitarrist Jens Reulecke wollen das Original „covern, nicht imitieren“. Foto: Kerstin Loel

Hildesheim - In Hildesheim trug man am Freitagabend Zunge, genauer: die „Hot Lips“, das frech-ikonische Logo der Rolling Stones. Gut 150 Menschen, darunter eben viele mit den poppigen Lippen auf dem Shirt, hat der Auftritt der – Achtung Verwechslungsgefahr – Reuling Stones in die Bischofsmühle gelockt. Die Band gibt es seit 2017, sie covert ausschließlich Hits von Jagger, Richards und Co. „Covern, nicht imitieren!“ – das ist Gründer und Gitarrist Jens „Reule“ Reulecke wichtig. „Wer das versucht, kann nur tief fallen.“

Set von zweieinhalb Stunden

Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen – Vokalist Armin Günther, Jost Schlüter (Bass), Jörg Schattenberg (Keyboard) und Kidd Meissner (Drums) – heizt er den Hildesheimerinnen und Hildesheimern an diesem Abend ordentlich ein. Von der Eröffnungsnummer „Not Fade Away“ bis „The Last Time“, „Ruby Tuesday“ bis „It’s Only Rock ‚n‘ Roll (But I Like It)“ – im gut zweieinhalbstündigen Set der Reuling Stones fehlt kaum ein Hit. Allein: „Paint It (Black)“ hätten sie rausnehmen müssen, um den zeitlichen Rahmen zu wahren, so Ela Schneider. Sie und Anna Hüter, das im doppelten Sinne jüngste Mitglied der Band, fungieren heute als Backgroundsängerinnen – schütteln die Maracas und wiegen sich geschmeidig zum „Harlem Shuffle“. Erst vorigen Monat sei Hüter zum Ensemble gestoßen, als Ersatz beziehungsweise Zweitbesetzung für Sonny Spencer; sie habe sich das Repertoire kurzfristig „raufschaffen“ müssen – und harmoniert jetzt mit der Band, als habe sie nie etwas anderes getan.

Eine Band mit „Seele und Talent“

Das gefällt auch den Gästen. Zwar wird das Saallicht ungewohnterweise erst zur zweiten Halbzeit gedimmt, Stimmung ist aber schon nach den ersten paar Takten da, es wird mitgeklatscht und -gesungen, wer ganz vorn ein bisschen Platz am Bühnenrand hat, kann sogar tanzen. Einer dieser eingefleischten Fans ist Heinz Harbart, Sozialarbeiter aus Goslar. Sänger Günther kennt der 76-Jährige seit den Achtzigern gut, die (echten) Stones aber noch besser: „Rock ’n’ Roll habe ich sozusagen mit der Muttermilch aufgesaugt.“ Rockmusik mit GIs hören, später Jagger und seiner Truppe bei deren erster Bravo-Tour durch Deutschland folgen – Harbart muss es wissen, wenn er der Band um Reulecke „Seele und Talent“ attestiert.

Damit ist er nicht allein: Dass hier Voll- und Herzblutmusiker und -musikerinnen auf der Bühne stehen, merkt man auch in der letzten Reihe. Ab und zu klingt Günthers Tenor vielleicht eine Spur zu wenig plärrig fürs Original, auch gibt es zwischen den Instrumenten wenig Raum für Lustwandelei à la Mick Jagger – aber imitiert werden soll ja eben nicht: „Pur, authentisch, laut. Reuling Stones ist nichts für weiche Hasen“, heißt es entsprechend auch in der Ankündigung. Und dass sie „alles rocken und dabei Spuren hinterlassen“. Hat geklappt.

Von Simon Bethge

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