Wahl Anfang November

Neue Ratsvorsitzende in Hildesheim? CDU-Fraktion schlägt Franziska Busche vor

Hildesheim - Die CDU-Fraktion will die 32-jährige Hebamme für den Vorsitz im Hildesheimer Stadtrat vorschlagen. Die Wahl steht am 1. November auf der Tagesordnung.

Franziska Busche freut sich auf ihre künftige Aufgabe im neuen Hildesheimer Rat. Foto: Wiebke Barth

Hildesheim - Ein Saal voller Kommunalpolitiker, die ein heißes Thema diskutieren, die unbedingt ihre Sicht der Dinge auch noch loswerden und sich Gehör verschaffen wollen – und Franziska Busche soll künftig diejenige sein, die einer ausufernden Debatte auch mal ein Ende setzt, die zur Ordnung ruft, wenn der Ton ausrutscht: Die 32-Jährige soll nach dem Willen der CDU-Fraktion als Nachfolgerin von Regina Lücke die neue Ratsvorsitzende werden.

Gewählt ist sie natürlich noch nicht, das steht für die erste Sitzung des Rates am 1. November auf der Tagesordnung. Doch es sei „gute Sitte“, sagt die CDU-Frau, dass die stärkste Fraktion die Vorsitzende oder den Vorsitzenden stellt. Franziska Busche geht deshalb davon aus, dass die Wahl auf sie fallen wird.

Dass sie der Aufgabe gewachsen ist, daran hat sie keinen Zweifel. Schließlich ist sie schon seit dem 15. Lebensjahr – damals in der Jungen Union – politisch aktiv, war in der JU sogar Vorsitzende. Mit 16 trat sie in die CDU ein. So kommt es, dass sie einige Parteikollegen schon aus Teenagerzeiten kennt.

Ehrenamtliche Arbeit selbstverständlich

Sie ist Mitglied im Kreisverbandsvorstand und seit 2016 Ratsfrau. Dieses Jahr zieht sie nicht nur wieder in den Rat ein, sondern wird künftig auch im Ortsrat Itzum-Marienburg mitmischen. Trotzdem sei sie vor der ersten Sitzung des Stadtrates und ihrer erwarteten Wahl zur Vorsitzenden sicher aufgeregt, meint die 32-Jährige: „Ganz so eine coole Socke bin ich nun auch nicht.“ Schließlich habe sie den Ehrgeiz, ihre Sache dann auch gut zu machen.

In Itzum ist Franziska Busche aufgewachsen; der Vater war ebenfalls politisch aktiv, ebenso mehrere andere Verwandte. Gespräche über Politik hätten in der Familienrunde selbstverständlich dazu gehört, ehrenamtliches Engagement für die Allgemeinheit ebenfalls, sagt Franziska Busche.

Ihre Heimatstadt hat sie nur für ihre Ausbildung verlassen. Auch im Beruf ist die 32-Jährige gewohnt sich durchzusetzen: Als leitende Hebamme im Kreißsaal des Helios Klinikums sagt sie nicht nur den Mitarbeiterinnen, sondern manchmal auch den Patientinnen, wo es langgeht. Trotz des Vollzeitjobs macht Busche auch noch freiberuflich Hausbesuche. Die Nachfrage ist groß, oft muss sie Frauen absagen. Denn schließlich braucht sie auch noch Zeit für ihr berufsbegleitendes Studium der Berufspädagogik in der Pflege.

Langer Atem ist nötig

Ob der Posten nicht ein „Abstellgleis“ wäre, hätten sie einige zum Job als Ratsvorsitzende gefragt, erzählt Franziska Busche. Denn als solche muss sie ja vor allem dafür sorgen, dass die Geschäftsordnung eingehalten wird und alles geordnet vonstattengeht – politisch profilieren könnten sich da eher andere. Doch die Gefahr sieht Franziska Busche nicht. Wichtige inhaltliche Arbeit werde vor allem in den Ausschüssen geleistet. Bisher hatte sie im Schulausschuss den Vorsitz inne und möchte dort auch künftig aktiv sein. Denn dass es in der Politik einen langen Atem braucht, um angestrebte Ziele umzusetzen, hat sie in den letzten fünf Jahren schon gelernt.

Job, Studium, Ehrenamt – ihr bleibe trotzdem noch Zeit für den Garten, für Freunde und Familie, sagt die junge Politikerin. Sie wisse aber, dass der Zeitaufwand viele Frauen von einem politischen Engagement abschrecke. Daneben vielleicht auch die manchmal heftigen Diskussionen, die ihr aber nichts ausmachten. Was ihr etwas ausmacht: Wenn sie an Infoständen im Wahlkampf angepöbelt wird von Leuten, deren Ansichten unverrückbar festgefahren sind. „Ich bin keine Freundin von Frauenquoten“, erklärt Franziska Busche. Trotzdem, ein paar mehr in der CDU-Stadtratsfraktion könnten es sein – gerade mal von zwei auf drei hat sich die Zahl der weiblichen Mitglieder mit der diesjährigen Wahl gesteigert.

Wenn sie am Montag gewählt wird, müssen sich die Ratsmitglieder übrigens ab Oktober 2022 wieder an einen neuen Namen ihrer Ratsvorsitzenden gewöhnen, verrät Franziska Busche. Sie hat sich im Sommer mit ihrem Partner Fabian Hienz verlobt, nächstes Jahr wird geheiratet.

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