Hildesheim - Willst du mit mir gehen? Ja – Nein – Kommt drauf an. Bitte ankreuzen! Was waren das für glückliche Zeiten, in denen man auf derart zielgerichtete, nüchtern-effiziente Weise mit anderen anbandeln konnte! Ach ja, Romantik … Sie braucht nicht viele Worte, wenn die Herzen jung sind und schlagen wie fabrikneue Presslufthämmer. Und ich sage es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wenn nur ein Hauch davon stimmt, was mein kommunalpolitisch bewanderter Kollege B. berichtet, dann weht dieser Tage auch durchs Hildesheimer Rathaus dieser wunderbare Wind des Wer-mit-Wem?. Schuld haben Sie und ich, das Wahlvolk also. Was wir uns da zusammengewählt haben, hat die Parteienlandschaft im Hildesheimer Stadtrat derart durchgeschüttelt, dass plötzlich keiner mehr weiß, mit wem er durchstarten will ins politische Glück. Nur so viel: Zettel zum Ankreuzen werden offenbar noch nicht verteilt (warum eigentlich?), man telefoniert recht viel und stellt recht unverblümt die Frage: Na, wie wär’s mit uns? Offenbar ist das jedoch zu plump, außer einem mickrigen Zweierbündnis ist bislang nichts dabei herausgekommen.
Jetzt helfen nur noch Pralinen und der Oberbürgermeister
Stolze, erfahrene Ratspolitiker tragen plötzlich Pralinenmischungen durch die Gänge, auch Blumen, Kino-Gutscheine und ähnliches Zeug. Hilflose Gesten, die nur zeigen, wie vertrackt die Lage ist, erst recht, weil bei einer zahlenmäßig recht großen blauen Gruppe keiner anrufen will. Einer, dem noch niemand sein Herz geschenkt hat, gibt sogar Pressemeldungen raus, also er wäre durchaus bereit, mit der SPD und der CDU zu gehen, aber er stellt Bedingungen. Also doch: Kommt drauf an! Ich fürchte, am Ende könnte sich noch unser Oberbürgermeister berufen fühlen, wie ein Partnervermittler zusammenzufügen, was zusammengehört. Wie früher Rudi Carrell beim Herzblatt – wenn’s einer kann, dann der OB!
