Dünne Personaldecke

Sarstedter Altenheime rüsten sich für weitere Pfleger-Ausfälle

Sarstedt - Die Lage ist fast unverändert, und doch müssen sich die Pflegeheime in Sarstedt, die von der Corona-Pandemie hart getroffen wurden, nach Ersatz-Pflegekräften umsehen. Sonst könnte die Lage dramatisch werden.

Die Lage ist auch im Altenheim am Sonnenkamp weiter angespannt. Foto: Jo-Hannes Rische

Sarstedt - Nach der Vielzahl an bestätigten Corona-Fällen in den Sarstedter Altenpflegeheimen St. Nicolai auf dem Kipphut und am Sonnenkamp wird die Personaldecke immer dünner. Beide Heime haben sich bereits nach Aushilfen umgeschaut, falls das eigene Personal der Lage nicht mehr Herr werden kann – denn neben den infizierten Senioren fallen auch Pflegekräfte aus.

Von Tag zu Tag überlegen

„Im Großen und Ganzen geht es bei uns“, sagt Susanne Palermo am späten Mittwochnachmittag in Bezug auf die Verfügbarkeit von Mitarbeitern. Die Leiterin des Senioren- und Pflegezentrums am Sonnenkamp schaut aber nur noch von Tag zu Tag: „Jeder Tag ohne Verluste ist ein Guter.“

So sah es allerdings am Mittwochmorgen noch nicht aus. Von ihren 75 Mitarbeitern sind weiterhin 18 in Quarantäne, 15 davon mit positiven Corona-Tests. „Gefühlt ist es allerdings die doppelte Menge, zumal die meisten sehr verunsichert sind“, sagt Palermo, die am Mittwoch vor einem weiteren Problem stand: „Zwei Pflegekräfte wollten nicht kommen, die wollten sich nicht anstecken.“

Verstärkung kommt aus Söhlde

Palermo machte sich auf die Suche. „Wir haben beim Landkreis gefragt, bei der Hygienekommission und bei der Heimaufsicht.“ Kurzfristig war allerdings kein Ersatz mehr zu beschaffen. Donnerstag sollen zwei Mitarbeiterinnen aus dem Corona-freien Heim Buddes Hof in Söhlde das Team am Sonnenkamp verstärken.

Immerhin: Von den negativ getesteten Pflegern zeige auch niemand Symptome. Bei den 32 positiv getesteten Bewohnern zeigten drei Senioren leichte Anzeichen einer Erkältung. Der Bewohnerin, die in der vergangenen Woche zuerst in ein Hildesheimer Krankenhaus gebracht wurde, gehe es indes leider gar nicht gut. Allerdings sei sie bereits vorbelastet gewesen.

Weitere Tests am 30. Oktober?

„Wir wollen am 30. Oktober noch einmal alle Negativen testen“, sagt Palermo. Allerdings müsse das noch mit dem Arzt abgesprochen werden. „Die Idee ist da, an der Ausführung wird noch gearbeitet.“ Sollten dann weitere Fälle hinzukommen, könnte die Lage laut Palermo allerdings dramatisch werden. Bis dahin heißt es abwarten. „Die Küche macht jetzt ein bisschen mehr, die Pflegekräfte bekommen die Mahlzeiten hier frei“, sagt Susanne Palermo, die ihren Angestellten in der Arbeits-Quarantäne auf diese Weise danken möchte: „Das ist gerade das Wenigste, was wir machen können.“

Auch St. Nicolai schaut sich um

Der Betreiber des Altenpflegezentrums St. Nicolai – die Diakonische Altenhilfe Himmelsthür/Bethel im Norden (DAH) als gemeinsame Gesellschafter – kompensiert die krankheitsbedingten Ausfälle unter dem Personal bislang mit Mitarbeitern aus anderen Standorten. Von dem 50 Personen starken Team sind 19 positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden und in Quarantäne. „Wir konnten Mitarbeitende aus dem Altenpflegezentrum Am Steinberg in Hildesheim, den Diakoniestationen Hildesheim und Sarstedt sowie der Diakonischen Altenhilfe Himmelsthür und Bethel im Norden gewinnen“, berichtet Florian Moitje, Referent der Diakonie Himmelsthür.

Extra-Dienste in außergewöhnlicher Situation

Darüber hinaus seien auch Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen von Bethel im Norden und der Diakonie Himmelsthür bereit, das Team in St. Nicolai zu unterstützen. „Dieses Angebot mussten wir bisher aber noch nicht in Anspruch nehmen“, so Moitje, der „allen Kolleginnen und Kollegen, die zu solcher Unterstützung bereit sind, sehr dankbar“ ist. Zudem hebt er den großen Einsatz der nicht infizierten Mitarbeiter des Altenpflegezentrums in der Lindenallee hervor, die diesen gerade zeigten. „Etliche von ihnen sind bereit, in dieser außergewöhnlichen Situation mehr Dienste zu leisten.“ Aktuell sind dort 43 Bewohner erkrankt.

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