Hildesheim - Samstagmorgen, etwa 11 Uhr. Reha Kolzau Handy klingelt. Die Kinder und Jugendlichen haben schon zahlreiche Bäume gesammelt, heißt es am anderen Ende der Leitung – sie werden nun so langsam hungrig. Die stellvertretende Jugendwartin der Freiwilligen Feuerwehr Himmelsthür lässt sie nicht lange warten und setzt sich in einen Wagen. Der ist beladen mit Kaffeekannen, Brühe, Trinkflaschen und jeder Menge belegter Brötchen – Verpflegung für ihre jungen Kameradinnen und Kameraden, die seit dem frühen Morgen durch die Himmelsthürer Straßen ziehen und alte Weihnachtsbäume sammeln.
Jahr für Jahr sind es die Kinder- und Jugendfeuerwehren, die in Hildesheim von Haus zu Haus marschieren, an den Türen klingeln und die Bäume abholen. Die alljährliche Sammelaktion ist eines der Highlights für die heranwachsenden Feuerwehrleute, erklärt Kolzau: „Zusammen mit dem Osterfeuer ist es das Event im Jahr.“ Denn hier dürfen die Kinder und Jugendlichen selbst mit anpacken – darunter auch die beiden Jugendfeuerwehrmädchen Neela und Junah, die die Bäume zu den Sammelplätzen am Straßenrand hinter sich her ziehen. Davor klingeln sie bei sämtlichen Parteien eines Hauses und fragen drinnen, ob es überhaupt Bäume abzuholen gibt – und ob nicht jemand für die Feuerwehrjugend spenden möchte.
Anwohner spenden für die Feuerwehr
„Wir haben keinen Baum gehabt“, sagt ein Anwohner der Willi-Plappert-Straße, „aber trotzdem“. Er steckt Geld in die Sammelbüchse in Neelas Hand. Auch andere Nachbarinnen und Nachbarn kommen mit Münzen und zusammengerollten Scheinen und stecken sie in die Dose. Wenn auch etwas mühsam – die Büchse ist noch recht neu, erklärt die 14-jährige Junah: „Die muss noch ein bisschen ausgeleiert werden.“ Das Geld passt oft noch nicht richtig durch den Schlitz.
Mit Junah und Neela ziehen neun weitere Mitglieder der Jugendfeuerwehr Himmelsthür am Samstag durch die Straßen im Hildesheimer Nordwesten, dazu noch 14 Mitglieder der Kinderfeuerwehr. Die Spenden, die sie alle sammeln, fließen in die Jugendarbeit der Feuerwehr. „Andere Einnahmen haben wir nicht“, erklärt Sarah Sackritz, stellvertretende Stadtjugendfeuerwehrwartin. Von dem Geld kaufen die erwachsenen Feuerwehrleute ihrem Nachwuchs unter anderem Pumpenattrappen und Kriechtunnel zum Üben, ein Zeltlager – oder veranstalten eine Faschingsparty.
Bäume landen am Hildesheimer Hafen
Während sich die Spendendose am Samstagmittag langsam füllt, laden die Himmelsthürer Feuerwehrleute die alten Bäume auf einen Anhänger und fahren sie zum Bioenergiezentrum am Hildesheimer Hafen. Dort landen nach und nach alle Bäume des Stadtgebiets – was in diesem Jahr laut Sackritz besonders schnell klappt. Sie schaut auf ihr Handy. Sorsum ist mittags schon fertig, meldet sie, das Stadtfeld auch. Himmelsthür folgt kurz darauf. Kolzau und ihre erwachsenen Kolleginnen und Kollegen machen sich auf den Rückweg, um die letzten Restarbeiten zu erledigen. Für die Kinder und Jugendlichen heißt es aber: Feierabend.
