Geschäftsaufgabe

Schluss in Hildesheim: Der Spanier vom Moritzberg macht dicht

Hildesheim - Vicente Hernandez hat sein Leben lang gearbeitet, nun schließt er sein Geschäft. Warum er Kunden aus ganz Deutschland hat und wie es weitergehen soll.

Adios! Vicente Hernandez schließt nach 18 Jahren sein Geschäft auf dem Moritzberg. Der Spanier war für viele in Hildesheim eine Anlaufstelle für Feinkost von der iberischen Halbinsel. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Wie? Vicente hört auf? „Ich gehe in Rente“, sagt Vicente Hernandez dann. Freundlich mit einem Lächeln im Gesicht. Genau so wie ihn seine Kunden im El Mercado in der Dingworthstraße seit 18 Jahren kennen. Und eigentlich schon viel länger, denn der „Spanier“ ist ziemlich gut in Hildesheim bekannt und auch für viele außerhalb des Moritzberges eine feste Anlaufstelle, wenn es um Feinkostartikel geht.

So wie für „Klaus aus Köln“, erzählt der 65-jährige Hernandez , der zehn Jahre alt war, als sein Vater die Familie von Murcia bei Alicante nach Groß Düngen geholt hatte. Am 28. März 1968. Daten kann Hernandez einfach so aus seinem Gedächtnis abspulen. In der Gegend von Murcia hat der Klaus aus Köln im Urlaub Oliven gekostet und wollte sie unbedingt in Deutschland nachkaufen.

Diese Oliven gibt es nur in Hildesheim

Der Großhändler in Spanien hat ihm dann gesagt, es gibt nur einen Ort in Deutschland, wo seine Oliven zu kaufen sind: in Hildesheim bei Hernandez. Ein ganzes Regal ist voll davon. Wenn aus Murcia nachgeliefert wird, kommt gleich eine ganze Tonne Ware an: nur Oliven aller Art. Sein Kölner Kunde hat jetzt gleich 160 Gläser in Hildesheim bestellt, als er hörte, dass El Mercado dicht macht.

Wirklich dicht? Hernandez wiegt den Kopf hin und her. Er sitzt an dem kleinen Holztisch im Laden, wo Stammgäste gerne Pause für einen Kaffee oder ein paar Tapas machen. Hier hat er das ganze Geschäft im Blick: „Ein paar Anfragen habe ich schon, aber noch keine Zusage.“ Also dann: Schluss ist Ende Juli.

Wein für die Ostseeküste

Die Tür geht auf, ein Kunde kommt. Von der Ostseeküste. Der Hildesheimer lebt seit ein paar Jahren dort, kauft seinen Wein aber immer wieder im El Mercado ein. Immer wieder kommen andere und gehen gezielt zu den Regalen. „Alle wissen genau, was sie hier wollen“, sagt Hernandez. Und seit seiner Eröffnung am 2. Juli 2005 hat er so gut wie nix im Laden umgeräumt. Nur ein Regal, das mitten im Laden stand, ihm aber die Sicht auf die Kunden genommen hatte, vor allem damals auf die Ladendiebe.

Doch die Zeiten sind vorbei. Er kennt seine Kunden, kann sie gut einschätzen. Und bleibt dabei immer freundlich. Als dann sein Bäckereilehrmeister Konrad Lenz in den Laden tritt, hellt sich sein Gesicht noch mehr auf. Bei ihm hat Hernandez 1974 seinen ersten Beruf gelernt und dort 14 Jahre gearbeitet, bis er 1988 bei seinem Bruder im Lokal Hispano Tex angefangen hat. Dann verschlug es ihn in die Bau- und Immobilienbranche bis zur Insolvenz seines Arbeitgebers. Und dann folgte der Sprung in die Selbständigkeit.

Kindheit in Groß Düngen

Hernandez sprudelt nur so über vor Geschichten aus seiner Kindheit in Spanien und dann in Groß Düngen, seiner Irritation, dass deutsche Kinder um 18 Uhr zuhause sein mussten zum Abendbrot, während seine Geschwister und er munter weiterspielen wollten: „Bei uns können Kinder bis 22 Uhr etwas zu essen bekommen.“ Doch er ist längst mit den Sitten und Gewohnheiten hierzulande heimisch geworden. Dafür bietet er eben aus seiner Geburtsheimat Leckerbissen in fester und flüssiger Form an. Auch bei regelmäßigen Weinproben. Das hat nun ein Ende. Aber als Paella-Koch will er weitermachen. Auch wenn es doch noch einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin geben sollte, würde er von Zeit zu Zeit einspringen. Aber er wird sich nun vor allem seiner Familie und seiner Tennisleidenschaft widmen. Er hofft aber auf eine Nachfolge. Zur Not hat er sich aber auch selber schon 60 Gläser mit Oliven beiseite gestellt. Zur Überbrückung der Wartezeit.

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