Hildesheim - Lange schien sicher, dass die Supermarkt-Kette Kaufland die Hildesheimer Filiale des Konkurrenten Real übernehmen würde. Doch zuletzt häuften sich die Indizien, dass es doch nicht dazu kommt. Jetzt wird bekannt: Kaufland-Rivale Edeka hat das Real-Grundstück am Cheruskerring gekauft. Doch die Sache hat einen Haken.
Hinweise an Untermieter
Zunächst einmal ist es eine ziemlich überraschende Wendung. Denn Hildesheim gehörte zu den 101 deutschen Real-Märkten, deren Übernahme Kaufland sich vom Bundeskartellamt genehmigen lassen wollte. Der Standort am Cheruskerring gehörte dann auch zu den bundesweit 92, für die die Wettbewerbshüter ihr Okay gaben – und zwar ohne Bedenken und Vorbehalte. Warum Kaufland einen großen Supermarkt in Sichtweite der eigenen, noch dazu auf eigenem Grundstück stehenden Filiale übernehmen wollte, blieb bis zuletzt schleierhaft.
Doch dann gab es mehrere Hinweise darauf, dass Kaufland womöglich gar nicht zum Zuge kommen würde. So verschwand Hildesheim von der Liste jener 13 Real-Standorte, die als erste umgeflaggt werden sollten. Auch auf einer neuen Liste mit Real-Märkten, die ab Mai von Kaufland betrieben werden sollen, fehlt Hildesheim. Und schließlich erhielten Untermieter von Real am Cheruskerring Hinweise, Kaufland sei aus dem Spiel.
Auch Adler im Fokus
Jetzt bestätigte das Grundbuchamt des Hildesheimer Amtsgerichts auf HAZ-Anfrage: Edeka hat im November vergangenen Jahres das große Marktgrundstück am Cheruskerring erworben. Und zwar über eine Tochtergesellschaft, die „Dritte EMH Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG“ mit Adresse am Edeka-Sitz Minden.
Das Areal gehörte bis dahin der IVH Industrie-Verwaltungs-GmbH und Handelskontor KG – einer Immobilien-Verwaltungsfirma, hinter der Nachkommen früherer Senking-Chefs standen.
Hintertür für Kaufland?
Doch es gibt eine weitere kuriose Wendung: Die früheren Eigentümer hatten der Düsseldorfer Firma Blabert ein Erbbaurecht eingeräumt. Blabert ist eine Tochtergesellschaft der Metro AG – diesem Konzern gehörte Real bis vor kurzem. Das Erbbaurecht läuft nach HAZ-Informationen allerdings in wenigen Jahren aus. Doch zunächst, so ist es im Grundbuch vorgesehen, soll das Erbbaurecht übergehen – und zwar ausgerechnet auf den Edeka-Rivalen Kaufland.
Was die beiden großen Lebensmittel-Ketten mit diesem Konstrukt beabsichtigen, ist noch unklar. Kaufland bestätigte lediglich, dass der Hildesheimer Real-Markt nicht zu denen gehört, die das Unternehmen zum 1. Februar übernimmt. Auch Edeka wollte die Entwicklung nicht weiter kommentieren.
Auch Adler-Modemarkt im Fokus
Sicher ist: Edeka hat beim Bundeskartellamt die Genehmigung der Übernahme von 72 bisherigen Real-Märkten beantragt. Die Wettbewerbshüter wollen darüber bis zum 22. Februar entscheiden.
Ob Hildesheim auf der Edeka-Wunschliste mit den 72 Märkten steht, wollte das Unternehmen auf HAZ-Anfrage nicht beantworten. Die Vermutung liegt allerdings nahe. Und wenn das Kartellamt dies ablehnt, könnte wiederum Kaufland einsteigen. Vermutlich ist das nicht die letzte Wendung im Ringen um den Standort – während Mitarbeiter und Mieter des Real-Marktes unverändert in eine unsichere Zukunft blicken.
Weiterer Aspekt: Zu dem Marktgrundstück, das Edeka erworben hat, gehört nach HAZ-Informationen auch der Adler-Modemarkt. Dessen Zukunft ist nach dem Insolvenzantrag dieser Kette aber ebenfalls ungewiss.
