Hildesheim - Der Ortsrat Stadtmitte/Neustadt will zumindest vorerst darauf verzichten, durch ein Hindernis auf Höhe der Justizvollzugsanstalt den Durchgangsverkehr in der Lucienvörderstraße zu unterbinden. Stattdessen setzen die Ortsratsmitglieder auf ein zeitweises Einfahrtsverbot an der Johannisstraße, sobald diese Ende Juli wieder freigegeben ist.
4000 Fahrzeuge mehr nach Öffnung der Johannisstraße auf der „Insel“ in Hildesheim?
Wie berichtet befürchten die Politiker und Politikerinnen, dass mit der Öffnung der Johannisbrücke für den Autoverkehr die Strecke über die Große Venedig, Lucienvörderstraße und Gelber Stern als Schleichweg genutzt wird, um die Sperrung der Dammstraße zu umgehen. Im Bereich der Insel wird mit rund 4000 zusätzlichen Fahrzeugen täglich gerechnet.
Die Verwaltung hatte daher zwei Vorschläge gemacht, um den Durchgangsverkehr zu verhindern: Der erste Vorschlag wäre eine mobile Verkehrsinsel auf Höhe der Zufahrt zum St. Bernward Krankenhaus und zum Parkhaus. Das Krankenhaus wäre weiterhin aus Richtung Neustadt und aus Richtung Lucienvörderstraße anzufahren. Auch Radfahrende und Rettungsfahrzeuge könnten passieren, Autofahrende aber nicht. Der zweite Vorschlag sieht Poller vor, die ebenfalls Rettungsfahrzeuge und Räder durchlassen, für Autos wäre aber auch das Krankenhaus nur noch aus Richtung der Insel zugänglich, nicht aus Richtung Gelber Stern.
Da beide Maßnahmen eine erhebliche Einschränkung für die Anwohnenden der Insel bedeuten, hat die CDU-Fraktion stattdessen ein zeitweises Durchfahrtsverbot von der Dammstraße in die Johannisstraße vorgeschlagen. Es soll werktags zwischen 6 und 8.30 Uhr gelten und so den morgendlichen Berufsverkehr fernhalten. Für den ausfahrenden Nachmittagsverkehr erhofft sich der Ortsrat eine abschreckende Wirkung durch eine entsprechende Ampelschaltung an der Einmündung der Johannisstraße in die Dammstraße.
Klappt das Konzept? Ortsrat will die Lage im August bewerten
Ein zeitlich begrenztes Verbot am Nachmittag erschien den Ortspolitikern nicht sinnvoll. Viele Berufstätige, die die Strecke nutzen, arbeiten im St. Bernward Krankenhaus. Die Feierabendzeiten der verschiedenen Berufsgruppen dort seien aber sehr unterschiedlich, erklärte Constantin Janzen (CDU). Er war selbst einige Jahre dort tätig.
Der Ortsrat schloss sich dem Vorschlag einstimmig an. Jasmin Weprik, Fachbereichsleiterin im Büro des Oberbürgermeisters, sagte zu, dass die Beschilderung rechtzeitig mit der Öffnung der Johannisstraße angebracht werde. Das ist voraussichtlich Ende Juli. Gelten würde das Verbot, solange die Dammstraße gesperrt bleibt.
Bis zu seiner nächsten Sitzung am 23. August erwartet der Ortsrat einen ersten Erfahrungsbericht. Sollte sich herausstellen, dass die Maßnahme nicht wirkt, weil Autofahrende das Verbot missachten, sollen die Vorschläge der Verwaltung wieder auf den Tisch kommen.
Als Nachteil der Lösung sehen die Ortsratspolitiker, dass das Durchfahrtsverbot für die Anwohnenden am Gelben Stern keine Entlastung bringen wird. Er werde sich in den Fachausschüssen für den vom Ortsrat geforderten Fußgängerüberweg einsetzen, betonte Ortsbürgermeister Tobias Eckardt (SPD). Außerdem müsse die Pflasterung verbessert werden, um den Lärmpegel zu senken, so Dirk Bettels (CDU).
