Hildesheim - Rüdiger und ich sind uns gerade nicht ganz grün. Er macht nicht das, was er soll. Nämlich den Rasen mähen. Seit Jahren fährt Rüdi den Garten nach festgelegtem Muster immer schön zwischen den Begrenzungskabeln rum und knispelt den Rasen kurz. Nur tagsüber, ist ja klar. Nun, nach dem Rüdi den Winter im Heizungskeller verbracht hat und wieder in den Garten darf, ist es nicht mehr wie früher. Er ist schludrig geworden. Lässt einige Bereiche aus, fährt ungebremst in ein Blumenbeet. Was eigentlich gar nicht sein dürfte, weil da gar kein Kabel liegt.
Was hat er denn?
Es liegt ja nahe, dass ich versucht habe, mit Rüdi zu reden, zu fragen, was ihm an der alten Tour nicht mehr passt, und was ich tun soll, damit er wieder zur alten Form findet. Da Rüdi total verstockt ist, habe ich das Thema am Abendbrotstisch auf den Plan gebracht. Für meinen Mann und mich gab es Brot und Gürkchen, für Rüdi eine Portion Strom in der Ladestation. Mein Mann schaut versonnen ins Gurkenglas und angelt nach der letzten Gurke: „Keine Ahnung, was der hat“, sagt er. Und damit ist das Thema für ihn erledigt. Was mich noch wütender macht: „Wir können doch so einem doofen Mäher nicht einfach seien Willen lassen!“ Also googele ich: „Mäher lässt Bereich aus“.
Falsch gesteckt?
Da lese ich, dass die Stecker falsch gesetzt sein könnten. Also alle Verbindungen überprüft, teilweise umgesteckt. Am nächsten Tag fährt Rüdi erst gar nicht los. Da ich mir nicht gemerkt habe, welches Kabel am Vortag noch wo steckte, wiederhole ich das Prozedere.
Ab ins Beet
Plötzlich mäht Rüdi in Ecken, in denen er vorher noch nie gewesen ist. Inklusive des Blumenbeets. Dabei macht er einen so verzweifelten Eindruck, dass eine Mutter mit einer kleinen Tochter an der Hand bei uns klingelt und mich auf des Mähers Notlage aufmerksam macht. Angesichts der sorgenvollen Miene des Kindes ziehe ich den Mäher auf den Rasen. Drücke auf Start. Rüdi bewegt sich keinen Zentimeter. Vor dem Kind kann ich dem Mäher schlecht in den Hinterreifen treten. Ich drehe mich um, lächele, winke dem Mädchen zu und trage den Mäher auf seine Station. In der Hoffnung, dass er zur Besinnung kommt, hat er jetzt zwei Tage Stations-Arrest.
PS: Mein Mann hatte Mitleid mit Rüdiger. Er redete ihm angeblich nur ins Gewissen. Rüdi mäht wieder – einwandfrei.
