Handwerk und Design

Sie macht im Hildesheimer Land Taschen – aus besonderem Leder

Eberholzen - Astrid Jansen hat sich der nachhaltigen Produktion verschrieben – und fertigt in ihrer Manufaktur im Südkreis ganz besondere Stücke. Doch was haben Pferde damit zu tun?

Astrid Jansen zeigt eine ihrer Lederhandtaschen. Foto: Johannes Kuhlmann

Eberholzen - Mit schnellen Schritten geht die Modedesignerin Astrid Jansen durch ihr Wohn- und Arbeitshaus in Eberholzen (Gemeinde Sibbesse). Lederrollen und anderes Rohmaterial liegt unter sechs großen Tischen, Prägemaschinen, Schnittwerkzeug und Nähutensilien stehen verteilt im Raum. An den Wänden hängen Dinge aus ihrer Kollektion: Handtaschen, Gürtel und Portemonnaies. Denn mitten im Hildesheimer Unland fertigt Jansen hochwertige Lederhandtaschen, „so nachhaltig und fair wie möglich“, wie sie selbst sagt.

Am Anfang war das Reiten

Ihre Faszination für das Material beginnt beim Reiten. Schon als Kind begeistert sie sich dort für das strapazierfähige und schöne Sattelzeug. Später wird sie eine Ausbildung zur Schnittdirektrice machen, lernt, wie man Entwürfe von Kleidern in Zeichnungen übersetzt. Mitte der 90er Jahre folgt ein Modedesignstudium in Hannover.

Schon zu diesem Zeitpunkt liegt ihr Nachhaltigkeit am Herzen, und noch während ihrer Studienzeit gewinnt sie einen Landeswettbewerb für ihre Konzepte zur nachhaltige Mode. „Ich bin eigentlich nahtlos vom Studium zur Arbeit gekommen“, sagt sie. Später zieht sie nach Hildesheim, produziert bis zu ihrem Umzug vor fünf Jahren Lederwaren in einer kleinen Wohnung in der Oststadt.

Natürliche Gerbstoffe

Ihr Leder kommt dabei aus drei Gerbereien aus Deutschland, die das Material auf traditionelle Weise herstellen. Mittlerweile wird ein Großteil des Leders in Asien und Lateinamerika billig mit Chromsalzen gegerbt. Die Folgen für das Grundwasser und die Arbeiterinnen und Arbeiter, viele von ihnen Kinder, sind dabei erheblich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass neun von zehn Kinderarbeitern sterben, bevor sie 50 werden.

Eine Alternative zu umweltschädlichem Chrom sind natürliche Gerbstoffe wie Rinde, Blätter oder Wurzeln. Diese enthalten Tannine, welche vegetabil gerben können, wie es in der Fachsprache heißt: „Dieses Wissen wird in den Betrieben von Generation zu Generation weitergegeben“, erklärt Astrid Jansen, während sie eine Rolle unter dem Tisch hervorholt. Prüfend streicht sie über die raue Oberfläche: „Das hier sind die Nackenfalten“, stellt sie fest, während sie auf mehrere Einkerbung an der Oberseite zeigt.

Was die Modeindustrie entsorgt

Denn natürlich ist Leder ein Tierprodukt, das, in diesem Fall, an ein Rinderleben gekoppelt war. Wenn es dann nachhaltig und regional sein soll, hat das seinen Preis. Für die meisten ihrer Artikel muss man einen dreistelligen Betrag bezahlen, einige der aufwändigeren Handtaschen kosten 1000 Euro und mehr. Die Kombination aus den nachhaltigen Materialen und dem hohen Zeitaufwand für die einzelnen Werkstücke ergebe den hohen Preis. Das könne man Luxus nennen, aber „die billige Ware kommt uns am Ende alle teuer zu stehen“, merkt Jansen an.

Eine weitere Sparte Jansens ist die Weiterverarbeitung von Leder, welches große Firmen aussortieren. „Use less“, nennt sie das Konzept. Wenn etwa große Modemarken sich dazu entscheiden, eine bestimmte Kollektion einzustellen, kauft Jansen das Material auf und verarbeitet es weiter. Aus Leder, das eigentlich für ein Sofa gedacht war, wird so eine neue Bauchtasche mit Schulterriemen. Viel zu oft würde in der Modeindustrie weggeschmissen. „Ich halte die Sache hier länger am Leben!“ Im Gegensatz zur „fast fashion“ der großen Modemarken, produziert die Modedesignern „slow fashion“, also langsame Mode, denn mit dem richtigen Umgang würden ihre Sachen ein Leben lang halten.

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