Hildesheim - Eine Frau steht am Donnerstagvormittag mit einem Kinderwagen vor den Garagen in der Heinrichstraße, zusammengeklappten Karton in der Hand haltend. Sie blickt sichtlich irritiert auf den Platz hinter dem einstigen Gesundheitsamt, wo bis vor wenigen Tagen noch ein Containerstandort war. Dort steht nun aber nur noch ein Altkleidercontainer, die für Altglas und -papier hat die Stadt Hildesheim jüngst allesamt entfernt. Der Standort in der Heinrichstraße ist bei Weitem nicht der erste, der in den vergangenen Jahren entweder in Teilen oder sogar in Gänze aufgelöst wurde, wie Rathaussprecher Helge Miethe auf Anfrage mitteilt – sondern bereits der neunte.
Demnach sind neben dem Standort in der Heinrichstraße auch die Container in der Treuburger Straße, der Senkingstraße und dem Butterborn vollständig verschwunden. Im Fall des Butterborns Ecke Lüntzelstraße begründete die Stadt den Abzug im Januar mit der starken Verschmutzung des Orts: „Die führte zu einer erheblichen Verschlechterung des Erscheinungsbildes im unmittelbaren Umfeld des Bahnhofs“, sagt Miethe. Mitunter sei illegalerweise Sperrmüll an den Containern abgelagert worden, der ZAH habe daher zu viel Zeit und Mühe zur Reinigung und Instandhaltung des Platzes aufbringen müssen.
Boden in der Heinrichstraße abgesackt
Die Container in der Treuburger Straße auf der Marienburger Höhe sind dagegen laut des Stadtsprechers wegen des letzten Umbaus der Straße verschwunden: „Es bestand keine ausreichende Anfahrbarkeit für die Entleerungsfahrzeuge.“ In der Senkingstraße wurden wiederum die Altglascontainer auf dem früheren Real- und jetzigen Marktkauf-Parkplatz entfernt – nach dem Inhaberwechsel sei eine Nutzung der privaten Fläche für die Stadt nicht mehr möglich gewesen, sagt Miethe. Und in der Heinrichstraße führt die Stadt den Boden als Grund an, weswegen sie den Platz aufgelöst hat. Das Pflaster sei allen Bemühungen zum Trotz immer wieder abgesackt, sodass der Untergrund keine Container mehr tragen könne.
In zwei weiteren Fällen wurden laut Miethe lediglich Teile der Container entfernt: in der Rudolf-Diesel-Straße die für Altpapier und Altglas und in der Goslarschen Landstraße die für Altpapier. Der Standort in der Rudolf-Diesel-Straße sei, ebenso wie der im Butterborn, zu häufig stark vermüllt gewesen. Auch habe der ZAH keine Notwendigkeit für die Altpapiercontainer mehr gesehen, da im umliegenden Stadtteil genügend blaue Tonnen vorhanden seien. Auch in der Goslarschen Landstraße sei dies der Fall gewesen.
Drei Standorte temporär aufgelöst
Drei weitere Standorte sind überdies aktuell nur auf Zeit aufgelöst. In der Ehrlicherstraße sind die Glascontainer der gbg-Baustelle und den temporären Verkaufscontainern gewichen. Im Ulmenweg, wo jüngst eine Großbaustelle der SEHi startete, sind wiederum die beiden Containerstandorte nahe der Straße An den Vier Linden und der Ernst-Ohlmer-Straße wegen der Arbeiten und Straßensperrungen aus der Straße verschwunden.
Laut des Stadtsprechers prüfe die Verwaltung bei jedem entfernten Container, ob sie diesen nicht in der umliegenden Nachbarschaft neu aufstellen könne. Dabei sei allerdings wichtig, dass genügend Platz für die Container vorhanden ist, dass sie nicht zu nahe an Wohnhäusern stehen und dass Entleerungsfahrzeuge leicht zu ihnen gelangen können. „Dies war in den genannten Fällen und auch in der Heinrichstraße nicht gegeben“, sagt Miethe. Die Auflösung sei daher alternativlos gewesen.
116 Standorte für Container verbleiben
Eine gesetzliche Vorgabe darüber, wie viele Container in einem Quartier vorhanden sein müssen, gebe es derweil nicht. „Allgemein empfohlen wird derzeit ein Standplatz für circa 1000 Einwohner“, so Miethe. Diese Zahl soll sich voraussichtlich sogar noch auf rund 500 Menschen verkleinern. Eine Empfehlung, die laut Miethe in Hildesheim aber kaum zu erreichen sein wird – dafür fehle es schlicht an Platz: „Die Neueinrichtung von Containerstandplätzen in einem teilweise eng bebauten Stadtgebiet ist somit nicht immer möglich.“
Aktuell gibt es nach Angaben der Stadt 116 Standorte für Wertstoffcontainer in Hildesheim. Eine Übersicht gibt es im digitalen Geoportal. Einige der zuletzt aufgelösten Standplätze sind dort allerdings noch immer angezeigt.

