Bad Salzdetfurth - Wer einen Garten mit vielen Blumen hat, bietet zahlreichen Insekten Lebensraum. Irmgard und Peter Spilker aus Bad Salzdetfurth haben so einen Garten, mit Stauden, Obstbäumen, Gemüsebeet und Wildblumenwiese. Doch was Irmgard Spilker jetzt erlebte, jagte ihr einen gehörigen Schrecken ein. Denn beim Gang über ihr Grundstück fand sie sich plötzlich inmitten eines riesigen Bienenschwarms wieder. Schnell brachte sie sich in Sicherheit.
Riesige schwarze, summende Wolke
Von der Terrasse aus beobachtet Irmgard Spilker anschließend, wie eine schwarze, summende Wolke einen Apfelbaum ansteuert und sich dort zu einer Traube am Stamm formiert. Die Bad Salzdetfurtherin wählt die Nummer vom Imkerverein Marienburg, der in Bad Salzdetfurth den Lehrbienenstand betreibt. Georg Hertle, der zweite Vorsitzende des Vereins, erklärt der Anruferin, dass es sich um schwärmende Bienen handelt und sagt zu, das Volk abzuholen.
In diesem Jahr schwärmen die wie irre
Als Hertle wenig später im Garten von Irmgard und Peter Spilker steht, staunt auch er: „Das sind sicher 50.000 Tiere.“ Dass Bienen schwärmen, ist an sich nichts Ungewöhnliches. „Aber in diesem Jahr schwärmen die wie irre“, sagt er. Im kalten Frühjahr haben sich die Insekten gut entwickelt und die kühlen Nächte bekommen den Bienen ebenfalls gut. Außerdem sei es bisher nicht so trocken wie in den Vorjahren gewesen.
Viele Völker schwärmen
Zum Schwärmen brechen Bienen mit einer Königin auf, um ein neues Volk zu gründen. So vermehren sie sich. Bevor die Insekten sich auf den Weg machen, saugen sie ihren Honigmagen voll, um auf ihrer Reise – also der Suche nach einer neuen Bleibe – nicht zu verhungern. 0,01 Gramm Honig kann eine Biene aufnehmen. „Da können schon drei Kilogramm Honig zusammenkommen, die dem Imker dann fehlen“, erklärt Hertle, während er unter dem Apfelbaum steht.
Ob die Bienen sich niederlassen, ist eine sehr demokratische Entscheidung
Spurbienen sind im Volk dafür zuständig, eine gute Bleibe für das neue Volk auszukundschaften. Um das Volk zu überzeugen, dass der gewählte Platz ideal ist, schwirren die einzelnen Tiere. Ob sie sich dort niederlassen, entscheidet dann die Mehrheit. „Das ist eine sehr demokratische Entscheidung“, erklärt der Imker. Offenbar haben einige Spurbienen mit dem Standort im Spilkerschen Garten den Geschmack der anderen getroffen.
Mit Wasser besprühen
Hertle setzt seinen Imkerhut auf und steigt die Leiter empor. Während Peter Spilker die Leiter stützt, sprüht der Imker die Bienen mit Wasser ein. Dann können sie nicht mehr fliegen. Hertle klopft die Bienen vorsichtig vom Baumstamm, so dass die Tiere in einen Eimer fallen. Mit schwerer Bienenlast steigt der Upstedter von der Leiter. Auf dem Boden breitet er ein weißes Laken auf und stellt darauf eine hölzerne Schwarmfangkiste. Sofort beginnen die Bienen in die Schlupflöcher, ins Dunkle, zu kriechen. Eine Gefahr geht von den Tieren nicht aus. In der Schwarmsituation sind sie besonders friedfertig, schließlich müssen sie ihr Futter auch nicht verteidigen.
Geruch der Königin hält die Gruppe zusammen
Hertle ist seit 2002 Imker und weiß, dass der Geruch der Königin die riesige Gruppe zusammenhält. Sie ist die Einzige, die Eier legen kann. Dennoch, so der Fachmann, würden die Insekten ihre Königin nicht verteidigen, sondern lediglich das Futter.
Hertle schaut hoch in den Apfelbaum. Dort hat sich schon wieder eine Bienenkugel am Stamm gebildet. Es summt im Baum und auch auf dem Laken, als ob ein Motor läuft. Der Imker mutmaßt, dass mehrere Königinnen mit diesem Schwarm unterwegs sind. Erneut steigt er hinauf und wiederholt die Prozedur. Wenn es dunkel ist, und das Gros der Insekten in die Schwarmfangkiste gekrabbelt sind, holt er die Bienen und bringt sie zum Lehrbienenstand. Dort werden sie einem der auszubildenden Neu-Imker zur Verfügung gestellt.
Hilfe holen
Wer einen Bienenschwarm im Garten findet, sollte sie nicht selbst vertreiben oder die Tiere gar bekämpfen, sondern einen Imker oder einen Imkerverein kontaktieren.

