Ausflugsziel

Sicherheit nicht gewährleistet: Schloss Marienburg ab sofort in weiten Teilen für Besucher gesperrt

Nordstemmen - Aus Sicherheitsbedenken ist das Schloss Marienburg bei Nordstemmen für Besucher ab sofort gesperrt. Trotzdem gibt es noch Programm rund um das Welfenschloss.

Schloss Marienburg ist ab sofort in weiten Teilen gesperrt. Foto: Chris Gossmann

Nordstemmen - Eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Region Hildesheim ist ab sofort in weiten Teilen gesperrt: „Leider mussten wir die Museumsräume kurzfristig schließen“, sagt Nicolaus von Schöning, Pächter der Marienburg. Weil ein neues Gutachten Sicherheitsbedenken sieht, ist ein Betreten des gesamten Südflügels derzeit untersagt.

Da sich Stuckdecken abgesenkt hätten, habe die Stiftung Schloss Marienburg Bauteile öffnen lassen, erklärt Julia Streuer, Sprecherin des niedersächsischen Kulturministeriums. „Dabei wurde in Teilen der Dachkonstruktion Hausschwamm festgestellt.“ Bereits im Jahr 2014 hatte ein Gutachten den Pilz im Schloss nachgewiesen.

„Dieser hat sich seither weiterentwickelt“, sagt Streuer. „Die Sicherheit ist in einigen Teilen des Gebäudes nicht gewährleistet.“ Um zu verhindern, dass Personen zu Schaden kommen, habe jeder Besucherverkehr in den historischen Wohn- und Repräsentationsräumen des Welfenschlosses eingestellt werden müssen.

„Sicherheit hat Priorität“

Unter anderem sind damit der Rittersaal und die Bibliothek gesperrt, Führungen im Inneren des Schlosses fallen folglich vorerst flach. „Unser Museumsshop, der Innenhof und das Café sind weiterhin geöffnet“, betont Pächter Nicolaus von Schöning. „Wir machen derzeit Außenführungen durch den Wald und die Gartenanlagen.“

Er habe sich für diese drastische Maßnahme entscheiden müssen, weil eine Schließung des Schlosses durch die Bauaufsicht der Region Hannover gedroht habe, sagt von Schöning. Diese habe ihm eine Frist von wenigen Tagen gesetzt, um sich zu den im Gutachten skizzierten Bedenken zu äußern. Die Zeit sei zu knapp gewesen, um Fachleute mit einer Prüfung für ein mögliches Gegengutachten zu beauftragen. „Die Sicherheit unserer Besucher hat für uns natürlich absolute Priorität“, betont von Schöning.

Die Schließung dürfte den Pächter, der auf Einnahmen aus dem Schlossbetrieb angewiesen ist, hart treffen. Sie erfolgt in einer Zeit turbulenter Auseinandersetzungen: Um das Profil des Schlosses schwelt seit Jahren ein Grundsatzkonflikt zwischen der öffentlichen Hand auf der einen Seite und dem Pächter auf der anderen.

Streit um Profil des Schlosses

Der langjährige Eigentümer der Marienburg, Ernst August von Hannover junior, hat das im Unterhalt kostspielige Anwesen vor einigen Jahren in eine Stiftung überführt. Im fünfköpfigen Stiftungsrat sind neben ihm selbst noch die Familie des Pächters, die Region Hannover sowie mit zwei Sitzen das Land Niedersachsen vertreten. Während von Schöning mit populären Veranstaltungen Geld in die Kassen bringen will, setzt vor allem das Land auf einen betont seriösen Museumsbetrieb.

Bei dem Konflikt geht es auch um die Frage, ob die Marienburg finanziell langfristig am Tropf der Steuermittel hängen muss. Der Landesrechnungshof hat bereits moniert, dass die geplante Großsanierung der Burg das Land teuer zu stehen komme. Bund und Land haben bereits vor Jahren zugesagt, insgesamt rund 27 Millionen Euro für die Sanierung des Schlosses beizusteuern, das Hannovers letzter König Georg V. um 1860 errichten ließ.

Bauarbeiten haben noch nicht begonnen

Die Bauarbeiten haben noch immer nicht begonnen. Doch mittlerweile sei der Zuschlag für die Generalplanung des Großprojekts an ein Unternehmen erfolgt, sagt Ministeriumssprecherin Streuer.

Wie lange die schmucken Museumsräume gesperrt bleiben, ist derzeit noch unklar. Ein Gegengutachten könnte womöglich Entwarnung geben, zumal der Schwamm im Dachbereich aufgetreten ist, wo es bislang kaum Besucherverkehr gab – doch ob es ein solches geben wird, ist ebenfalls ungewiss. Pächter von Schöning wirbt gleichwohl für einen Besuch des Schlosses: „Die Marienburg ist auch von außen ein tolles Erlebnis.“

von Simon Benne

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