Kreis Hildesheim - Schnelltests auf das Coronavirus – ob professionell oder per Selbsttest – spielen im Kampf gegen die Corona-Pandemie eine immer größere Rolle. Doch was sollen Betroffene tun, wenn ein solcher Test positiv ausfällt – vor allem am Wochenende oder jetzt vor Ostern?
Diese Frage stellten sich zuletzt auch Detlef Holtmann (Name geändert) und seine Familie. „Zur Vorbereitung einer kleinen Geburtstagsfeier im Familienkreis haben wir uns mit einem Schnelltest auf Corona gecheckt. Leider fiel ein Schnelltest positiv aus“, berichtet er. Das sei an einem Freitag um 16 Uhr gewesen. Doch diese Information an die richtige Stelle zu bringen und den vorgeschriebenen PCR-Test zur Verifizierung des Schnelltests zu machen, habe sich als äußerst schwierig erwiesen.
Diagnose-Lücke von bis zu fünf Tagen?
„Da zu diesem Zeitpunkt alle Arztpraxen geschlossen waren , riefen wir bei der 116 117 an. Dort konnte uns kein Arzt für einen PCR-Test vermittelt werden“, berichtet Holtmann. „Auch Anrufe bei der Leitstelle Hildesheim, den Krankenhäusern sowie den Testzentren waren nicht zielführend.“ Erst am Montag sei eine Testung beim Hausarzt möglich gewesen. „Es trat offen zu Tage, dass nach Ende der Öffnungszeiten der Arztpraxen für Erkrankte keinerlei Möglichkeit einer klinischen Testung besteht“, moniert Holtmann.
Es gebe sozusagen eine Diagnose-Lücke von bis zu fünf Tagen, da die positiv getestete Person ja am Donnerstag oder Freitag wiederum weitere Kontaktpersonen gehabt haben könnte, die dann frühestens am Montag kontaktiert würden.
Selbst in Quarantäne begeben
Das will Dr. Petra Lattmann, Bezirksvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), so auf keinen Fall stehen lassen: „Menschen, deren Schnelltest am Wochenende positiv ausfällt, sollen sich selbst in Quarantäne begeben und sich am Montagmorgen telefonisch beim Hausarzt melden.“
Wer Symptome habe, könne über die Nummer 116117 am Wochenende einen PCR-Abstrich über den Bereitschaftsdienst der KVN bekommen. „Da der Fahrdienst für kranke Menschen da ist, können wir dies nicht für asymptomatische Patienten anbieten“, betont Lattmann. Für kritisch Kranke seien rund um die Uhr die Krankenhäuser über den Rettungsdienst erreichbar.
An den Ostertagen verhält es sich etwas anders. Ab Freitag, 2. April, hat bis Ostermontag täglich eine Praxis im Landkreis vier Stunden Abstrich-Sprechstunde. Welche Praxis das ist und zu welchen Zeiten, erfahren Betroffene über die 116117. So war es auch schon über Weihnachten.
Abstrichpraxen auch Samstag im Dienst
An normalen Wochenenden seien bei Bedarf unter www.arztauskunftniedersachsen.de Praxen zu finden, die auch am Freitagnachmittag geöffnet sind, ergänzt Lattmann: „Dort kann man Auskunft bekommen und für Samstagmorgen an eine Abstrichpraxis verwiesen werden, aber auch dort haben Patienten mit Symptomen Priorität.“
Das Problem einer Diagnose-Lücke weist Lattmann zurück. „Kontaktpersonen der ersten Kategorie sind Personen, mit denen man mehr als 15 Minuten ungeschützt mit weniger als anderthalb Metern Abstand Kontakt hatte“, erinnert sie. Das könne es derzeit eigentlich nur im eigenen Haushalt oder im engen familiären Umfeld geben, so dass die Nachverfolgung nicht so schwer sei.
Auch Kontaktpersonen sollten sich isolieren
In einem Fall wie dem von Detlef Holtmann geschilderten rät sie deshalb, alle Beteiligten sollten über das Wochenende zu Hause bleiben. Zudem könnten sie eventuelle Kontaktpersonen des positiv Getesteten informieren, diese sollten sich dann ebenfalls möglichst schon übers Wochenende isolieren.
„Es sind unglaublich viele Strukturen und Angebote erarbeitet worden, um die Pandemie einzudämmen, aber alle, die dafür arbeiten, sind auch nur Menschen, bittet Lattmann um Verständnis. „Menschen mit den gleichen Ängsten und Sorgen wie alle Bürger – und der Hoffnung, dass die Pandemie bald ein Ende hat!“
