Bauarbeiten

Hildesheimer Moschee soll zwei Minarette bekommen

Hildesheim - Die Hildesheimer Selimiye-Moschee soll zwei Minarette bekommen. Was die Gemeinde genau plant – und wie sie sich bald der Öffentlichkeit präsentieren will.

Die Ditib-Selimiye-Moschee am Kennedydamm ist an der Vorderseite eingerüstet: Dort werden zwei Minarette errichtet. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die türkisch-islamische Gemeinde in Hildesheim erfüllt sich nach mehr als 30 Jahren einen Herzenswunsch. Seit dieser Zeit ist sie als religiöses Zentrum für Menschen islamischen Glaubens aktiv. Zunächst mit einem Sitz am Bischofskamp – also eher abgelegen. Seit Ende 2020, deutlich sichtbarer, am Kennedydamm, als die Gemeinde das leerstehende Gebäude des Medimax-Marktes übernommen und zu ihrer neuen Moschee ausgebaut hat. Nun künden zwei stählerne Baugerüste vom nächsten Schritt: Die Moschee wird als Glaubensort- und Glaubensgebäude sichtbarer – die Gemeinde errichtet zwei Minarette an der Fassade.

Schon zum Einzug im November 2020 warb Vorstandsmitglied der Gemeinde und Pressesprecherin Melanie Gündüz dafür, dass sich die Selimiye-Gemeinde als sichtbarer Beitrag zur kulturellen Vielfalt in Hildesheim erweisen möchte. Deswegen lädt sie auch dieses Jahr am 3. Oktober zu einem Tag der offenen Moschee ein – um sich vorzustellen und allen Fragen zu stellen. Ein Angebot, das bereits in den vergangenen Jahren gut genutzt wurde.

Tag der offenen Moschee

„Die Moschee gehört in Deutschland längst zum Stadtbild“, zeigte sich Gündüz von Anfang an überzeugt. Sie verweist damit auch auf eine jahrzehntelange Tradition in Deutschland, nachdem seit den 1960er Jahren unter anderem Menschen aus der Türkei als Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen vom Staat angeworben worden sind, um den Arbeitskräftemangel zu beheben. Was damals noch temporär geplant war, ist längst zur Realität geworden.

Migrantenfamilien aus der Türkei sind in Hildesheim längst heimisch geworden, ihre Kinder leben mit deutschen Pässen bereits in der dritten Generation hier. Für diejenigen, die einen Ort für ihren islamischen Glauben suchen, werde es nun in Kürze ein Gebäude geben, das zumindest den religiösen Charakter einer Moschee nach außen präsentiert: das Minarett.

2800 Gemeinden in Deutschland

Von den rund 2800 Moscheegemeinden in Deutschland, die unter anderem in Kulturzentren untergekommen sind, gibt es nur 350 Gebäude, die zwei Merkmale islamischer Gebetsstätten aufweisen – das Minarett und eine Kuppel. Mit dem Minarett reiht sich nun der Bau am Kennedydamm mit ein, aber eine Kuppel wird es auf dem Industrieflachbau wohl nicht geben.

Dabei knüpft der Name der Selimiye-Moschee an die gleichnamige Moschee in Edirne im Westen der Türkei an, einem Bau, der als ein Höhepunkt der osmanischen Architektur gilt.

Präsenz zeigen

Gündüz setzt darauf, dass es ihrer Gemeinde auch weiterhin gelinge, sich als offener Kultur- und Sozialpartner im Gefüge Hildesheims zu bewähren. Dass das auch mit sichtbarer Präsenz funktioniert, zeigt unter anderem das Beispiel der Moscheegemeinde in Duisburg-Marxloh, die größte Moschee in Deutschland. Dort ist die Gemeinde fester Bestandteil des regionalen Lebens geworden ist.

Am 3. Oktober wird die Gemeinde ihren Gästen Fragen zu ihren Plänen beantworten, auch zu ihrer besonderen Stellung als Ditib-Gemeinde, die direkt dem staatlichen Präsidium für religiöse Angelegenheiten der Türkei unterstellt ist und damit letztendlich auch dem jeweiligen Staatspräsidenten.

Prominente eingeladen

Gündüz kündigt außerdem an, dass in naher Zukunft unter anderem mit dem Dachverband, der Konsulin aus Hannover, dem Hildesheimer Oberbürgermeister und Vertretern anderer Glaubensgemeinschaften, mit denen die Selimiye Moschee eng verbunden ist, zu einer weiteren öffentlichen Veranstaltung eingeladen wird: „Unser Projekt fördert nicht nur die Religionsfreiheit, sondern auch den interkulturellen Dialog und stärkt die Integration stärkt. Es ist ein Zeichen dafür, dass unsere Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger offen steht, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit.“

Der Tag der offenen Moschee am 3. Oktober ist in der Zeit von 11.30 bis 14.30 Uhr.

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