Hildesheim - Die Schildkröte, die eine unbekannte Person am Sonntag nahe der Bischofsmühle von der Brücke mehrere Meter in die Tiefe geworfen hat, erlitt dadurch sehr schwere Verletzungen. Der Panzer ist gerissen, die Lunge verletzt, außerdem hat das Tier sehr viel Blut verloren. Es wird intensivmedizinisch von der Einumer Veterinärin Dr. Alexandra Pauck betreut. Die Tierärztin ist eine Spezialistin für Reptilien. Die Polizei sucht indes nach Zeugen, die die Tierquälerei am Sonntag beobachtet haben, damit sie den Täter oder die Täterin ermitteln kann.
Bisher keine Hinweise
Wie Polizeisprecherin Kristin Möller auf Nachfrage berichtet, sind bisher keine Zeugenhinweise bei der Polizei eingegangen. Doch die Ermittler hoffen, dass sich das noch ändern wird, weil am Sonntag etliche Spaziergänger zum Tatzeitpunkt um 14.45 Uhr in dem Bereich unterwegs waren. Währenddessen wird die Schildkröte in der Tierarztpraxis medizinisch versorgt. Es handelt sich um eine männliche sogenannte Echte Schmuckschildkröte, deren Alter Pauck auf mindestens 30 Jahre oder älter schätzt. Sicher ist auch, dass das Tier früher schon schlecht behandelt wurde. Mindestens ein Jahr, so schätzt die Expertin, habe das Tier in der Innerste gelebt. „Die Schildkröte ist stark abgemagert und weist nach dem frostigen Winter Erfrierungen an der Haut und den Gliedmaßen auf, sowie Bissverletzungen und abgestorbene Zehen“, berichtet Pauck. Zudem seien der Rücken- und der Bauchpanzer deformiert. Dies könnte von einer mangelhaften früheren Aquariumhaltung herrühren.
Infusionen und Schmerzmittel
Nachdem die Feuerwehr das schwer verletzte Tier in Einum abgegeben hatte, versorgte Pauck den kleinen Patienten umgehend mit Infusionen und Schmerzmitteln. Die Wunden wurden zudem gereinigt und der Panzer geklebt. Am Montag bekam die Schildkröte Futter über eine Sonde in den Magen. „Ich denke, dass die Schildkröte die Panzerfraktur überlebt und sich davon auch gut erholen wird“, prognostiziert Pauck. Sorgen bereiten ihr allerdings die Erfrierungen an den Zehen sowie eine alte, tiefe Bissverletzung. „Leider konnten wir aufgrund des starken Blutverlusts des Tieres aktuell noch keine Blutuntersuchung einleiten. Wenn die Laborergebnisse nicht gegen eine Narkose sprechen, folgt eine Operation an den Gliedmaßen“, erörtert die Veterinärin, die aber auch etwas Positives zu berichten weiß. „Was heute schon schön anzusehen gewesen ist, ist, dass sie sich unter der Wärmelampe sichtlich wohlgefühlt hat. Solange das Tier auf die Behandlung positiv anspricht, wird die Therapie auch fortgesetzt“, erklärt Pauck. Sie glaubt, dass die Schildkröte die Panzerfraktur überleben und sich davon auch gut erholen wird.
Mit Hammer zertrümmert
Für die Tierärztin ist diese massive Tierquälerei einer Schildkröte nicht der erste Fall. „Schildkröten schreien und wehren sich nicht“, sagt sie. Einmal brachten ihr Vertreter des Nabu eine Russische Steppenschildkröte, bei der der Rückenpanzer mit einem Hammer zertrümmert worden war. Die Täter verbuddelten das Tier anschließend im Garten. Nachbarn hatten den Vorfall jedoch beobachtet. Sie gruben das Tier wieder aus und brachten es zum Nabu – die Schildkröte lebte noch. Da aber Panzerfragmente sowie Erde in der Lunge lagen und man dies unmöglich hätte reinigen können, musste die Tierärztin das Tier einschläfern.
Panzer wieder zusammengesetzt
In einem anderen Fall lief eine kleine Echte Schmuckschildkröte bei einer Frau über den Hof, die merkte das allerdings erst, als sie mit dem Auto über die Schildkröte gefahren war. Der Panzer war wie ein Puzzle zerbrochen. „Wir bastelten den Panzer in zwei Stunden Kleinstarbeit wieder zusammen und klebten ihn“, berichtet Pauck. Da sich kein Besitzer fand, behielt Alexandra Pauck die Schildkröte. „Das ist jetzt etwa 14 Jahre her. Heute ist sie die schönste aller meiner Schildkröten, dem Panzer sieht man nichts mehr an“, sagt sie.
Zeugen, die die Tierquälerei an der Bischofsmühle beobachtet haben, werden gebeten, sich unter der Rufnummer 05121/939-115 bei der Polizei zu melden.
