Hoheneggelsen - Neues Kapitel in der unendlichen Geschichte um das krisengeplagte Seniorendomizil Hoheneggelsen: Es werde zum Ende des Jahres schließen, dies erfuhren Mitarbeiter und Bewohner in der vergangenen Woche. Roland Hecker, der das Heim seit zwei Jahren als Liquidator für die Firma Kollmeier führt, bestätigte das auf Nachfrage der Hildeshemer Allgemeinen Zeitung. Doch diese Aussage ist falsch, so der Eigentümer der Immobilie, Uwe Kuhnle. Die Firma Kollmeier verlasse das Haus aufgrund einer Räumungsklage. In der kommenden Woche will Kuhnle in Hoheneggelsen den neuen Betreiber der Senioreneinrichtung vorstellen. Es handelt sich um die Firma Theresienhof GmbH von Sabrina Kirschbaum aus Bodenburg. Seit Jahren liefern der Betreiber der Senioreneinrichtung und der Eigentümer der Immobilie sich einen Rechtsstreit. Bereits 2018 stand schon einmal die Schließung des Hauses im Raum.
Befürchtung des Eigentümers
Für Inhaber Uwe Kuhnle bewahrheitet sich mit der Meldung aus Hoheneggelsen, was er schon seit 2018 befürchtet. Schon vor drei Jahren äußerte er die Vermutung, dass die Heimbetreiber die Senioreneinrichtung so herunterwirtschaften würden, dass das Haus für andere Heimbetreiber nicht mehr interessant sei. „Seit zwei Jahren nehmen die Kollmeiers keine neuen Bewohner mehr auf“, sagt Kuhnle. Tatsächlich ist die Zahl der Senioren im Haus von 130 auf 35 gesunken. Fakt ist ebenfalls die große Fluktuation der Mitarbeiter, von denen einige nach dem Ausscheiden einen Rechtsbeistand einschalteten.
Bewohnern Hilfe angeboten
Hecker erklärte nun, dass wegen der bevorstehenden Schließung noch in dieser Woche die ersten Senioren ausziehen werden. Das Unternehmen werde den anderen Bewohnern bei der Suche nach neuen Unterkünften zur Seite stehen und mit dem Hausmeisterteam auch bei Umzügen unterstützen, kündigte er an. Auch dem verbliebenen Personal solle bei der Suche nach einem neuen Job geholfen werden.
Neue Betreiberin
Doch Sabrina Kirschbaum als neue Betreiberin will Personal und auch die Bewohner offenbar halten. „Wir sind seit 2020 bereits mit Herrn Kuhnle in Kontakt und haben wenig später auch der Heimaufsicht mitgeteilt, dass wir das Heim in Hoheneggelsen übernehmen wollen“, erklärt Jan Kirschbaum, der in Almstedt und Bodenburg bereits Senioreneinrichtungen betreibt. Die alten Menschen müssten sich kein neues Zuhause suchen, so Kirschbaum. Seine Frau wolle das Haus für 100 Senioren einrichten und betreutes Wohnen anbieten. Kuhnle plane daher auch den Bau von 30 Einheiten für betreutes Wohnen auf dem Gelände. Sobald Kollmeier, Kuhnle bedient sich an dieser Stelle zur Umschreibung des aktuellen Betreibers eines aus dem Tierreich entlehnten Schimpfwortes, das Haus geräumt habe, werde die Sanierung beginnen.
5,4 Millionen Euro Schulden?
Kuhnles Angaben zufolge schulde das Unternehmen Kollmeier ihm 5,4 Millionen Euro, da die Heimbetreiber ihm seit Jahren keine Miete überweisen. Grund für die ersten Kürzungen seien Mängel im Gebäude gewesen. Nach und nach seien die Zahlungen dann aber komplett eingestellt worden. Hecker erklärt, das Geld sei auf ein Rückstellungskonto eingezahlt worden. Mit dem Geld seien Sanierungsarbeiten, etwa die Reparatur der Heizung, bezahlt worden.
Laut Definition ist ein Liquidator derjenige, der die Geschäfte einer Gesellschaft abwickeln soll. Hecker habe seine Aufgabe jedoch darin gesehen, das Unternehmen fortzuführen, ja sogar auszubauen, wie er sagt. Kuhnle indes bezweifelt dies, da Hecker ein Freund der Familie Kollmeier sei.
Gravierende Mängel
„Das Drama ist die Uneinsichtigkeit des Herrn Kuhnle“, entgegnet Hecker. Der Eigentümer schere sich nicht um den Brandschutz. Die Mängel seien mittlerweile so gravierend, dass es nicht möglich sei, den Bewohnern ein sicheres Zuhause zu bieten. Der Eigentümer erklärt indes, dass er festgestellte Mängel im Wert von 180.000 Euro behoben habe. Trotz der hohen ausstehenden Schulden habe er nun eine Sicherheitsleistung 850.000 Euro für die Räumung der Hohenggelser Immobilie bei der Landgerichtskasse hinterlegt.
Seit fünf Jahren liegen die Parteien bereits vor Gericht. Ein Ende des Verfahrens ist bisher nicht abzusehen. Beide Parteien überziehen sich mit Vorwürfen. Lediglich für die Zusammenarbeit mit der Heimaufsicht des Landkreises hat Hecker ein Lob übrig. Die Behörde äußerte sich auf Anfrage zu der aktuellen Entwicklung allerdings nicht. Und auch Roland Hecker war für weitere Nachfragen zur angeblichen Schließung nicht mehr zu erreichen.
Wie können die Betreiber des Seniorendomizils den Senioren nur solche Angst machen? – ein Kommentar von HAZ-Redakteurin Andrea Hempen
Sobald die bisherigen Betreiber das Haus verlassen haben, soll die Sanierung beginnen, erklärt Kuhnle. Kirschbaum erklärt, dass die Versorgungsverträge längst aufgesetzt seien, denn die Räumung habe schon im Frühjahr erfolgen sollen.
Am Dienstag, 12. Oktober, um 17 Uhr, wollen Kuhnle und Kirschbaum über ihr Angebot in Hoheneggelsen öffentlich informieren. Eine Örtlichkeit stehe noch nicht fest, die Gespräche mit der Gemeinde liefen aber.
Das Unternehmen Kollmeier betreut auch weiterhin im Landkreis Senioren. 2022 wird es eine Wohnanlage im Sibbesser Neubaugebiet eröffnen. Im Sibbesser Bürgerpark bietet Wettbewerberin Sabrina Kirschbaum bereits betreutes Wohnen an.
