Welfenschloss

Sanierung verzögert sich seit Jahren: Was wird aus der Marienburg bei Hildesheim?

Kreis Hildesheim - Die Sanierung der Marienburg bei Nordstemmen verzögert sich seit Jahren. Hinter den Kulissen gibt es Knatsch um die Nutzung des Welfenschlosses – und es ist unklar, wer dort überhaupt letztlich das Sagen hat.

Märchenhafter Anblick: Die Marienburg am vergangenen Wochenende - aufgenommen mit einer Drohne. Foto: Alexander Sommer

Kreis Hildesheim - Es war ein großer Coup: Nach zähen Verhandlungen stellten der Bund und das Land Niedersachsen im Sommer 2019 mehr als 27 Millionen Euro bereit, um die renovierungsbedürftige Marienburg bei Nordstemmen im großen Stil zu sanieren. Alle Beteiligten priesen das um 1866 erbaute Welfenschloss als historisches Juwel, das es für die Nachwelt zu erhalten gelte. Seither sind jedoch dreieinhalb Jahre ins Land gegangen – und geschehen ist bislang wenig.

„Unter anderem ist es durch Corona zu Verzögerungen gekommen“, sagt Hermann Kasten. Der frühere VGH-Chef hatte zwischenzeitlich die Geschäftsführung der Stiftung Schloss Marienburg übernommen, der das Gebäude gehört. Außerdem seien langwierige europaweite Ausschreibungen nötig gewesen, sagt Hermann Kasten. Ende vergangenen Jahres sei nun immerhin der erste Auftrag für die Projektplanung vergeben worden: Ein Unternehmen aus Westfalen soll die Arbeiten koordinieren. „Wir rechnen damit, dass die Sanierungsmaßnahmen spätestens 2024 beginnen“, so Hermann Kasten.

Stiftung hat derzeit keinen Geschäftsführer

Er selbst wird daran allerdings gar nicht mehr beteiligt sein. Seinen Posten als Geschäftsführer der Stiftung hat er zum Jahresende abgegeben, zu den Gründen hält er sich bedeckt. Im Juli soll Andreas Hesse die Aufgabe übernehmen, der derzeit noch Direktor der Klosterkammer ist und dann im Ruhestand sein wird. Bis dahin droht der Stiftung ein Führungsvakuum.

Ernst August Erbprinz von Hannover bemüht sich, die Wogen zu glätten: „Der Stiftungsrat wird in der Übergangszeit bis zum Antritt von Herrn Hesse die Handlungsfähigkeit der Stiftung sicherstellen“, versichert er. Doch dem Vernehmen nach knirscht es gerade im Stiftungsrat gewaltig.

Gegründet wurde die Stiftung unter der Ägide von Ernst August. Dieser hatte lange beklagt, dass das Schloss seiner Ahnen für seine Familie zu kostspielig im Unterhalt sei. Schließlich hatte er die Marienburg in die Stiftung überführt. Er selbst übernahm den Vorsitz im fünfköpfigen Stiftungsrat. Die anderen Posten fielen faktisch an die Familie des Pächters Nicolaus von Schöning und an die Region Hannover. Das Land ist mit zwei Sitzen vertreten, die öffentliche Hand hat also die Mehrheit.

„Im Stiftungsrat herrschen jedoch grundverschiedene Vorstellungen darüber, wie man mit der Marienburg umgehen soll“, sagt ein Insider. Von regelrechten „Grabenkämpfen“ hinter den Kulissen ist die Rede. Das zuständige niedersächsische Kulturministerium, heißt es, habe vor allem museale und konservatorische Interessen im Blick. Pächter von Schöning hingegen wolle als Betreiber des Schlosses mit einem populären, massentauglichen Programm Geld in die Kassen bringen – auch, um zu verhindern, dass weitere Steuermittel für den Erhalt der Burg fällig werden.

Langeweile oder Disneyland?

Darf die Marienburg beim „Wintermärchen“-Spektakel also bunt illuminierte Rentiere zeigen, um zahlungskräftiges Publikum anzulocken? Sind „Gruselführungen“ für Kinder in Ordnung? Oder kann das Schloss es sich leisten, Hochkultur nur für den überschaubaren Kreis interessierter Geschichtslehrer zu bieten? Wo verläuft die Grenze zwischen kulturhistorischer Mission und Wirtschaftlichkeit? Zwischen seriöser Langeweile und Disneyland?

Auch Mohrs’ Kulturministerium erklärt, es gebe einen Konsens beim gemeinsamen Ziel, der Öffentlichkeit das Erleben der Marienburg auf Dauer zu ermöglichen, und zwar durch den Betrieb des Pächters. Der Schlosssanierung stehe nichts im Wege: „Die veranschlagten Gesamtkosten von 27,2 Millionen Euro sind nach jetzigem Kenntnisstand ausreichend“, versichert Ministeriumssprecher Sven Appel.

Landesrechnungshof warnt vor einer Kostenfalle

Der Landesrechnungshof indes fürchtet, dass die Marienburg zur Kostenfalle werden könnte. Bereits vor Monaten monierte er die „außergewöhnliche Vollfinanzierung“ bei der Sanierung – und prangerte damit im Klartext an, dass die Welfenfamilie als Alteingentümerin nichts zu den Maßnahmen beisteuert.

Die Zuständigkeiten auf der Burg, bemängelt der Landesrechnungshof, seien nicht eindeutig geklärt. So sei im Zusammenspiel von Stiftung, Pächter, Ministerium und dem Landesmuseum Hannover, das für die Restaurierung der dort untergebrachten Kunstwerke zuständig ist, nicht eindeutig geregelt, wer die künftige Dauerausstellung auf dem Schloss gestalten und bezahlen soll. Auch, wer letztlich für den Museumsbetrieb zuständig ist, sei nicht abschließend entschieden.

„Das Land sollte daher unverzüglich dafür sorgen, dass offene Zuständigkeiten geklärt werden“, heißt es im Bericht des Landesrechnungshofes. Sonst könne es irgendwann gezwungen sein, „Schloss Marienburg entweder in seine Regie zu übernehmen oder zumindest eine dauerhafte finanzielle Unterstützung zu leisten“.

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