Hildesheim - Viele Menschen nutzten die Pandemie mit Homeoffice dazu, sich einen Vierbeiner anzuschaffen. Die Sorge von Tierschützern und Tierschützerinnen war schnell groß: Wenn es wieder Lockerungen gibt, die Menschen nicht mehr so viel Zeit zu Hause verbringen, könnten überfüllte Tierheime die Folge sein.
Nur, dass das Hildesheimer Tierheim jetzt schon fast voll ist: 24 Hunde, 40 Katzen, ein Dutzend Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Schweine, Wellensittiche und weitere Tiere leben zur Zeit vor Ort. „Wir jonglieren hier“, erklärt Tierheimleiterin Sabine Witte – und sorgt sich darum, was geschieht, sollte es eine Rückgabewelle geben. „Ich warte quasi minütlich darauf.“
Ein Zwinger ist momentan noch frei
Die ist zwar noch nicht eingetroffen, würde das Tierheim aber vor eine große Herausforderung stellen. Ein einziger, großer Zwinger ist aktuell noch frei, sagt Witte. Wenn es gut läuft, passen da zwei Hunde rein – so lange sie sich verstehen. Dann wären wirklich alle Plätze belegt.
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Das große Problem seien Verkäufe über das Internet, etwa über Ebay, wie Witte erklärt. „Die Leute suchen das Tier nach einem Bild aus.“ Dabei würden die zukünftigen Frauchen und Herrchen nicht darauf achten, ob der Hund überhaupt zu ihnen passt.
Mann gab Hund nach 48 Stunden zurück
Witte erzählt von einem Mann im Rollstuhl, der sich einen Labrador-Sennenhund zulegte – und ihn nach 48 Stunden im Tierheim abgab. Mit den Worten: „Das ist eine Ausgeburt der Hölle, den können sie einschläfern.“
„Das sind Hunde, für die man Zeit und Geduld braucht“, sagt Witte. Und das sei vielen Menschen vorher nicht bewusst, gerade bei Internetkäufen.
Terriermix Tino: Eine Geduldsprobe
So wie Terriermix Tino. Je näher man seinem Gehege kommt, desto lauter bellt er. Tino kam durch eine Familie aus dem Ausland nach Deutschland. Weil er sich ängstlich und bissig verhielt, gab die Familie ihn schließlich im Tierheim ab.
„Ich konnte ihn ein Jahr nicht anfassen“, erzählt Tierheimleiterin Sabine Witte. Erst seit Ostern ist er zugänglicher. Ihre beiden eigenen Hunde halfen ihr dabei, sich Tino zu nähern und Vertrauen aufzubauen.
Sollte es wirklich dazu kommen, dass vermehrt Haustiere im Tierheim abgegeben werden, muss Witte auf die Hilfe von Pflegestellen hoffen. „Wir vermitteln zum Glück auch ganz gut“, sagt sie.
So sieht es in den Nachbarregionen aus
Auch in Nachbarorten ist von der befürchteten Rückgabewelle bisher noch nichts zu spüren, wie Tierheime in Hannover, Peine und Goslar bestätigen. „Noch haben wir aber Corona“, mahnt jedoch der Leiter des Goslarer Tierheims Frank Dörge. „Das kann sich alles noch entwickeln. Wir wissen nicht, ob es noch kommt.“
Für ihn stehen Privatverkäufer in der Pflicht auf den Hundeführerschein aufmerksam zu machen. Den braucht jeder, der sich einen Hund anschaffen will. Davon ausgenommen sind nur Personen, die in den vergangenen zehn Jahren mindestens zwei Jahre am Stück einen Hund hatten. Häufig komme ihm aber zu Ohren, dass private Verkäufer ihre Kundschaft darauf nicht aufmerksam machen.
Aufnahmestopp in Salzgitter
Im Tierheim Salzgitter ist dagegen bereits der Ernstfall eingetreten: Wegen voller Hundezwinger und Katzenhäuser hat das Tierheim Ende Juni einen Aufnahmestopp veranlasst. Auf ihrer Website erklären sie die Flut an zurückgegebenen Tieren vor allem mit den anstehenden Sommerferien. „Nach den Corona-Lockerungen wollen die Menschen endlich wieder verreisen“, heißt es. „Da stehen die Vierbeiner oft im Weg.“

