Dumpfe Beinschmerzen zwingen Betroffene immer wieder, stehenzubleiben. Vielen ist das peinlich. Sie überspielen das Problem mit interessiertem Schaufenstergucken. Daher rührt auch der eher harmlos klingende Name der Krankheit.
Zwei Drittel der Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung. Dabei verbirgt sich hinter der Schaufensterkrankheit eine ernstzunehmende und – wenn sie unerkannt bleibt und nicht behandelt wird – auch gefährliche Erkrankung, die aufgrund von Durchblutungsstörungen im Bereich der Beine entsteht und von Gefäßspezialisten als „Periphere arterielle Verschlusskrankheit“ (PAVK) bezeichnet wird. Sie hat zur Folge, dass die Sauerstoffversorgung der Muskulatur unter der Gehbelastung nicht mehr ausreicht und die Betroffenen nach nur wenigen Schritten unter Beschwerden in den Beinen, wie beispielsweise krampfartigen Schmerzen in den Waden, leiden. Sie müssen – wie bei einem Schaufensterbummel – immer wieder Pausen einlegen.

Im Rahmen der Reihe „Themen-Donnerstag digital“, zu der das St. Bernward Krankenhaus (BK) regelmäßig einlädt, wird Prof. Dr. med. Mathias Wilhelmi, Chefarzt der Gefäßchirurgischen Klinik und Leiter des Gefäßzentrums am St. Bernward Krankenhaus, am 15. Juli ab 17.30 Uhr unter dem Titel „Schaufensterkrankheit - Blutstau in den Beinen“ erklären, wie einer PAVK bestmöglich vorgebeugt werden kann und was bei einer bereits bestehenden PAVK zu tun ist. Hier ein erster Einblick in das Thema:
Wie entstehen Durchblutungsstörungen?
Hauptrisikofaktoren für eine „Arteriosklerose“ (Gefäßwandverkalkung), eine durch Kalk- und Fettablagerungen bedingte Verengung der Blutgefäße, sind Rauchen, mangelnde Bewegung, falsche Ernährung, Diabetes, das Alter und Bluthochdruck. Darüber hinaus kann auch eine genetische Vorbelastung eine Rolle spielen.
Was sind die Symptome einer PAVK?

Die Schaufensterkrankheit durchläuft verschiedene Stadien. Zunächst sind die Arterienwände nur leicht verändert, Schmerzen treten noch nicht auf. Im zweiten Stadium kommt es zu krampfähnlichen Beschwerden und Schmerzen in den Beinen, meistens in der Wade oder im Fuß. Mit Fortschreiten der Erkrankung haben die Betroffenen selbst während Ruhephasen oder in der Nacht Schmerzen. Im vierten Stadium ist die Durchblutung der Beine so stark eingeschränkt, dass manchmal nur noch eine Amputation helfen kann.
Warum ist die Erkrankung so gefährlich?
Bei vielen Menschen mit Durchblutungsstörungen in den Beinen liegen auch Gefäßwandverkalkungen in anderen Körperbereichen vor. Denn die Arteriosklerose kann alle Arterien treffen und schädigen wie zum Beispiel die Herzkranzgefäße, das Gehirn oder die Halsschlagader, was das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich erhöht. Daher sind Vorsorge und Früherkennung besonders wichtig, Warnsignale sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Anzeichen, die auf eine PAVK hinweisen, sollte man am besten zunächst von seinem Hausarzt beziehungsweise seiner Hausärztin abklären lassen. Für spezielle, weiterreichende Untersuchungen können diese ihre Patienten dann gegebenenfalls an einen Gefäßspezialisten überweisen.
Was gibt es für Therapiemöglichkeiten?

Die Arteriosklerose, eine Art chronische Entzündung, ist zwar nicht komplett heilbar, die Ausprägung lässt sich jedoch beeinflussen. Die Art der Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der bereits vorliegenden Gefäßveränderungen und reicht von medikamentösen Maßnahmen über die Implantation von Gefäßstützen bis hin zur operativen Rekonstruktion von Gefäßabschnitten oder zur Anlage von Bypässen. Im schlimmsten Fall bleibt manchmal nur noch eine Amputation, die dank moderner Prothetik heutzutage aber nicht das Ende eines mobilen, selbstbestimmten Lebens bedeutet.
Was können Betroffene selbst tun?

An erster Stelle empfehlen die Ärzte, das Rauchen aufzugeben, der Hauptrisikofaktor für viele schwere Erkrankungen. Wichtig ist außerdem eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse und weniger Fleisch und tierischen Fetten. Übergewicht ist schlecht für das Herz-Kreislaufsystem und belastet Knochen und Gelenke. Es sollte daher reduziert werden. Ebenfalls wichtig ist eine gute Mund- und Zahnhygiene: Denn Zahngesundheit ist auch für gesunde Gefäße von entscheidender Bedeutung. Dazu sollte man mehr Bewegung in den Alltag bringen, möglichst durch Sport an der frischen Luft. Empfehlenswert ist auch ein regelmäßiges Geh- und Gefäßtraining, um die Sauerstoffversorgung in Muskulatur und Gewebe anzukurbeln.
Zum Vortrag „Schaufensterkrankheit – Blutstau in den Beinen“ am 15. Juli um 17.30 Uhr sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Aufgrund der Corona-Pandemie findet der Themen-Donnerstag digital online über Zoom statt. Dafür müssen die Teilnehmer einfach zum Veranstaltungszeitpunkt auf folgenden Link klicken:
https://zoom.us/j/92344033933?pwd=SHg0VUNzNFg0aHJzN2Vibnl1QnJYUT09
Die Veranstaltung ist selbstverständlich wie immer kostenlos.
Weitere Informationen über das St. Bernward Krankenhaus gibt es hier.
