Hildesheim - Die Kulturfabrik steht vor einer ungewissen Zukunft. Im Gespräch mit der HAZ rechnet das Geschäftsführungs-Duo Stefan Könneke und Jana Kegler vor: Für 2024 wird eigentlich ein städtischer Zuschuss von einer halben Million Euro benötigt. Bewilligt hat der Rat aber nur eine Förderung in Höhe von 320.000 Euro.
„Allein die Energiekosten sind um 75.000 Euro jährlich gestiegen, das wurde durch nichts kompensiert“, sagt Stefan Könneke. Die bundesweite Erhöhung des Mindestlohns mache sich ebenfalls bemerkbar, vor allem bei den Honorarkräften in Bereichen wie Security, Thekendienst oder Projektorganisation. „Und die allgemeine Inflation hilft natürlich auch nicht“, so Jana Kegler. Ausbaden müssten das die Mitarbeitenden. Ab März, so Könneke, werden die Mitarbeitenden der Kufa nur noch auf 71 Prozent des Lohns kommen, der in vergleichbaren Stellen tariflich gezahlt wird.
50.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr
Die Kulturfabrik sieht sich in einer Liga mit soziokulturellen Zentren wie dem Pavillon in Hannover, der Brunsviga in Braunschweig und dem Musa in Göttingen. Dort betrage die städtische Förderung jeweils ein Drittel des Etats. Die Kufa hat ein jährliches Haushaltsvolumen von 1,5 bis 1,6 Millionen Euro, müsste demnach 500.000 Euro erhalten.
Die Leitung des Hauses sieht eine große Diskrepanz zwischen den Finanzen und der Bedeutung der Kufa. Im Jahr 2023 seien 50.000 Besucherinnen und Besucher bei Konzerten, Partys, Workshops und Festivals gezählt worden – inklusive der Besucherinnen und Besucher von Stadtteil-Projekten. Damit bewege man sich auf dem Niveau des Theaters für Niedersachsen, sagt Könneke und folgert daraus: „Wir sind eines der größten Kulturhäuser in der Region.“ Hinzu komme eine starke Netzwerkarbeit, regional, landes- und bundesweit.
Aus Politik und Verwaltung sei der Rat gekommen, die Kufa solle sich auf ihr „Kerngeschäft“ kümmern, die Arbeit im Haus. Die Angebote in der Kufa und die gemeinwesenorientierte Arbeit in den Stadtteilen seien aber nicht voneinander zu trennen, sagt Jana Kegler: „Das ist die Identität der Kufa.“ Ein Aufgeben komme nicht in Frage, ergänzt Könneke. Darauf wiederum Kegler: „Ich hätte aber gerne weniger schlaflose Nächte.“
Falsche Förderpolitik?
An der Hildesheimer Kulturpolitik stört die beiden nicht zuletzt, dass zu sehr auf Struktur- und Projektförderungen gesetzt werde. Dieses Geld fehle einerseits für institutionelle Förderung. Andererseits trage es dazu bei, dass sich unnötige Doppelstrukturen in der Kulturszene bilden.
Lene Wagner, Leiterin der Stabstelle Kultur der Stadt Hildesheim, wundert sich über die Kritik. Die Strukturförderung sei dazu gedacht, Basisarbeit zu ermöglichen – was die freie Szene sich immer wieder gewünscht habe. Wagner: „Ich sehe da nicht das Potenzial für Doppelstrukturen.“ Und 121.500 Euro an jährlichen Projektgeldern seien angesichts der Vielzahl der Anträge auch nicht zu üppig bemessen.
Und schließlich zum Vorwurf, man habe der Kufa geraten, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren: So etwas würde sie definitiv nicht sagen, betont Lene Wagner: „Wir machen da keine Vorgaben. Die Einrichtungen sind ziemlich frei, was sie mit dem Geld der Stadt machen. Letztlich muss sich aber jede Einrichtung fragen: Was kann ich damit leisten?“


