Sarstedt - Die russischen Angriffe in der Ukraine gehen unvermindert weiter – und Sarstedt bereitet sich auf die Unterbringung Geflüchteter vor. Wie viele Menschen vor den Invasoren hier Schutz suchen werden, ist derzeit noch völlig unklar. Dass welche kommen werden, damit rechnet Bürgermeisterin Heike Brennecke jedoch. Daher schafft die Verwaltung schon jetzt gemeinsam mit Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und anderen Partnern die notwendige Infrastruktur. Es soll eine erste unbürokratische Hilfe sein, betont Brennecke. Bei der umfassenden Hilfsaktion vor Ort sind auch die Sarstedterinnen und Sarstedter gefragt. Es geht um Unterkunftsmöglichkeiten, Nahrungsmittel, Kleidung und Sanitärartikeln, aber auch Betreuung und ehrenamtliche Unterstützung.
„Jeglichen Wohnraum“
Unterkünfte: „Wir brauchen jeglichen Wohnraum“, betont Fachbereichsleiter Sven Janisch. Da die Einrichtung von Notunterkünften an zentraler Stelle vermieden werden soll, ist vom möblierten Zimmer über die freie Etage im Wohnhaus bis zur temporären Unterbringungsmöglichkeit alles gefragt. „Hauptsache die Menschen haben ein Dach über dem Kopf und sind warm und trocken untergebracht“,ergänzt Brennecke. Alle Unterkunftsangebote werden im Rathaus zusammengetragen und können dann bei Bedarf an entsprechende Kontakte vermittelt werden. Wer Immobilien zur Verfügung stellen kann, wendet sich an die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Sarstedt. Ansprechpartnerin ist Heike Laugwitz unter Telefon 0 50 66 / 805-78 oder per E-Mail an heike.laugwitz@sarstedt.de.
Ehrenamtliche Begleitung/Dolmetscher: Hilfestellung bei der Ankunft und den praktischen Fragen des Alltags koordiniert und leistet Ina Gehrmann. Doch auch die städtische Integrationsbeauftragte ist auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Dabei geht es beispielsweise um die Begleitung bei Arztbesuchen, bei Einkäufen oder sonstigen Erledigungen. Auch Dolmetscher sind gefragt, wenngleich es diesbezüglich schon erste Anrufe im Rathaus gegeben habe, wie Gehrmann berichtet. Sie ist unter Telefon 0 50 66 /805-66 oder per E-Mail an ina.gehrmann@sarstedt.de erreichbar.
Sach- und Geldspenden
Annahmestellen Sachspenden: Das Kolpingwerk Diözesanverband Hildesheim hat den Aufruf „Ukraine – Hilfe für Menschen in Not“ gestartet und als zentrale Annahmestelle den Kolping-Kleiderladen/Soziales Kaufhaus in der Holztorstraße 32 in Sarstedt benannt (die HAZ berichtete). Medikamente, Erste-Hilfe-Utensilien, Hygieneartikel, Babynahrung, Campingmaterial und Dinge des täglichen Bedarfs können dort abgegeben werden. Die Einrichtung hat montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Geflüchtete Menschen können laut Kolpings-Leitungsteam nach der Ankunft in Sarstedt direkt im Laden kostenlose Kleidung bekommen. Die Stadt Sarstedt ist bei dieser Aktion involviert und hat Lagerkapazitäten zur Verfügung gestellt – insbesondere für bereits gespendete Kleidung, die zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht primär benötigt wird. „Die Arbeit, die das Team leistet, ist phänomenal“, sagt Heinrich Albers vom Kolping-Leitungsteam. Seit zwei Tagen seien die Frauen und Männer am Organisieren, Sichten und Packen. Die erste Spendensammlung geht bereits am kommenden Dienstag in die Ukraine, berichtet Albers.
Annahmestelle für Sachspenden – nur heute: Bis heutigen Samstagmittag, 5. März, 13 Uhr, nimmt auch die Mohren-Apotheke in der Friedrich-Ebert-Straße 5 Sachspenden an, die über eine Organisation in die Ukraine gebracht werden. Benötigt werden Konserven, Babynahrung, Windeln, Decken, Schlafsäcke, Hygieneartikel.
Geldspenden: Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass auch finanzielle Spenden dringend benötigt werden, da diese zielgerichtet und flexibel eingesetzt werden können. Wer die vom Krieg betroffenen Menschen monetär unterstützen möchte, kann den gewünschten Betrag auf das zentrale Spendenkonto von „Bündnis Entwicklung Hilft“ und „Aktion Deutschland Hilft“ (IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600, BIC: COBADEFFXXX, Commerzbank, Stichwort: ARD/ Nothilfe Ukraine, www.spendenkonto-nothilfe.de) überweisen.
Treffen für alle am 7. März
Runder Tisch „Sarstedt hilft“: Die Stadt Sarstedt lädt für Montag, 7. März, 19 Uhr, zum Runden Tisch „Sarstedt hilft“ in den Stadtsaal am Wellweg ein. Ziel der Veranstaltung ist es, über die bestehenden Angebote in Sarstedt zu berichten und gemeinsam zu überlegen, welche konkreten Hilfeleistungen angeboten werden können. Eingeladen sind neben Vertretern aus Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchengemeinden, Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Netzwerken auch alle Bürgerinnen und Bürger, die helfen möchten.
Dass man sich insgesamt noch in einer frühen Planungsphase befindet, daran lässt Fachbereichsleiter Janisch keinen Zweifel: „Rechtlich ist die Situation alles andere als geklärt.“ Gerade in Bezug auf die Menge Mensch, die kommen werden, und deren Registrierung. Denn Flüchtlinge aus dem Raum der Ukraine mit biometrischen Ausweisdokument dürfen sich 90 Tage visumsfrei in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten. Und es besteht in den ersten drei Monaten des Aufenthalts keine Meldepflicht bei den Behörden in Deutschland. Um trotzdem einen Überblick zu haben, würde es die Verwaltung begrüßen, wenn sich Eingereiste freiwillig im Rathaus anmelden würden, zum Beispiel auch, wer bei Verwandten wohnt. Auch Janisch selbst steht als Ansprechpartner unter Telefon 0 50 66 / 805-75 oder per E-Mail an sven.janisch@sarstedt.de parat.
Bei Fragen melden
Wer sich in Niedersachsen befindet und länger bleiben will, soll sich grundsätzlich bei der örtlich zuständigen Ausländerbehörde melden. Dort wird dann alles weitere wegen der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis und der Gewährung von Leistungen geregelt.
„Ich bitte Sie, sich bei Fragen oder Sorgen mit uns in Verbindung zu setzen,“ sagt Bürgermeisterin Brennecke. All den hilfsbereiten Bürgerinnen und Bürgern spricht die Verwaltungschefin schon heute ihren herzlichen Dank aus.
